19.-20. Jahrhundert

1806/07 kam es zum preußisch-französischen Krieg. Am 19.10.1806 marschieren französische Truppen durch Wegeleben.
Die sogenannte "Löffelgarde" plünderte die Stadt. Das Fürstentum Halberstadt kam zum Königreich Westfalen.
Wegeleben wurde Hauptort eines Kantons. 1. Bürgermeister wurde Amtmann Walther, 1. Maire Amtmann Grahn aus Rodersdorf.
Zu diesem Kanton gehörten Wegeleben, Harsleben, Adersleben, Rodersdorf und Hedersleben.
Auch in Rodersdorf plünderte am 19.10.1806 ein Corps kaiserlich französischer Infanterie und Kavallerie.
Geld und andere Habseligkeiten, Lebensmittel und Schlachtvieh, Pferde und Wagen sowie Kaufmannswaren wurden mitgenommen, das Vieh teilweise vor Ort geschlachtet und gebraten. Am 3. Juli 1813 lief beim Maire Walther ein Schreiben des Kantonmaire Grahn aus Rodersdorf ein. Es enthielt Bestimmungen über die Gestellung von Arbeitern zum Festungsbau in Magdeburg.
Es hatten zu stellen: Wegeleben 24 Mann, Harsleben 19 Mann, Hedersleben 15 Mann, Rodersdorf 5 Mann und Adersleben 3 Mann.

1817 am 22. Juni, wurde auf dem Kapellenberg (dem heutigen Friedhof) ein steinerner Altar "zur wiedererrungenen Freiheit" (Befreiungskriege 1813 - 1814) errichtet und die Pflanzung von Eichenbäumen vorgenommen.

1824 wurde die Postzustellung auf dem Lande eingeführt. 1860 standen für die Landzustellung von Halberstadt aus nur 4 Landpostboten zur Verfügung, die in 4 Bereichen tätig waren. Rodersdorf lag im gleichen Bereich mit Adersleben, Emersleben, Groß Quenstedt, Wegeleben und Wehrstedt.

1840 lehrte in Wegeleben ein Eduard Saenger aus Rodersdorf.

1871 gab es ein Friedensfest am Kapellenberg.

1880 gehörten ca 30 % der heutigen landwirtschaftlichen Nutzfläche den Großgrundbesitzern, z.Bsp. 148 ha A. Langenstraß.

1910 hatte Rodersdorf 320 Einwohner.

1912 gab es einen größeren Brand in der Papierfabrik.

1932 wurde die Kraftomnibuslinie Halberstadt - Harsleben - Wegeleben eröffnet, die täglich sechsmal verkehrte.

1946 gab es eine Scharlach- und Typhusepidemie, der besonders viele Kinder zum Opfer fielen.
Am 1. Mai 1946 trat das Wegeleber Blasorchester zum ersten Mal wieder öffentlich auf, in Rodersdorf. Zuvor (seit 1933) hatte das faschistische Regime öffentliche Auftritte verboten. Im II. Weltkrieg sollten sogar alle Instrumente bei Alt- und Buntmetallsammlungen abgegeben werden.

1948 Am 1. Januar 1948 brannte es im Rodersdorfer Saal.
1948, Juni, Währungsreform in Westzonen Deutschlands und Westberlin. Daraus resultiert eine Währungsreform in der sowjetischen Besatzungszone.
1948 gab es einen größeren Brand in der Papierfabrik.

1949 Im September 1949 wurde Conrad Adenauer Kanzler, Regierungssitz war Bonn. Am 7. Oktober 1949 wurde die Deutsche Demokratische Republik gegründet mit der Regierung unter Otto Grotewohl, Hauptstadt war Berlin.

1950 Ab 1. September 1950 kamen die Rodersdorfer Schüler von der 5. Klasse an nach Wegeleben.

1951 war der Standesamtsbezirk Wegeleben auch für Rodersdorf zuständig.

1952 Im Juli 1952 gab es eine Verwaltungsreform, die Länder wurden abgeschafft, Bezirke gebildet. Rodersdorf gehörte nun zum Bezirk Magdeburg. Am 4. Dezember wurde eine Verordnung zur Änderung der Bezirks- und Kreisgrenzen erlassen, so dass Rodersdorf nun zum Kreis Halberstadt gehörte.
1952 wurde die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) "Neue Zeit" Rodersdorf gegründet.

1953 wurden in Wegeleben und Deesdorf Kinderkrippen errichtet.

1959 vereinigten sich die LPG Adersleben, Deesdorf und Rodersdorf zur LPG "7. Oktober" Adersleben.
Die landwirtschaftliche Nutzfläche betrug 1764 ha und setze sich aus 84 % Ackerland, 10 % Grünland und 6 % sonstigen Flächen zusammen. Geräte und Maschinen erhielt die LPG von der Maschinen- und Traktorenstation (MTS) Wegeleben. 1959 wurde das Talsperrensystem im Harz im wesentlichen vollendet, so dass Rodersdorf von den regelmäßig wiederkehrenden Überschwemmungen durch Bode und Selke von nun an weitestgehend verschont blieb. Zu Zeiten extrem hoher Niederschläge oder starker Schneeschmelze wird man aber jetzt noch an die alten Zustände erinnert.

1960 hatte die LPG "7. Oktober 1959" 1555 ha und 303 Mitglieder und war einer der wirtschaftsschwächsten Betriebe des Kreises.
1961 lag sie mit 4,64 Mark pro AE (Arbeitseinheit) auf dem vorletzten Platz im Kreis. Am 13. August 1961 wurde die Grenze zur Bundesrepublik und zu Westberlin geschlossen.

1961 wurde in Wegeleben eine staatliche Arztpraxis eingerichtet.

1963 hatte die LPG Adersleben 332 Mitglieder und bearbeitete 1609 ha Land. Der erwirtschaftete Wert der AE lag bei 8,50 Mark.
Pro 100 Hektar wurden 63,3 Rinder, 129,3 Schweine und 132 Legehennen gehalten.

1965 wurde mit dem Aufbau einer 10-klassigen Oberschule begonnen. Die Schule in Rodersdorf mit Abteilungsunterricht für die Klassen 1 und 2 wurde aufgelöst und von Wegeleben übernommen, Hort und Kindergarten blieben. Der Schulbus nach Rodersdorf wurde zur Linienbusverbindung von Halberstadt nach Hedersleben.

1973 wurde ein Zweckverband für Wohnungswirtschaft gegründet, angeschlossen waren Wegeleben, Harsleben, Deesdorf und Rodersdorf.
Es gab 321 Wohnungen und 10 Handwerker.

1974 wurde eine polytechnische Ausbildungsgemeinschaft für die Oberschule ins Leben gerufen.
Dazu gehörten der Betonbau Ostharz, der Kleinmöbelbau, das Kieswerk und die Papierfabrik Rodersdorf.

1975 Am 10. Mai wurde der Gemeindeverband Wegeleben mit Harsleben, Groß Quenstedt, Emersleben, Adersleben, Deesdorf und Rodersdorf gegründet.

1978 wurde in Rodersdorf die 1000-Jahr-Feier würdig begangen. Zu diesem Anlass wurde vom Bürgermeister Köhler, dem Lehrer E. Menzel und B. Büchner eine Chronik erarbeitet, die in späteren Jahren verloren ging.

1985 ging Pastor Feldmann in Ruhestand, seine Stelle übernahm Pastorin Skrodzki.

1989 Im August setzte eine Massenflucht von DDR-Bürgern ein, die politische Führung schwieg und bereitete den 40. Jahrestag der Republik vor. Mehrere Regierungswechsel (E.Krenz, W. Stoph, Dr. G. Maleuda, Dr. H. Modrow, L. de Maisiere) folgten.

1990 Im Frühjahr 1990 wuchsen die Proteste in der Bevölkerung, die Demonstranten in den Großstädten forderten einen bedingungslosen Anschluss an die BRD.
Am 18. März 1990 wurden vorgezogene Wahlen zur Volkskammer der DDR durchgeführt, die CDU war absoluter Gewinner.
Der 1. Mai 1990 (der Kampf- und Feiertag der Arbeiterklasse), das 100. Jubiläum dieses Feiertags, verlief in Rodersdorf (wie auch in vielen anderen Städten und Gemeinden) ohne eine Veranstaltung.
Juli 1990, die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion mit der BRD trat in Kraft, die Deutsche Mark (DM) wurde alleiniges Zahlungsmittel.
Die Mark der DDR wurde in der Regel 2 : 1 abgewertet. Personenkontrollen an der deutsch-deutschen Grenze entfielen.
3. Oktober wurde Staatsfeiertag: Tag der deutschen Einheit. Die Privatisierung von staatlichen und genossenschaftlichen Betrieben, Einrichtungen und Grundstücken begann. Am 14. Oktober fanden Landtagswahlen statt, die Länderstruktur wurde wiederhergestellt, Rodersdorf gehört zu Sachsen-Anhalt.

1992 Am 24. Juli 1992 wurde mit dem Bau eines Großklärwerkes in Adersleben begonnen, an das auch Rodersdorf angeschlossen wird.
Es wurde im Juni 1993 in Betrieb genommen.

1993 wurden neue Postleitzahlen eingeführt, Rodersdorf hatte bisher 3601 und bekam nun die 38828.
Im Frühjahr 1993 wurden Reparaturarbeiten am Kirchturm ausgeführt.
1993 wurde vom Innenminister bekanntgegeben, dass seit Dezember 1992 die Bevölkerung um 180.000 geschrumpft ist.
Ursache sind der starke Geburtenrückgang und die Abwanderung in die alten Bundesländer.
Kurz vor Jahresende 1993 begann die Kiesförderung in der Grube "Bodetal" die zwischen Wedderstedter Weg und Bodeaue liegt, fast gegenüber von Rodersdorf, wo das Gelände zum Saalberg aufsteigt.

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