Der Zweite Weltkrieg

(Empfehlung: Lesen Sie auch die umfangreichen Beiträge Der Zwei-plus-Vier-Vertrag und Kalter Krieg im Harzer Land - recherchiert und aufbereitet von M. Wagner)


 In diesem Artikel aus dem Jahr 2012 wurde der Versuch unternommen Ereignisse aus der Zeit des deutschen National-Sozialistischen Staates und des zweiten Weltkrieges zusammen zu tragen. Vieles was damals passierte, geht aus dem kollektiven Gedächtnis verloren. Ein Anspruch auf Vollständigkeit bestand bei der Recherche nicht.

Reichskanzler Hitler befahl in den letzten Kriegswochen den Ausbau der Festung Harz. Aber es gelang, die Bevölkerung so weit wie möglich zu schonen.

Während in der Vorharz-Region am 12. April 1945 der Krieg durch das vorrückende amerikanische ARMY-Corps vorbei war, lieferte man sich im Harz bis zum 20. April noch heftige Gefechte mit der eingeschlossenen und abgeschnittenen 11. Armee der Wehrmacht (60.000 Mann) unter Oberbefehshaber Generaloberst Lucht und SS-Einheiten. Dabei fielen 10.000 deutsche Soldaten und eine große Anzahl alliierter GI's die mir nicht bekannt ist. Es kam zu Hinrichtungen durch SS-Standgerichte an Wehrmachtsangehörige und Zivilisten. Den Wernigerödern dürfte das Schicksal des Kampfkommandanten Oberst Petrie in Erinnerung verblieben sein. Dafür das Oberst Petrie auf Bitten des Bürgermeisters die Stadt Wernigerode aus der vorgehenen Kampflinie nahm und damit die Stadt und seine Bewohner rettete, musste er mit dem Leben bezahlen.

300 Jahre nach dem 30-jährigen Krieg sollten sich bestimmte Ereignisse im Harz wiederholen. Feldherr Tilly soll gesagt haben, das er noch nie so viele Tote auf einmal gesehen hat. Tilly zog mit seinem Heer über den Harz und die sogenanten Harzschützen (Bürgerwehren) bedrängten in einen erbitterten Partisanenkrieg die Invasoren.

Literaturempfehlung: Buch "Festung Harz - Der Todeszug der 11. Armee" von Andreas Pawel


Verbrechen an Deutschen

Deutsche als Opfer alliierter Verbrechen 1944 bis 1946, Vertreibung, Massenvergewaltigungen, Bombenterror. Erschütternde Augenzeugenberichte vom Wüten der Rotarmisten gegen unsere Frauen in Ostpreußen, Schlesien und Berlin - und über dieselben Schandtaten, die GIs und Franzosen in ihren Besatzungszonen begingen. Die Einäscherung unserer Städte durch die angloamerikanische Luftwaffe - und wie heute die Zahlen der Opfer in Dresden und anderswo zynisch heruntergerechnet werden. Das Massensterben in den Rheinwiesenlagern der US-Army: Zehntausende, manche sagen Hundertausende verreckten elendig.

Kein anderer als Konrad Adenauer sagt in seiner Rede in Bern am 23. März 1949: "Es sind aus den östlichen Teilen Deutschlands, aus Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn usw. nach den von amerikanischer Seite getroffenen Feststellungen insgesamt 13,3 Millionen Deutsche vertrieben worden. 7,3 Millionen sind in der Ostzone und in der Hauptsache in den drei Westzonen angekommen. 6 Millionen Deutsche sind vom Erdboden verschwunden. Sie sind gestorben, verdorben. Von den 7,3 Millionen, die am Leben geblieben sind, ist der größte Teil Frauen, Kinder und alte Leute. Ein großer Teil der arbeitsfähigen Männer und Frauen sind nach Sowjetrußland in Zwangsarbeit verschleppt worden. Die Austreibung dieser 13 bis 14 Millionen aus ihrer Heimat, die ihre Vorfahren zum Teil schon seit Hunderten von Jahren bewohnt haben, hat unendliches Elend mit sich gebracht. Es sind Untaten verübt worden, die sich den von den deutschen Nationalsozialisten verübten Untaten würdig an die Seite stellen." Haben Sie je davon gehört, dass Adenauer so etwas gesagt hat? Aber ja, das Zitat stimmt, es ist zu finden auf der offiziellen Webseite konrad-adenauer.de




Inhalliche Gliederung

 

Sachsen unterm Hakenkreuz

Die Jüdische Gemeinde in Halberstadt

Niemand ist zurückgekommen

Einige Außenlager des KZ Buchenwald

KZ-Außenlager Langenstein-Zwieberge

Der Todesmarsch aus dem KZ Langenstein

Luftkämpfe über Quedlinburg

Die 9. und die 1. US-Armee

Luftangriffe auf Halberstadt vor dem 8. April 1945

Bordwaffenbeschuss zwischen Halberstadt und Wegeleben

Bilanz dieser Fliegerangriffe

Die Zerstörung Halberstadts

 Folgen und Bilanz der Zerstörung

Die Zeit nach den schweren Zerstörungen

Quedlinburg 

Wegeleben

Heteborn

Bernburg

Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit in Deutschland und im Harz

Zwangsarbeiterinnen und ihre Kinder

DDR-Justiz und NS-Verbrechen

Was geschah mit Hitlers Leiche?

 

Sachsen in der Zeit des Nationalsozialismus 1933-1945

 Sachsen unterm Hakenkreuz

Im Zuge der »Gleichschaltung der Länder« wird der Hitlervertraute Martin Mutschmann Reichsstatthalter von Sachsen. Am 30. Januar 1934 hört der Freistaat Sachsen staatsrechtlich auf zu bestehen, nachdem die Landesregierung unter Abtretung der Hoheitsrechte dem Reich unterstellt wurde. Unter Mutschmann, einem der mächtigsten Landespolitiker des nationalsozialistschen Deutschlands, kommt es ab Oktober 1938 in Sachsen zu Massendeportationen tausender Juden. Sachsen war jedoch auch ein Hauptschauplatz des Widerstandes gegen die Nationalsozialisten. So gehörte beispielsweise die Leipziger Schumann-Engert-Kresse-Gruppe in den Jahren 1943/44 zu den aktivsten Widerstandsgruppen Deutschlands. Im Zweiten Weltkrieg erleidet Sachsen schwere Verluste, wobei die Zerstörung Dresdens als besonderes Symbol des Krieges in die Geschichte eingeht.

10. März 1933 Absetzung der Regierung auf Grundlage der Verordnung zum Schutz von Volk und Staat (28.2.); Manfred von Killinger (NSDAP) wird zum Reichskommissar ernannt.

Mai 1933 Mit der »Gleichschaltung der Länder« wird Sachsen dem NSDAP-Reichsstatthalter Martin Mutschmann unterstellt. Von Killinger wird Ministerpräsident.

30. Januar 1934 Auf der Grundlage des Gesetzes über den Neuaufbau des Reiches wird der Landtag aufgelöst. Die Landesregierung wird unter Abtretung der Hoheitsrechte der Reichsregierung unterstellt. Damit hört der Freistaat Sachsen staatsrechtlich auf zu bestehen.

Ab 1934 Ihre politischen Gegner in Sachsen sperren die Nationalsozialisten unter anderem in den Zuchthäusern Bautzen und Waldheim und im Militärgefängnis Torgau ein. In Bernburg und Pirna-Sonnenstein finden im Rahmen der Euthanasiemaßnahmen zehntausende behinderte Menschen den Tod. Konzentrationslager befinden sich u.a. auf der Burg Hohnstein, der Festung Königstein und der Festung Colditz. Mit der Abschiebung von 5.000 Leipziger Juden (hier lebten 15.000 von insgesamt 23.000 sächsischen Juden) nach Polen beginnen im Oktober 1938 die Massendeportationen.

1939-1945 Im Zweiten Weltkrieg erleidet Sachsen schwere Verluste an Menschenleben und Kulturgütern. Besonderes Symbol des Krieges ist neben Dresden und vielen anderen deutschen Städten die Zerstörung Halberstadts (8. April 1945).

April/Mai 1945 Besetzung durch sowjetische, teilweise auch amerikanische (bis 1. Juli 1945) Truppen
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 Die Jüdische Gemeinde in Halberstadt

Halberstadt zählte einst zu den bedeutendsten jüdischen Zentren Mitteleuropas. Symbol hierfür war die prachtvolle Barocksynagoge. Teil der Geschichte der Stadt ist die Geschichte der jüdischen Gemeinde Halberstadts. Im 18. Jahrhundert war die jüdische Gemeinde Halberstadts eine der bedeutendsten im mitteleuropäischen Raum. Treibende Kraft für die Entwicklung war der bedeutende Hofresident Berend Lehmann (1661-1730).

Im 19. Jahrhundert erlangt die jüdische Gemeinde Halberstadts Bedeutung als Zentrum der Neo-Orthodoxie, die als Antwort auf die Reformbewegung im Judentum entstand. Nun war die später weltweit operierende Industriellenfamilie Hirsch Förderer und Stifter des jüdischen Gemeindelebens. Aus der Gemeinde kamen bedeutende Rabbiner wie Benjamin Hirsch Auerbach oder Israel Jacobson. Von der ehemals imposanten Barocksynagoge ist nur noch ein Mauerrest erhalten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die jüdische Gemeinde ausgelöscht, die Synagoge war abgetragen.

Sabine Klamroth beschreibt in Ihrem Buch sehr anschaulich über das Leben und die Bedeutung der Jüdischen Gemeinde in Halberstadt.

Antisemitismus
Sabine Klamroth: "In einer mittleren Stadt wie Halberstadt, in der über Jahrhunderte eine bedeutende jüdische Gemeinde in enger Nachbarschaft zur Mehrheit der Nichtjuden lebte, gab es nach meinen Feststellungen vor 1933 keinen militanten und auf lokaler Ebene organisierten Antisemitismus. Jedoch entnehme ich den Äußerungen vieler nichtjüdischer Halberstädter Interviewpartner, daß der latente Antisemitismus, der "Rischus", wie ihn die Juden nennen, entweder bewußt oder unbewußt auch in den scheinbar ruhigen Zeiten fest in den Gemütern wurzelte, und zwar lange ehe sich die Nazis am Horizont bemerkbar machten. Er wurde wohl vor allem gedämpft durch die Tatsache, daß jüdische Firmen und Personen, wie Aron Hirsch & Sohn, aber auch Samuel Baer's Söhne, H.J. Meyer & Söhne, Nußbaum mit Bank und Gütern, Julius Meyer, mit der bekannten Druckerei und viele andere, große und soziale Arbeitgeber waren. Die Halberstädter kauften auch gern in den jüdischen Warenhäusern im Stadtzentrum ein. In der orthodoxen Gemeinde in Halberstadt, die schon durch strenge Gesetzestreue, wie z.B. Schabbatruhe, koschere Lebensweise, Schranken zu den Gojim aufrichten mußten, kam es aber kaum zu einem Dialog zwischen den Religionen, der allerdings an den Stätten des Reformjudentums aus anderen Gründen gleichfalls fehlte." 

Gesellschaftlicher Verkehr, Zwischen Loge und "Polnischem Minjan"
Sabine Klamroth: "Orthodoxe Juden und nichtjüdische bürgerliche Familien verkehrten, von seltenen Ausnahmen abgesehen, nur auf wirtschaftlichem und allenfalls auf kommunalpolitischen Gebiet miteinander. Davon abgesehen bildeten sie innerhalb der mittelgroßen Kommune zwei Parallelgesellschaften, wobei jede von ihnen auch noch die gesellschaftlichen Schranken zwischen den Bewohnern der Ober- und der Unterstadt beachteten. Religiöser Mittelpunkt für die Juden war natürlich die Synagoge, ihr soziales Zentrum bildete die Ecke Kaiser/Blücherstraße gelegene "Berend-Lehmann Loge", in deren Haus sich auch das Casino befand. Die sozialen Barrieren innerhalb der Halberstädter Judenheit wurden unter anderem durch das "Polnische Minjan" im Westendorf verdeutlicht, wo sich fast ausschließlich jüdische Einwanderer aus dem Osten versammelten. Die nichtjüdische Bourgoisie, den Juden gegenüber in beachtlicher Mehrheit, blieb unter sich, und hielt freundschaftlichen Kontakt zu den Offizieren der in der Stadt liegenden Garnisonen. Freundschaften zu Juden kamen ebensowenig in Frage wie zu den meist ärmeren Bewohnern der Unterstadt."

Willy Cohn
"Liebend gern sind wir zu Willy Cohn gegangen". "Als Kind ging ich mit großen Augen zu Willy Cohn zur Weihnachtsausstellung. Großartig! Ganz pompös!" "Bei Willy Cohn war es immer herrlich. Da sind wir jeden Abend hingegangen und haben uns alles angesehen. Stundenlang in der Spielwarenabteilung". Und so weiter, und so weiter, wenn man Umfrage hält bei den heute über Achtzigjährigen. Willy Cohn war nicht nur angesehen. Er war auch ungeheuer beliebt.

Habe ich sein Warenhaus in der Schmiedestraße nicht auch noch erlebt? Den langen Innenhof mit dem gewölbten Glasdach, wie ich es später in den Großstädten und noch später wieder in Leipzig gesehen habe? Die bis zum vierten Stock hinaufführende doppelläufige Treppe - zum Staunen! Die Christfeste mit dem riesengroßen Weihnachtsbaum und die Spielwarenausstellung im Advent: Pfeifende Eisenbahnen, Looping drehende Flugzeuge, sprechende Puppen, tanzende Bären, erleuchtete Zwergenhäuser, bunt sortierte Spielkaufläden, leuchtend blaue und rote Brummkreisel und über allem ein funkelnder Sternenhimmel.  "Alles regt sich, alles bewegt sich", hieß es in jedem Dezember wieder.

Nein, eigentlich kann ich keine Erinnerung haben. Am 9. November 1938, als das Warenhaus geplündert und sein Zauber ein für allemal zerstört wurde, war ich fünf Jahre alt. Wahrscheinlich kann ich nicht zwischen den nostalgischen Erzählungen, einigen wenigen Fotografien und eigenem Erleben unterscheiden. Die Cohns sollen aus Ostpreußen gekommen sein. Ob das wohl noch an seiner Sprache zu hören gewesen ist? Wenig weiß ich über ihn, der sich für mich hinter der Vielfalt seines Sortiments verbirgt. Ob schon seine Vorfahren unter den vielen Cohns in den alten Halberstädter Einwohnerbüchern verzeichnet sind? ich bin auf Vermutungen angewiesen. Jedenfalls ließ er 1901 sein legendäres Warenhaus bauen, da war er 36 Jahre alt..............

Die deutschen Kirchen und die Juden

Konstantin Wecker: "Am 9. April 1945 wird der Theologe Dietrich Bonhoeffer, gerade mal 39 Jahre alt, im KZ Flossenbürg von den Nazis ermordet.
1933 veranstalten die "Deutschen Christen" eine Großkundgebung im Berliner Sportpalast. Hauptredner ist der Gauobmann Krause, der die Kirche zur "Befreiung vom alten Testament mit seiner jüdischen Lohnmoral, von diesen Viehhändler- und Zuhältergeschichten", zur Beseitigung der "jüdischen Theologie des Paulus und zum Glauben an den heldischen Jesus" aufruft.
Der Großteil der deutschen "Christen" liegt vor Hitler anbetend auf den Knien. Viele der hitlertreuen Würdenträger blieben nach dem Krieg noch in Amt und Würden.
Der mutige Christ Bonhoeffer engagiert sich in Opposition gegen das Reichskirchenregiment für die "Bekennende Kirche" in Preußen als Notkirche.
"Unsere Evangelische Kirche ist judenreiner als irgendeine andere Organisation" - den schrecklichen Jubelschrei des Landesbischof Wurm (1937) beantwortet der furchtlose Bonhoeffer mit dem wunderbaren Satz:
"Nur wer für Juden schreit, darf Gregorianisch singen".
Sein aufrechter Gang für die Menschlichkeit im Namen Christi wird ihm im Endeffekt das Leben kosten.
Seine These lautet: Kirche und Unkirche können keine Gemeinschaft miteinander haben.
Bonhoeffer, ein eher konservativer Mann, gehörte keiner politischen Gruppe an. Er war Mensch. Er war mutig. Er hätte fliehen können. Er hat sich entschieden zu bleiben."

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 Niemand ist zurückgekommen

Im Jahre 1938 schoben die National-Sozialisten mit Unterstützung der städtischen Standesbeamten einen großen Teil der aus Polen zugewanderten Juden in das Gebiet vor der polnischen Grenze ab. 1942 war das Todesjahr der (von einst 300 Familien im Jahr 1933) in Halberstadt verbliebenen Juden. Sie wurden nach Warschau und Auschwitz deportiert. Niemand von ihnen ist zurückgekommen. Nahe Halberstadt gab es das Konzentrationslager Langenstein-Zwieberge in dem mehr als 4500 Leben ausgelöscht wurden, bis zur Befreiung des Lagers durch Einheiten der 8. amerikanischen Panzerdivision am 11. April 1945. 
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 Einige Außenlager des KZ Buchenwald

KZ-Außenlager Langenstein-Zwieberge, heute Landkreis Harz (Malachyt, Maifisch - Codenamen: BII, Z, Mfs), 21. April 1944-11. April 1945
KZ-Außenlager Aschersleben (Codename: AL), 15. August 1944-10. April 1945
KZ-Außenlager Goslar, Lager-Nummer: 255
KZ-Außenlager Wernigerode
KZ-Außenlager Staßfurt (Reh), 15. September 1944-11. April 1945
KZ-Außenlager Wansleben, (Wilhelm, Biber II - Codenamen: Wi, Bbr und Mf)[7][8], April 1944-10. April 1945
KZ Dora (KZ Dora-Mittelbau) bei Nordhausen, 28. August 1943 bis Herbst 1944 als KZ-Außenlager (Dora steht für den Buchstaben D) - danach eigenständig als KZ Mittelbau (nach der Zerstörung der Heeresversuchsanstalt Peenemünde umgebaut. Die Anlage im Kohnstein war die größte unterirdische Rüstungsfabrik des Zweiten Weltkrieges. In dem Werk wurde vor allem die Vergeltungswaffe 2 (V2) produziert.) NACH OBEN

 

 KZ-Außenlager Langenstein-Zwieberge
Heute Landkreis Harz (Malachyt, Maifisch - Codenamen: BII, Z, Mfs), 21. April 1944-11. April 1945

"Malachit" war der Deckname eines Außenlagers des KZ Buchenwald bei Halberstadt/Harzvorland. Im Rahmen der Nazi-Untertageverlagerung der Rüstungsproduktion entstand Ende April 1944 das Konzentrationslager Langenstein-Zwieberge. Bis zur Befreiung durch US-amerikanische Truppen am 11. April 1945 mussten über 7.000 Häftlinge aus 22 Ländern sowie Staatenlose ein 13 Kilometer langes Tunnelsystem in das Sandsteinmassiv der Thekenberge treiben. Nach Fertigstellung der Stollen sollte dort u. a. eine Teilproduktion der Jägerfertigung für die Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG aufgenommen werden. Viele der Gefangenen überlebten die unmenschlichen Bedingungen nicht, es herrschte das Prinzip der "Vernichtung durch Arbeit".


Aussage von ARNO LUSTIGER, Historiker und Publizist,
zum KZ Langenstein (Malachit); aus der Sendung "Report Baden-Baden" vom 28.01.1997

"Das KZ Langenstein war das schlimmste überhaupt. Ich war bisher infünf anderen Lagern, aber das hier, Langenstein, war die absolute Hölle. Hier gab es fast keine... sehr schlechte Verpflegung, fast keine; die Verpflegung wurde nur einmal am Tag ausgegeben. Ich hatte Hungerphantasien, Halluzinationen. Die Lebenserwartung in Langenstein, die war sehr, sehr klein - sechs Wochen vielleicht. (65% der Häftlinge kamen um) nicht durch Erschießung oder Vergasung, sondern einfach durch furchtbar schlimme Arbeit, das nannte sich damals 'Verschrottung durch Arbeit'. (Aufgabe der Gefangenen: Anlage von 13 km Stollen für Rüstungsproduktion) Eigentlich kann man diesen Stollen ja nie vergessen - jahrelang hab ich ihn auch vergessen, dann kommt das wieder, das Gedächtnis an diesen verfluchten Stollen. Dieser verfluchte Stollen hat das Leben von tausenden von Kameraden gekostet. Die Arbeit - es gab verschiedene Kolonnen: erstmal Sprengung, dann Abräumen und Wegtransport. Der Abraum, also die Steine, die da gesprengt worden sind, bei der Sprengung angefallen sind mußten abgeräumt werden. Das geschah auf Loren. Die Gleise dieser Loren waren oft sehr schlampig verlegt, so daß es ab und zu zu Entgleisungen gekommen ist, die Loren sind entgleist mit ihrer Last. Zuerst mal mußten sie alle leer gemacht werden und dann mußten sie mit...unter Aufbietung aller Kräfte, die wir noch hatten, wieder in die Gleise geschoben werden. Das ist eine übermenschliche Arbeit, auch für gesunde Menschen und nicht für solche Skelette, die wir da waren. Ich hab ein paar Mal erlebt, wie ein Kamerad, der mit mir zusammen seine Lore vor sich geschoben hat, ohne ein Zeichen zu geben, ohne nichts wie eine tote Fliege umgefallen ist, einfach tot. Die Erhaltung unserer Arbeitskraft hatte die allerniedrigste Priorität. Es war ein Ziel wahrscheinlich der SS, uns durch diese Arbeit zu töten - 'Verschrottung durch Arbeit', denn Nachschub gab es genügend aus Buchenwald.

Am Ostertage, Sonntag und Montag, wurde im Stollen nicht gearbeitet,  weil die deutschen Meister ja Feiertag hatten. Inzwischen hatten sich  so viele Tote angesammelt; das Kommando, das diese Toten begraben hat - im Massengrab natürlich -, ist dieser Aufgabe gar nicht nachgekommen,  so (hat) das gesamte Lager am Sonntag, am Ostersonntag und Montag,  sich ausschließlich damit beschäftigt, diese Toten in einen Abgrund zu kippen.

Wir haben dann erfahren, als die Amerikaner sich der Gegend genähert haben, daß es einen Plan der SS gab, alle Häftlinge in den Stollen zu treiben und dann den Eingang wegzusprengen und uns damit zu töten. Zu der Ausführung dieses Plans ist es nicht gekommen, weil die SS - wie ich später erfahren habe - wußte, daß dieser Plan unter den Häftlingen bekannt war und es mit Bestimmtheit zu einem Aufstand kommen würde. Und diesen Aufstand hätten sie wegen zuwenigen Mannschaften, Wachmannschaften, wahrscheinlich nicht niederringen können. So haben sie also von diesem Plan Abstand genommen und stattdessen und auf Marsch geschickt.

Am 9.April [1945] wurden wir wieder auf den Appellplatz gerufen und da wurde verkündet,  daß alle gehfähigen Häftlinge auf Marsch gehen sollen. Mir war das schon bekannt,  was das bedeutet, ich habe den Todesmarsch von Auschwitz- Birkenau schon einmal  mitgemacht - und überlebt. Und so war es auch:  Es wurde die ganzen Nächte marschiert, wer nicht nachkommen konnte, der wurde erschossen. Wir bekamen nur einmal Marschverpflegung - am Anfang, und das war's dann. Das war vielleicht auch der Grund dafür, der Hunger, daß ich einfach geflüchtet bin."  NACH OBEN

 

 Der Todesmarsch aus dem KZ Langenstein

16. April 1945:
Prettin in Sachsen-Anhalt ist normalerweise eine idyllische Kleinstadt am Ufer der Elbe, deren Geschichte bis ins achte Jahrhundert zurückgeht. An diesem 16. April 1945 jedoch wanken und schwanken ausgemergelte Männer in zerrissener Häftlingskleidung mit letzter Kraft über die Straßen vor der Stadt. Ab und zu versucht einer von ihnen, am Wegrand etwas Essbares zu finden - eine von der Ernte liegen gebliebene Kartoffel etwa- , aber meist knüppeln die SS-Bewacher die Menschen brutal zurück in die weit auseinandergezogene Kolonne. Die Häftlinge sind nicht allein auf der Straße unterwegs. Immer wieder begegnen sie Flüchtlingsströmen. Auch diese schleppen sich mit letzter Kraft dahin, aber sie sind frei, bedroht nur von den Tieffliegern. Die Häftlinge jedoch befinden sich an der Schwelle zum Tode, körperlich am Ende. Wer nicht mehr weiter laufen kann, wird sofort erschossen.

Vor einer Woche sind sie aus dem Konzentrationslager Langenstein-Zwieberg bei Halberstadt aufgebrochen. 3000 Männer. Langenstein haben sie überlebt, obwohl die durchschnittliche Überlebensdauer im Lager nur 6 Wochen betrug: "Verschrottung durch Arbeit" lautete das zynische Motto der SS.Langenstein war erst im Mai 1944 in Betrieb genommen worden: Die Häftlinge sollten unter den Thekenbergen ein gigantisches Stollensystem errichten. Dorthin sollte nach Fertigstellung die Rüstungsproduktion der Junkerswerke verlegt werden. Häftlinge aus 17 Nationen schufteten unter entsetzlichen Umständen unter Tage und schafften es immerhin, ein Stollensystem von 13 Kilometern anzulegen. Das Arbeitsgerät war alt und die Arbeit dementsprechend schwer. Aber die meisten Häftlinge starben an Hunger und durch Schläge und Schikanen der SS und der zivilen Bewacher.

Besonders schwer war es für diejenigen, die zuletzt nach Langenstein gekommen waren: Häftlinge aus Auschwitz, die schon die Evakuierung und die Zwischenstationen Groß-Rosen oder Buchenwald überlebt hatten. Sie hatten Langenstein in einem vollkommen geschwächten Zustand erreicht. Trotzdem schafften es einige zu überleben: der deutsche Jude Arno Lustiger etwa oder der Warschauer Rudolf John. Sie zogen und schoben die schweren Loren, sie hielten die Brutalität der SS aus, bis zum 9. April. Die Befreiung schien nah. Aber dann formierten die SS-Wachmannschaften aus den Häftlingen sechs Kolonnen zu je fünfhundert Mann und trieben sie aus dem Lager.

Auf der Straße vermischten sie sich mit den Flüchtlingsströmen. Die einzelnen Kolonnen verloren einander, aber die SS ließ nicht locker, sie trieb die immer schwächer werdenden Häftlinge gnadenlos vor sich her, auf einem sinnlosen Marsch ohne Ziel. Bis zu diesem sechzehnten April, als eine Gruppe bei Prettin die Elbe erreicht. Zweihundert Mann sind sie nur noch, die übrigen dreihundert hat die SS erschossen, wenn sie erschöpft liegen blieben - oft unter den Augen der Zivilbevölkerung. Einige wenige konnten fliehen.

Die Häftlinge sind total entkräftet. "Die Einwohner betrachten uns mit Bestürzung", beobachtet Rudolf John. Einige Frauen werfen den Männern Brot zu. Zweihundert sind sie noch. Die meisten werden ihr Ziel, die Befreier, nicht erreichen. Für sie zählt inzwischen nicht jeder Tag, nein: jede Stunde zählt. NACH OBEN

 

 Luftkämpfe über Quedlinburg

In Erzählungen wurde berichtet, das es in den letzten Kriegsjahren regelmäßig zu Luftkämpfen über dem militärischen Flugplatz Quarmbeck südlich von Quedlinburg kam. Diese Luftkämpfe wurden auch über Quedlinburg beobachtet. Eine Zeitzeugin berichtete , damals 8 Jahre alt: " ... Wir hörten den furchtbaren Flugzeuglärm, das Knattern der Maschinengewehre, eine Bombe fiel in der Süderstadt, ein Flugzeug stürzte ab..."  NACH OBEN

 

 Die 9. und die 1. US-Armee

In den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs machte die sogenannte "Harzfestung" von sich reden. Am 8. April 1945 erklärte das Oberkommando der Wehrmacht den Harz zur "Festung" und rief zur Verteidigung Mitteldeutschlands vor den West-Alliierten aus. Das Hauptquartier lag bei Blankenburg. Zu den mobilisierten Einheiten gehörten Teile der 11. Armee, Einheiten der Waffen-SS und der Volkssturm. Während die 9. US-Armee nördlich des Harzes Richtung Elbe zog, traf die 1. US-Armee, als sie von Nordhausen (Südharz) weiter nach Norden vorstoßen wollte, besonders in den Bergen um den Bereich der Städte Ilfeld und Ellrich auf Widerstand. Erst am 7. Mai 1945 kapitulierten die letzten Verbände der 11. Armee und der Waffen-SS in den Bergen des Harzes. Einige versprengte Soldaten kämpften noch bis weit in den Mai gegen die Amerikaner. Tatsächlich war der Harz jedoch zu Ende des Zweiten Weltkrieges keine militärisch ernstzunehmende Festung. Die West-Alliierten umgingen den Harz relativ mühelos auf ihrem Weg in Richtung Elbe.

Ein Wegeleber Zeitzeuge (damals Jugendlicher in Hüttenrode) berichtete darüber, das eine amerikanische Nahkampfeinheit mehrmals nachts bei Blankenburg SS-Leuten lautlos den gar ausmachten: "Man fand sie immer mit aufgeschlitzter Kehle. Das waren alles Neger. Die Amerikaner rekrutierten wohl vorwiegend Farbige, die die Drecksarbeit zu verrichten hatten."

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 Luftangriffe auf Halberstadt vor dem 8. April 1945

Die ersten Bomben fielen in Halberstadt am 11. Januar 1944. Zielpunkte waren die Junkers-Flugzeugwerke und der Hauptbahnhof. Getroffen wurden mehrere Häuser und die Harzbrauerei. Eine Bombe schlug auch am Sommerbad ein, wodurch der erste Bombentote in Halberstadt, ein 16-jähriger Junge, zu beklagen war. Bei diesem Angriff waren insgesamt 700 amerikanische Fernbomber beteiligt, die auf mitteldeutsche Rüstungszentren angesetzt waren. Es handelte sich um keinen Terrorangriff, wie sie auf deutsche Großstädte üblich waren. Im Gelände der Junkerswerke waren beträchtliche Schäden entstanden, die aber schnell behoben wurden.

Ein zweiter Angriff am 22. Februar 1944 galt ebenfalls dem Junkerswerk in Halberstadt sowie ähnlichen Flugzeugfabriken in Aschersleben, Bernburg, Wernigerode, Magdeburg, Marburg und Bünde (Westphalen).
Die Bomben waren alle am Galgenberg zwischen Harsleben und Halberstadt auf das freie Feld gefallen, ohne Schäden angerichtet zu haben. Etwa 150 Bombentrichter hatten den Acker aufgewühlt.

Weitaus folgenschwerer war ein Luftangriff am 12. April 1944 auf das Kasernengelände vor den Thekenbergen. 29 Soldaten kamen dabei ums Leben, viele Gebäude wurden zerstört. Beim Abschuss eines amerikanischen Bombers am Großen Thekenberg fielen außerdem noch acht amerikanische Flieger, die nach dem Kriege exhumiert und in die USA überführt wurden.

Der vierte und bis dahin schwerste und verlustreichste Bombenangriff erfolgte am 30. Mai 1944 durch B-17-Einheiten der 8. USAAF mit dem Ziel, die Junkerswerke und ihre Produktionsstätten zu zerstören. 52 Menschen starben unter ihren Häusern, in den Werkshallen der Junkerswerke und auf den Straßen. Schwer verständlich ist die Tatsache, dass zwar die Verluste der deutschen Zivilbevölkerung, wenn auch falsch (!), publiziert, aber die hohen Verluste der als Junkerswerker zwangsweise verpflichteten italienischen Kriegsgefangenen und anderen Fremdarbeiter nicht genannt oder erwähnt wurden.

Am 16. August 1944 war der Fliegerhorst zum zweiten Mal Ziel eines Bombenangriffs. Neun Soldaten und drei weibliche Wehrmachtsangehörige verloren ihr Leben.

Dem Junkersflugzeugwerk galt ein neuerlicher Angriff am 14. Februar 1945. Elf ausländische Staatsbürger wurden getötet. Mehrere Häuser wurden zerstört.

Am 19. Ferbuar 1945 erfolgte ein Angriff auf den Hauptbahnhof Halberstadt, der als Knotenpunkt von wichtiger strategischer Bedeutung war. Der Angriff, an dem sich nur wenige Jabos (Jagdbomber) beteiligten, war jedoch kaum wirkungsvoll.

Drei Tage später, am 22. Februar 1945, erfolgte schließlich gegen 13 Uhr ein Großangriff auf den Bahnhof, dem 155 Menschen zum Opfer fielen. Der Hauptbahnhof wurde völlig verwüstet und unbrauchbar gemacht. Besonders tragisch war, dass eine Bombe in die Wehrstedter Kirche einschlug und dort viele Schutzsuchende begrub. 
Rosemarie Wagner - eine Zeitzeugin - berichtete , damals 8 Jahre alt: " ... wir -  meine Mutter, meine zwei Schwestern und ich - saßen gerade im Zug auf dem Bahnhof Halberstadt als es den Fliegeralarm gab. Alle sollten aussteigen. Die meisten Menschen verließen den Zug um in der Fußgänger-Unterführung Schutz zu suchen. Unsere Mutter sagte zu uns, wir bleiben im Zug sitzen - egal was passiert und der Zug fuhr gerade noch rechtzeitig aus dem Bahnhof in Richtung Quedlinburg. Später erfuhren wir, das die Unterführung einen Treffer erhielt und niemand überlebte ... "

 

Der Hauptkriegsschauplatz war allerdings im Osten

Ende März 1945 stand die 1. Belorussische Front auf der deutschen Seite jenseits der Oder und bereitete die Großoffensive gegen Berlin vor. Ihr gegenüber stand die 9. Armee tief gestaffelt entlang der Seelower Höhen und bereitete die Verteidigungslinien vor.

Vom 16. bis 19. April tobte die Schlacht um die Seelower Höhen. Die größte Schlacht auf deutschem Boden machte unter entsetzlichsten Verlusten und furchbarsten Zerstörungen den Weg für die Rote Armee nach Berlin frei. Selbst kriegserfahrene Soldaten und Offiziere wurden in den Jahrzehnten danach von Erlebnissen verfolgt, wie brutal sich die Männer mit Spaten und Stichwaffen niedermetzelten.

Die 1. Belorussische Front hatte in den vier Tagen der Schlacht nach eigenen Angaben 33.000 sowjetische und ca. 2.300 polnische Soldaten durch Tod verloren. Fast 100.000 Verwundete standen für weitere Handlungen nicht mehr zur Verfügung. Die Wehrmachtsverbände hatten in den vier Tagen 12.000 Mann verloren. Andere Quellen berichten von insgesamt 100.000 gefallenen.

Die Stellung auf den Seelower Höhen war die letzte Hauptverteidigungsstellung außerhalb Berlins. Am Ende des 19. April hatte die deutsche Ostfront aufgehört zu existieren. Am 25. April war Berlin komplett eingeschlossen und die Schlacht um Berlin erreichte ihren Höhepunkt. Eine Woche später war Adolf Hitler tot. Am 2. Mai schweigen in Berlin die Waffen.

7. Mai: Generaloberst Alfred Jodl unterzeichnet im Namen des deutschen Oberkommandos die Gesamtkapitulation aller Streitkräfte im Alliierten Hauptquartier in Reims.

9.Mai: Um den Beitrag der Roten Armee an der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus zu würdigen, wird im sowjetischen Hauptquartier in Berlin-Karlshorst die Kapitulationsurkunde für alle Wehrmachtsteile nochmals unterzeichnet. Hochrangige deutsche Militärs (Wilhelm Keitel, Hans-Georg von Friedeburg und Hans-Jürgen Stumpff) ratifizieren in Anwesenheit von Marschall Georgij Konstantinowitsch Schukow die Urkunde. Mit der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches endet der Zweite Weltkrieg. Weltweit starben rund 60 Millionen Menschen, 35 Millionen wurden verletzt. Deutschland hatte offiziell fünf Millionen Tote zu beklagen. Schon Ende des Jahrzehnts wußte man, das die Zahl der deutschen Opfer deutlich höher war. Allein in Berlin kamen 50.000 Menschen ums Leben. Bei Kriegsende befinden sich mehr als elf Millionen deutsche Soldaten in Kriegsgefangenschaft: 3,8 Millionen sind in US-amerikanischer, 3,7 Millionen in britischer und 3,2 Millionen in russischer Gefangenschaft. Berlin vereinigte ein Siebtel der Trümmermassen ganz Deutschlands auf sich: 75 Millionen Kubikmeter Schutt bedeckten die Stadt. 612.000 Berliner Wohnungen sind vollkommen zerstört.

22. Mai: In Flensburg werden Karl Dönitz und die gesamte noch auf Hitlers Wunsch eingesetzte "geschäftsführende Regierung" verhaftet.

26. Juni: Gründung der Vereinten Nationen (Uno), 51 Staaten unterzeichnen die Uno-Charta.

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 Bordwaffenbeschuss zwischen Halberstadt und Wegeleben

Außerdem kamen durch Bordwaffenbeschuss zwischen Halberstadt und Wegeleben fünfzehn kriegsgefangene Engländer und zwei amerikanische Kriegsgefange ums Leben, die sich auf dem Transport in das Gefangenenlager Fallingbostel befanden. Aus dem Bericht eines Augenzeugen:   ""... Die Jagd der Tiefflieger dauerte etwa fünfzehn Minuten. Als die Hatz auf die Menschen zu Ende war, erhoben sich die Überlebenden kreidebleich und gingen aufeinander zu, über die Leichen hinweg gingen wir zum Zug zurück ... zu Leichen, die unsere Kameraden waren ..." NACH OBEN


 Bilanz dieser Fliegerangriffe:
11. Januar 1944:  1 Toter
22. Februar 1944:  kein Toter
12. April 1944:  29 Tote
30. Mai 1944:  52 Tote
16. Auguts 1944: 12 Tote
14. Februar 1945: kein Toter
19. Februar 1945: 11 Tote
22. Februar 1945: 155 Tote
Zusammen mit den 17 Kriegsgefangenen starben bei diesen acht Angriffen 277 Menschen. NACH OBEN


 Die Zerstörung Halberstadts.

Am 7. April 1945 sollte der Hauptbahnhof Schauplatz eines fruchtbaren Dramas werden. Am frühen Nachmittag dieses Tages kreisten mehrere Jagdbomber über der Stadt, warfen einige Stabbrandbomben, schossen mit Bordwaffen in die Straßen und griffen einen auf Glas 9 des Hauptbahnhofs abgestellten Munitionszug an, nachdem sie vorher von Zugflak vom Bahnhof her beschossen worden waren. Die hochbrisanten Seeminen, mit denen der Zug beladen war, explodierten. Die Detonation war noch in 30 Kilometer Entfernung zu vernehmen. Luftdruckschäden gab es im gesamten Stadtgebiet, vornehmlich in der Nähe des Bahnhofs. Durch die Explosion war ein Trichter von 280 Meter Länge, 15 Meter Breite und vier Meter Tiefe entstanden, der sich sofort mit Wasser füllte.

Am 8. April 1945 hatten die amerikanischen Panzerspitzen der 9. Armee den Nordwestrand des Harzes erreicht und näherten sich Seesen (Besetzung am 9. April). In den frühen Morgenstunden wurden auf Flugplätzen nördlich der Industriestadt Bedfort in Mittelengland die Einsatzbefehle  für die Bombersquadrons der 8. USAAF erteilt. Von den Flugbasen aus starteten sechs Einheiten schwere Bombersquadrons Bomber-Wing. Für die rund 850 Kilometer lange Strecke waren etwa zwei Flugstunden vorgesehen, sodass die Verbände gegen 9 Uhr starteten. Die Wings bestanden aus 215 Fernbombern B-17, die durch Mustang-Langstreckenjäger geschützt wurden. Südlich des Ruhrgebietes flog der Verband ungehindert in das Reichsgebiet ein. Im Raum Fulda schlug der Verband Nordostkurs in Richtung Harz ein.

Um 11.10 Uhr wurde der Alarm ausgelöst und um 11.25 Uhr näherte sich die erste Bombergruppe aus südwestlicher Richtung in etwa 3.000 Meter Höhe der Stadt. Die Zielmarkierer setzten ihre Rauchzeichen und kurze Zeit später fielen die ersten Bomben im südlichen Stadtgebiet beiderseits der Blankenburger Bahn. Die folgenden Wellen warfen in kuzen Zeitabständen ab und bombardierten vorwiegend das Stadtzentrum. Die letzten beiden Gruppen setzten um 11.54 Uhr nacheinander ihre tötliche Last ab. Die Besatzungen meldeten, dass "wahrscheinlich schwere Zerstörungen im Stadtinneren aufgetreten seien, dass eine besondere Konzentration der Einschläge im mittleren und südlichen Stadtgebiet festgestellt sei ..."

504 Tonnen Spreng- und 50 Tonnen Brandbomben regneten auf die wehrlose Stadt herab. Nach der erprobten Methode wurden zunächst die Häuserwände aufgerissen, die Dächer abgedeckt und die Straßen blockiert, dann regneten die Brandsätze in die offenen Häuser hinein und entfachten riesige Flächenbrände.

Wenn man bedenkt, dass 50 Tonnen Brandbomben immerhin 50.000 Kilo praktisch unlöschbares Gemisch aus Benzin, Viskose und Magnesiumstaub bedeuten und die alte Stadt infolge ihrer städtebaulichen Struktur leicht das Opfer eben solcher Flächbrände werden musste. Wenn man dazu die Fläche des bombardierten Gebietes in Halberstadt mit etwa zwei QKm ansetzt, so fielen 3.360 Sprengbomben (je 75 Kilo) und 15.000 Stabbrandbomben auf einen Quadratkilometer. Nach dem Angriff vorher und auch zwischen den einzelnen Wellen, schossen die Begleitjäger mit ihren Bordwaffen in die Straßen und auf fliehende Menschen. Nach einer halben Stunde war der Angriff beendet. Die Stadt war in eine riesige sich schnell ausbreitende Rauchwolke gehüllt. Welches Grauen sich in dieser Stadt abspielte, kann man nicht in Worte beschreiben.

Was in jahrhundertlangen Wachstum entsanden war, was durch den Fleiß der Bürger Generationen geschaffen worden war, wurde in einer knappen halben Stunde durch die Kriegsfurie vernichtet. Im Planquadrat Julius-Caeser der deutschen Luftlagekarte lagen auf einer Fläche von 1,1 Quadratkilometer 1,5 Millionen Kubikmeter Schutt und Trümmer. Und darunter lagen viele Bürger der Stadt, Flüchtlinge aus den Frontgebieten, Soldaten und ausländische Staatsbürger, die nach Deutschland verschleppt worden waren: erschlagen, erstickt, zerfetzt, verbrannt, vertümmelt.

Drei Tage später, am 11. April 1945, wurde die zerschundene, an vielen Stellen noch brennende und verwüstete Stadt von amerikanischen Truppen besetzt, für die Halberstädter war der Krieg endlich zu Ende.

Nur einen Monat vor Kriegsende und nur drei Tage vor dem Einmarsch amerikanischer Truppen wurden 82 Prozent der historischen Innenstadt zerstört. Während die deutschen Städte in Schutt und Asche sanken, "evakuierte" die SS noch am 8. April die jüdischen Häftlinge Buchenwalds, um ihre Befreiung durch die US-Armee zu verhindern. Für sie begann der Todesmarsch. Die Tage vom 8. April bis zum Besetzungstage durch die amerikanischen Truppen waren in Halberstadt durch Chaos, Anarchie, Verzweiflung, Elend und verzweifelte Rettungsaktionen gekennzeichnet. Die Kriegsereignisse vom 8. bis zum 11. April 1945 prägten nachhaltig und unwiderbringlich das Stadtbild, aber auch die Erinnerungen ihrer Bewohner.

Durch die gewaltige Hitzeeinwirkung schmolzen im Zentrum die Zeiger der Martinikirche fest auf 11.28 Uhr ein.

Alt-Halberstadt ist innerhalb von 16 Minuten Vergangenheit und so nicht mehr existent.

Warum wurden drei Tage vor dem Einmarsch der Alliierten noch 1.866 Menschen ermordet, von denen zirka 500 nicht identifiziert werden konnten?
Warum erfolgte dieser Angriff, obwohl sich in Halberstadt Anfang April 1945 etwa 70.000 Menschen aufhielten und in vierzehn Lazaretten, Kliniken und dem Salvator-Krankenhaus schätzungsweise 3.000-4.000 Verwundete und Kranke zusammengepfercht waren?

Historiker der ganzen Welt diskutieren immer noch die Frage, inwieweit solche Bombardements militärisch gerechtfertigt waren. Sind sie aus ethischer und rechtlicher Sicht nicht etwa Kriegsverbrechen? Es wird angezweifelt, dass die Luftangriffe die militärische Infrastruktur zum Ziel hatten. Von den Bombardements waren ja nicht so sehr Flugplätze, die Industriebetriebe und Kasernen der Städte betroffen, als vielmehr die Zivilbevölkerung und die historischen Innenstädte.

Laut einer Reihe von Historikern verfolgten die wenige Monate vor Kriegsende erfolgten Luftangriffe auf deutsche Städte wie Dresden und Halberstadt in der künftigen sowjetischen Besatzungszone politische Ziele: Das war eine militärische Machtdemonstration der westlichen Alliierten gegenüber der sowjetischen Staatsführung. NACH OBEN

 

 Folgen und Bilanz der Zerstörung

Im Zweiten Weltkrieg wurden in Halberstadt bei insgesamt zehn Bombenangriffen zirka 2.139 Menschen getötet. 8.000 Gebäude waren total zerstört und 2.000 beschädigt worden, was 82 Prozent des Bestandes entsprach. NACH OBEN

 

 Die Zeit nach den schweren Zerstörungen

Die Amerikaner erprobten über Halberstadt ein britisches Verfahren, den so genannten Todesfächer, der von der Royal Air Force erstmals am 11. und 12. September 1944 beim Angriff auf Darmstadt praktiziert worden war. Die Methode verband die Effizienz von Punkt- und Flächenbombardement. Der Bombenteppich sollte möglichst die gesamte Stadt bedecken, deshalb pflanzte der master of ceremony, der Markierer, sein Rauchzeichen vor das Zielgebiet. Sodann schwenkte die erste Bomberwelle von rechts über den Markierungspunkt nach Nordwesten, die zweite von links nach Nordosten, die letzte flog geradewegs über Punkt und Zielgebiet. Der Halberstädter Punkt war eine Schule, das Auguste-Viktoria-Lyzeum.

Am 11.04. erklärte Hitler den Harz zur Festung und ab 14.30 Uhr erfolgte der Einzug starker amerikanischer Einheiten der 9. Armee aus westlicher Richtung in das "Tor zum Harz", der Stadt Halberstadt. Vorher hatten noch einige fanatische Panzerfaustschützen an einer Gaststätte in der Braunschweiger Straße Stellung bezogen. Sie traten aber nicht mehr in Aktion. Einige beherzte Bürger waren den anrückenden Panzerverbänden entgegengegangen. Im Grundstück Burchardianger 1 mussten die Bewohner das Haus verlassen, weil sich hier der Stab des 329. amerik. Inf.-Rgt. einrichtete. Später muss die gesamte Braunschweiger Straße geräumt werden. Sie dient für etwa 14 Tage den amerikanischen Soldaten als Quartier.

Sofort nach der Besetzung der Stadt kam es an verschiedenen Stellen zu Übergriffen der sogenannten "Fremdarbeiter", die sich von überall her das nahmen, was sie brauchten. Derartige Übergriffe gab es sicher nicht nur in Halberstadt. Auch im nahegelegenen Osterwieck wurde darüber berichtet. Die ehemaligen kriegsgefangenen Soldaten verhielten sich gegenüber der Bevölkerung sehr korrekt. Amerikanische Soldaten drangen in die Paulskirche ein und zerfetzen die in der dortigen Gedächtnishalle untergebrachten alten Regimentsfahnen Halberstädter Regimenter und entwendeten die Trompete von Vionville. Viele unsinnige Zerstörungen werden in der ruinierten Stadt durchgeführt. So wurden die Särge im Mausoleum in den Spiegelsbergen erbrochen und 10 Urnen der besten Freunde Gleims, die im Gleimgarten um das Grabmal des Dichters standen, in einen Teich der Halberstädter Unterstadt geworfen. Jahre später hat man sie dort geborgen.

Die noch erhalten gebliebenen Schulen werden geplündert (Martineum, Lyzeum, Oberrealschule...). Vorratslager im ehemaligen Proviantamt, der Fa. Fricke in Wehrstedt und in der Schultheiß- Brauerei- Niederlassung werden geplündert. Nazis, deren die Sieger habhaft wurden, mussten Leichen aus den Ruinen der Stadt bergen. Diese Tätigkeit dauerte bis zum 18. März 1946 an. Zur Verpflegung der Einwohner und der "Ausländer" hat man Lebensmittelrationen festgelegt.


Vom 11.04. bis zum 29.04 galten folgende Lebensmittelrationen täglich:

für Einheimische  für Ausländer 
Wurst - 22 g
Fleisch 35,7 g 100 g
Fett 18,8 g 30 g
Brot 238 g 300 g
Nährmittel 18,7 g 25 g
Zucker 20 g 32 g
Marmelade 35 g 25 g
Kaffee- Ersatz 5 g 10 g
Quark 5 g -
Käse 5 g 10 g
Kartoffeln 350 g 400 g

 

Auch am 11.04.1945 gab es die Proklamation Nr.1 des amerikanischen Oberbefehlshabers Eisenhower: "Wir kommen nach Deutschland als siegreiches Heer; nicht als Befreier!" .

Durch amerikanische Truppen wurde am 11.04.1945 das KZ- Außenlager Langenstein-Zwieberge befreit.

Einige Fuhrwerksbesitzer fahren mit ihren Wagen Leichentransporte aus der Stadt zum Friedhof und bringen in Fässern Trinkwasser in die Stadt

Am 12.04. setzte die amerikanische Armee zur Freimachung der Straßen Bulldozer ein. In der Stadt gab es immer noch vereinzelte Brände. In der Zeit von 22.00 bis 05.00 Uhr gilt Ausgangsverbot. Die Bergung von Leichen aus den Trümmern beginnt nun in organisierter Form. Später werden ehemalige Nazional-Sozialisten (NSDAP-Mitglieder) hierfür eingesetzt, die vielen Leichen werden in Massengräbern am Nordende des Friedhofs beigesetzt.

 

Am 13.04. erfolgte ein Aufruf des OB der Stadt Mertens:

An meine lieben Halberstädter Volksgenossen!

Über unsere Stadt, der ich mehr als 32 Jahre diene, ist durch die Zerstörung größter Teile furchtbares Leid gekommen.

Wir, die wir noch am Leben sind, wollen zusammenhalten und arbeiten. Ich habe mich entschlossen, im Amt zu bleiben und Euch zu helfen, bis ein anderer an meine Stelle tritt. Meine Verwaltung kommt wieder in Gang. Sie ist im Landgerichtsgebäude in der Richard-Wagner-Straße untergebracht.

Unsere Aufgabe ist zunächst: Die Gefallenen zu bergen und zu begraben. Für Gas, Wasser und Strom zu sorgen. Für die Verpflegung, für Ruhe und Ordnung und Gesunderhaltung zu sorgen. Die Straßen gang- und befahrbar zu machen.
Helft mit! Nehmt, soweit möglich, die Arbeit sofort wieder auf! Verzagt nicht!

Halberstadt, den 13.April 1945 Der Oberbürgermeister
Gez. Mertens
 

Kurze Zeit später wird OB Mertens von der Militärbehörde verhaftet und als OB abgelöst. In einer Rettungsaktion wird der Halberstädter Domschatz nach Quedlinburg überführt, dort eingemauert und entgeht so seinem möglichen Schicksaal als Beute- bzw. Diebesgut. Die Amerikaner blieben nur bis zum 18. Mai 1945 in Halberstadt. Danach rückten die Engländer ein. Ihnen folgten gemäß den Beschlüssen von Jalta am 1. Juli 1945 die Russen.

Diesen ersten Tagen folgten Wochen und Monate schwerer Aufräum- und Wideraufbauarbeit. Sie ergaben dann Jahre, die sogenannten "schweren Nachkriegsjahre". Die Versorgungswege wurden freigeräumt, die Straßenbahnlinien instandgesetzt, Trümmer beseitigt, Versorgungsleitungen repariert. Schulen nahmen ihren Unterrichtsbetrieb auf ... und das zerstörte Stadttheater wird 1949 durch das neugebaute "Volkstheater" ersetzt. Im Ergebnis des Krieges teilten wie Halberstadt auch viele andere zerstörte europäische und deutsche Städte das aufgezwungene Erbe des Dritten Reiches, die Hauptlasten dabei trug die Bevölkerung. NACH OBEN

 

 Quedlinburg

Die Stiftskirche St. Servatius oder auch Dom zu Quedlinburg ist ein uraltes Wahrzeichen im nördlichen Harzvorland. Über tausend Jahre Geschichte atmet der spätromanische Kirchenbau. Auch Heinrich I., Stammvater der Ottonen und Sieger über die Ungarn, machte einst Quedlinburg zum Zentrum eines Imperiums, das von der Nordsee bis zum Mittelmeer reichte. Südwestlich des Domberges besaß Heinrich I. ein herrschaftliches Gut, das heutige Klostergut Wiperti. Im Dom auf dem Burgberg fand der König später seine letzte Ruhe.

Tausend Jahre Geschichte auf dem Domberg

Diese Ruhe wird genau tausend Jahre nach seinem Tod gestört und die Gruft zum Schauplatz eines dunklen Kapitels der Domgeschichte. Im Jahr 1935 leben 30.000 Seelen in Quedlinburg und man ist stolz auf die lange Geschichte. Die Stadtväter erinnern sich an den alten König Heinrich und sein Grab oben im Dom. Des Königs tausendster Todestag steht bevor und der soll würdig gefeiert werden - und zwar als "Reichsveranstaltung" im ganz großen Stil.

Himmler reißt die Herrschaft über den Dom an sich
 
So beginnen die neun dunklen Jahre, in denen das Gotteshaus entweiht und zum Kulttempel nationalsozialistischer Ideologie wird. Verbunden sind sie mit dem Namen des Jahrhundertverbrechers Heinrich Himmler - Reichsführer der SS und Chef der deutschen Polizei. Für den SS-Chef Himmler ist die Tausendjahrfeier ein "Geschenk des Himmels", das er propagandistisch ausschlachten und für seine Zwecke nutzen kann. Gilt ihm doch sein königlicher Namensvetter als Idealherrscher, der die deutschen Stämme geeinigt und mit seinen Siegen über die "asiatischen Horden" den Weg nach Osten gewiesen hat. Das Königsgrab im Dom ist damit der passende Ort für den Germanen- und Ahnenkult des "Schwarzen Ordens" und soll zur "nationalen Wallfahrtsstätte" umgestaltet werden. In den nächsten Jahren reißen Himmler und die SS die Herrschaft über den Dom an sich.

Aus dem Dom wird eine faschistische Kultstätte

Den Dom zu übernehmen ist für die SS kein großes Problem, gehört doch die Kirche seit dem 19. Jahrhundert dem preußischen Staat. Sämtliches Kircheninventar ließ Heinrich Himmler entfernen.
Gemeinsam mit dem preußischen Staatskonservator Robert Hiecke lässt Himmler innerhalb von zwei Jahren das Kirchenschiff in eine rein romanische Kulthalle umgestalten. Es war wie eine Festhalle und so empfand man das auch. Es hatte eigentlich mit Kirche nichts mehr zu tun. Nur wenige Quedlinburger wehren sich dagegen und gegen die Vertreibung der Domgemeinde aus ihrem Gotteshaus. NACH OBEN

 

 Wegeleben

1933 erfolgt die Gleichschaltung der Vereine und Verbände nach dem Machtantritt der N.S.D.A.P.,
Bürgermeister R. Wille wird abgesetzt. Nachfolger ist Ewald Strübig, bisher Bahnhofsvorsteher und Ortsleiter der N.S.D.A.P
Auf dem Eichenberg wird ein Denkmal für 123 Gefallene aus Adersleben und Wegeleben eingeweiht (1914/18)
das Blasorchester darf danach nicht mehr öffentlich auftreten

1934 Bau eines Wohnhauses für den Bürgermeister auf dem Eichenberg (Blankenburger Weg 2).
- Baubeginnn für eine Kanalisation vom Eulenturm zum Teichwall.
- Von April bis Dezember sommerlich bzw. frühlingshafte Temperaturen: Vor Weihnachten blühen schon wieder die Kastanien.

1935 Einwohnerzahlen: 268 in Adersleben, 414 in Deesdorf, 3231 in Wegeleben.
- Die Molkerei Wolf in der Langen Straße muß schließen.
- Auf Rathaus und Zuckerfabrik in Wegeleben werden Sirenen montiert.
- Ím Vergelich zu 1928 dürfen nur noch 80 % Zuckerrüben angebaut werden.

1935/1936 Notstandsarbeiten zur Verringerung der Arbeitslosigkeit besonders in der Kirche St. Peter und Paul, eine Ehrenhalle für Gefallene wird eingerichtet

1936 Das Rathaus Wegeleben wird ausgebaut

1937 Auflösung der katholischen Schulklassein Adersleben, "Jahr der Unwetter"

1938 Deesdorf wir vom Landkraftpostdienst ausgespart infolge der Kriegsvorbereitungen
- Luftschutzübungen werden durchgeführt.
- Baubeginn für das "Hitlerheim" im Stadpark Wegeleben.
Für 60 000 RM soll das "schönste im Kreis" entstehen.

1939 werden die ev. und kath. Schulen zusammengelegt sowie die 8.Stufe eingerichtet, der 2. Weltkrieg beginnt, Evakuierte aus dem Saarland kommen.
- weitere Luftschutzübungen
- 1. September Kriegsausbruch
- ehemalige Orchestermitglieder sollen ihre Instrumente für Kriegszwecke abgeben

1940 Am 23. Februar ist Feldflut infolge der Schneeschmelze, die Eisenbahn nach Thale wird unterbrochen, in Wegeleben ist Hochwasser
- Im August reisen die Saarländer ab, da Frankreich besiegt ist.
- Im Winterhalbjahr wird ein Bataillon Soldaten in Wegeleben einquartiert.
- Die Feuerwehr fährt Löscheinsätze bis Oschersleben, Magdeburg und Braunschweig.

1941 bekommt die Schule elektrisches Licht in die Klassenräume, damit morgens unterrichtet werden kann. Das Schuljahr beginnt nun im September.

1942 Aus Wegeleben befinden sich 225 Männer im Krieg. Gegen Frankreich sind vier gefallen, gegen Rußland bisher 26.

1943 nach dem Tode von Werner Walther-Weisbeck bewirtschaftet seine Witwe Gerda geb. von Marquardt die Rittergüter, die Domäne sowie das Gut von Walther Wiersdorff.
- In der Stadt leben immer mehr ausländische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, aber auch Flüchtlinge z.T. in Massenquartieren, in den Getreidehallen am Bahnhof werden Flugzeugteile für die "Ago" Oschersleben produziert.
- In Wegeleben sind zehn Lebensmittelgeschäfte, sechs Bäckereien, fünf Fleischereien und zwei Milchhändler.

1944 Adersleben hat 267 Einwohner, Wegeleben 3065.
- Ständiger Zuzug von Ausgebombten und Evakuierten, besonders aus Hamburg, Hannover, Berlin und Magdeburg, darunter 61 Schulkinder.
- Das "Hitlerheim" in Wegeleben wird von drei Magdeburger Mittelschulklassen belegt, dann wird es Wehrertüchtigungslager.
- Seit Januar sind öfters feindliche Bombengeschwader über der Stadt. Im November stürzt ein Bomber hinter der Ferdinantshöhe ab.
- 4. Dezember: Flüchtlinge kommen aus dem Rheinland (Düsseldorf und Duisburg besonders). Es sind ständig über hundert Fremde in der Stadt. In der Landwirtschaft, bei Handwerkern und auf der Zuckerfabrik werden laufend 350 bis 400 sogenannte ausländische Zivilarbeiter (Zwangsarbeiter d.R.) und Kriegsgefangene beschäftigt. Viele hausen in Massenquartieren.

1945 Über eintausend Fremde sind in der Stadt, dazu noch Kriegsgefangene.
- In den Getreidehallen beim Bahnhof wird das Werk 9 der "Ago" - Flugzeugwerke Oschersleben - untergebracht.
- Befehl, die Stadt zu befestigen und zu verteidigen. Auf das Hissen der weißen Fahne steht die Todesstrafe.
- 8. April Bombardierung Halberstadts. das Reserve-Lazarett wird nach Wegeleben in die Schule verlegt; deshalb nun "offene Stadt".
- Flüchtlinge aus dem Osten kommen ständig an. Über 6000 Einwohner sind gemeldet.

10. April: Einen Tag vor dem Einmarsch der amerikanischen Truppen, am 10. April 1945, nachmittags, kam ein Feldwebel mit ein paar Soldaten zum Rathaus und verlangte vom Bürgermeister Albrecht Brinkmann die Herausgabe der im Keller deponierten Waffen. Als diesem Verlangen nicht entsprochen wurde, begann er das Türschloß mit seiner Pistole aufzuschießen. Das veranlaßte schließlich den Bürgermeister, den Schlüssel herauszugeben.

11. April Amerikanische Soldaten besetzen Wegeleben, um 19.45 Uhr wird die offene Lazarettstadt vom amt. Bürgermeister A. Brinkman an die amerikanischen Truppen übergeben.
Der Sitz der Militärverwaltung wird im Schloß eingerichtet. Die Getreidehallen beim Bahnhof und die Wohnbaracken daneben werden anglo-amerikanische Kriegsgefangenenlager, der Schulunterricht wird verboten, die Lehrbücher werden verbrannt.

Lese-Empfehlung:
Erinnerungen an die Flucht 1945 - Regina Jahn, geb. Wagner (lebt heute in Wandlitz) beschreibt in Ihren
Aufzeichnungen sehr detalliert die Erinnerungen an die Flucht 1945. Sie kam in Adersleben an und überlebte.

Nach dem 18. Mai müssen die britischen Truppen das Besatzungsrecht ausgeübt haben (darüber fehlen jedoch Überlieferungen)

In Erzählungen kam immer wieder durch, das bei Eintreffen der amerikanischen Truppen die bei den Wegeleber Bewohnern befindlichen Kleinwaffen des Volkssturms heimlich entsorgt wurden, um nicht mit den Befreiern in Konflikt zu geraten. Nur Verblendete und Wahnsinnige würden den Kampf noch mit Panzerfäusten und Maschinengewehren gegen eine anrückende Armee aufnehmen. So etwas trug sich in Wegeleben nicht zu. Zum Glück - wer hätte denn in einer solchen brisanten Lage dafür garantiert, das der Ort nicht von den Amerikanern zusammengeschossen worden wäre.

Auch hörten wir in Erzählungen von ein oder zwei abgestellten Truppenversorgungszügen auf dem Bahnhof, die von der Wegeleber Bevölkerung ausgeplündert wurden. Es soll unter anderem ein ganzer Waggon mit "Jägermeister" und Büchsenbrot vorhanden gewesen sein. "Die Fremdarbeiter wollten das Sagen haben..., so kam es zu Prügeleien." Als Wegeleber mit vollen Handwagen den Bahnweg (Qedlinburger Straße) herunter kammen, fuhren gerade die Amerikaner in die Stadt ein. Das muss sich also am 11. April gegen Abend abgespielt haben.

Herr Hake - 1940 geboren - berichtet:
"Wir saßen im Luftschutzkeller, im großen Haus auf dem Siechenhof. Dort gab es einen großen Gewölbekeller. Damals haben wir uns rausgeschlichen und versteckt vom Dachboden aus die Bombardierung von Halberstadt beobachtet.
Mit 5 Jahren wurde ich eingeschult, wir waren 42 Mann in 3 Jahrgängen in einer Klasse. Bürgermeister Brinkmann hatte ein schwarzes Pferd und reitete mit weißer Fahne den anrückenden Truppen entgegen und übergab die Stadt an die amerikanische Einheit. Sonst hätten die alles kaputt gemacht. Die Amerikaner standen mit vielen Panzern in Wegeleben. Sie kamen über den Harz, Hasselfelde, Cattenstedt, Blankenburg, Quedlinburg. Wegen Westberlin kamen später die Russen. Sonst wäre hier Westen gewesen.
Diesseits und Jenseits auf dem Acker am Moor finden die Bauern heute noch beim Pflügen Fragmente von zwei Flugzeugen.
12 amerikanische Maschinen überflogen Wegeleben. Dabei ging eine Bombe bei Rodersdorf am Fliederwald nieder. Die Stelle erkennt man heute noch an einer Kuhle im Feld."

- im 2. Weltkrieg fielen nach u.E. 149 Männer aus Wegeleben, 13 starben in der Haft nach 1945

- Im Juni konstituiert sich unter der Leitung von Wilhelm Günther, genannt Stollberg, nach 18 Jahren wieder eine Ortsgruppe der KPD

Am 1. Juli kommt Wegeleben zur sowjetischen Besatzungszone, die Kommandantur wird nun in der Pfarrei in der Badestraße eingerichtet, der Pastor zieht ins Schloß.

Die Provinz Sachsen wird neu gebildet.

3. September: Verordnung über die Bodenreform in der Provinz Sachsen. In Wegeleben werden 1106 ha enteignet. in Adersleben (Domäne) 748 ha. Die Domäne in Wegeleben wird zunächst treuhänderisch verwaltet.

Am 1. Oktober beginnt wieder der Schulunterricht (in Wegeleben 810 Schüler)

- Kulturdezernent Rudolf Korth ruft in Wegeleben am 8. November zur Aktivierung des Kulturlebens auf. Die Blasmusiker spielen nun wieder in der Öffentlichkeit.

Lebensmittelrationen einer Hausfrau: 250 g Brot, 15 g Nährmittel, 15 g Zucker, 15 g Fleisch, 7 g Fett (keine Butter) tägl. unter Vorbehalt.

1946 Demontage der Zuckerfabrik als Kriegsentschädigung an die UdSSR, Maschinen und Teile wurden in der Harslebener Straße aufgereit und in Kisten verstaut.

Am 2. Februar 1946 wird Ida Siegmund-Schultze aus Liegnitz/Scgl. neue Rektorin der Volksschule Wegeleben. Sie war aus Schlesien als Flüchtling hier angekommen. Ihr Sohn Walther Siegmund-Schultze promovierte 1940 zum Dr. phil. in Musikwissenschaft an der Universität Breslau und wurde 1954 ein bekannter Professer für Musikwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittemberg.

Die Rektorin berichtete, wie der Kampf gegen Läuse, die Krätze, den Thypus, um einige Pfund Mehl und Rübensirup, um Bezugsscheine für Kinderkleidung und auch um Brennstoff für die Schulöfen geführt wurde. Kreide, Schreibpapier und Bleistifte waren Kostbarkeiten.

Kaum Lehrbücher, veraltete Anschauungsmittel, ungenügend geheizte Räume und Stromabschaltungen, unzureichend gekleidete, unterernährte und oft verschutzte Flüchtlingskinder bedingten, daß die Lehrer damals in erster Linie Sozialarbeiter sein mußten.

Der Umgang mit den eignen Toten

Franz Grohmann - ehemaliger Rektor, der sich um die Aufarbeitung der Wegeleber Ortschronik große Verdienste erwarb, schrieb in seinem Buch von 1995 über die in den Kriegen zu Tode gekommenen Wegeleber folgende Zeilen:
"Seit 1990 haben die Ortschronisten verstärkt daran gearbeitet, die im II. Weltkrieg gefallenen und verschollenen Wegeleber und Adersleber aufzulisten, weil das bisher nicht geschehen war. Hinter diesem Versäumnis verbargen sich unterschiedliche Motive: Es gab eine politische Grundhaltung (in der DDR d.R.), die den Umgang mit ehemaligen Angehörigen der militärischen Einheiten Hitler-Deutschlands zu einem sensiblen Thema machte und daher abschreckte; außerdem waren während und am Ende des Krieges sehr viele Leute hier zugewandert, die ebenfalls Angehörige verloren hatten, aber eben keine alteingesessenen Bürger waren. Schließlich war erstmals nach diesem Krieg eine Form der Abrechnung und Vergeltung geübt worden, die auch ohne Urteile Menschen den Tod brachte. Daraus ergab sich die Tatsache, daß in Wegeleben zwar ein Ehrenfriedhof für Bürger der Sowjetunion geschaffen wurde, die hier umgekommen waren, aber zu einem verantwortungsvollen Umgang mit den eignen Toten in diesem Krieg wollte sich niemand entschließen. Eine Ausnahme bildeten die Religionsgemeinschaften ... ". (nachzulesen in "Wegeleben" von Franz Grohmann, dr. zieten verlag Oschersleben, 1995)

Weiterhin schreibt Franz Grohmann zu den überlieferten Reden der Geistlichen und Vereinsvorsitzenden aus dem Jahre 1933: "In den Annalen sowie in zeitgenössischen Darstellungen lesen wir vom heldenhaften Sterben für den Monarchen und das Reich, vom ehrenhaften Tod für das Vaterland, später für Führer und Volk. Geschmäht werden jene, die als Schwächlinge, Feiglinge oder als Verräter abgestempelt und ins Vergessen getan wurden. Unter anderen Bedingungen wäre wahrscheinlich mancher von Ihnen ein geachteter oder gar berühmter Mann geworden ..."

Wir wollen erinnern und bedenken das 149 junge Wegeleber im bestem Alter Opfer von 1939 bis 1945 wurden, 13 starben in der Haft nach 1945.

123 Namen enthielt die Liste, die am 18. Juni 1933 in das Denkmal eingemauert wurde für 1914/18

Das sind natürlich keine normal verstorbenen. Ihr Tod war vermeidbar. Denn sie sind nicht auf natürliche Weise gestorben. Immer war es die Gewalteinwirkung durch andere Menschen, die Leid und Tod verursachten. Hier ist die Verantwortung der Gesellschaft gefordert, ein Vergessen und ein Mißbrauch der Opfer für bestimmte politische Ziele darf es nie geben.

Wie hoch wäre wohl die Zahl in einem nächsten großen Krieg? Wenn wieder einmal Machtgier und Gewinnsucht, nationaler oder religiöser Fanatismus oder beides die Hirne vergiften? Wenn die Medien die Nationen wieder in Kriegshysterie und in die Dehumanisierung des Gegners peitschen?

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 Heteborn

Massenhinrichtung polnischer Zwangsarbeiter

Gruppenaufnahme faschistischer Henker, die am 8.4.1941 in einem Arbeitslager für polnische Zwangsverschleppte in Heteborn bei Magdeburg Massenhinrichtungen polnischer Bürger vornahmen.
Datierung: um 1941
Entstehungsort: Heteborn
Quelle: Deutsches Historisches Museum

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Neben den polnischen Zwangsarbeitern wurde ein Familienvater aus Heteborn hingerichtet, der beherzt gegen die geplante Durchführung aufbegehrte. NACH OBEN

 

 Bernburg

Unter dem nationalsozialistischen Regime wurden mehr als 200.000 wehrlose Menschen durch Gas, Medikamente oder Entzug der Nahrung ermordet. Sie kamen aus psychiatrischen Einrichtungen, Fürsorgeeinrichtungen, Altenheimen und Lazaretten. Ärzte und Angehörige des Pflegepersonals töteten die ihnen anvertrauten Patienten, unterstützt von Verwaltungspersonal, gedeckt von Juristen. Die Bezeichnung des Mordes als "Euthanasie" (griech. guter oder leichter Tod) sollte einen Massenmord als mitleidsvolle Erlösung rechtfertigen.

Für die Durchführung des Massenmordes wurden in den Jahren 1940 und 1941 sechs Gasmordanstalten eingerichtet, darunter auch in Bernburg/Saale auf dem Gelände der damaligen Landes-Heil- und Pflegeanstalt. Mehr als 14.000 Menschen aus Heil- und Pflegeanstalten sowie später auch aus Konzentrationslagern fanden hier einen gewaltsamen Tod. Geblieben sind die baulichen Reste der Vernichtungsanlage. Gräber gibt es nicht. NACH OBEN


Wernigerode

Behindertenanstalt "Zum Guten Hirten" von den Nazis zwangsenteignet

"Eines Tages hielt ein Auto mit Standarte vor dem Guten Hirten'", heißt es im Bericht einer Zeitzeugin. Es war der 21. August 1943, der Tag, an dem die Wernigeröder Erziehungsanstalt vom Nazi-Regime zwangsenteignet wurde. In dem Haus in der Friedrichstraße lebten zu dem Zeitpunkt 43 geistig behinderte Mädchen und Frauen.

Das "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" markierte 1933 den Beginn der rassen- und gesundheitlichen Programme der Nationalsozialisten. Zwischen 1934 und 1945 wurden in Deutschland bis zu
400 000 Menschen zwangssterilisiert. 1939 ging man dazu über, Kranke und Behinderte systematisch zu töten. Gerechtfertigt wurden diese Massenmorde mit der Verbesserung des Menschenbildes, der Einsparung von Pflegekosten und der Schaffung von Lazarettraum. In den Jahren 1940 und 1941 starben tausende Kranke in den eigens dafür eingerichteten Gaskammern.

Im August befahl Hitler, die Ermordung einzustellen, um sie dann dezentral und unauffällig fortzusetzen. Man verlegte "ausgemusterte" Patienten in spezielle psychiatrische Einrichtungen, ließ sie dort schrittweise verhungern oder mit Medikamenten vergiften.

Die Schaltzentrale der "Aktion T 4", so die Tarnbezeichnung, hatte ihren Sitz in Berlin. Von dort aus wurden Meldebögen an psychiatrische Einrichtungen und Pflegeheime versandt, auf denen die Pfleger detailliert Auskunft zu Krankheit und Arbeitsfähigkeit der Patienten geben mussten.

Auch im "Guten Hirten" gingen die Formulare Anfang der 1940er Jahre ein. Die Mitarbeiter leisteten aber Widerstand, schickten die Papiere einfach nicht nach Berlin zurück. Das sei sogar schriftlich belegt, weiß der heutige Einrichtungsleiter Peter Knöschke. So wurde in einem Schlussbericht zur Planung der "Euthanasie" für die Jahre 1940 und 1941 negativ vermerkt: "... außerdem werden allem Anschein nach die Fragebögen nicht ausgefüllt". Die Heimleitung versuchte stattdessen, die Patientinnen wieder in ihren Familien unterzubringen, um sie vor der Ermordung zu retten.

Der verzweifelte Kampf um das Leben der Frauen und Mädchen fand im Juni 1943 sein Ende. Der Landeshauptmann hatte endgültig entschieden, das Heim räumen und zu einer Kindererholungseinrichtung
umgestalten zu lassen. Der Zugriff erfolgte am 21. August 1943. An jenem Tag wurden die Patientinnen von "Männern mit Listen" begutachtet - eine nach der anderen. Die Fremden sortierten sie nach arbeitsfähig, schwach und krank und "Selbstzahler". Die als arbeitsfähig eingestuften Frauen wurden in den kommenden Tagen nach Zeitz verlegt, die "Selbstzahler" nach Hoym umquartiert. Die Schwachen kamen nach Altscherbitz - was den Tod für sie bedeutete. "Elf Bewohnerinnen sind dort ermordet worden", sagt Peter Knöschke. "Sieben Frauen haben nachweislich überlebt." Von den anderen fehle jede Spur.

Bereits am 28. April 1945 - also noch vor der offiziellen Kapitulation der Deutschen - wurde die Einrichtung der evangelischen Kirche zurückgegeben. Bis 1948 betreuten schlesische Schwestern dort Flüchtlingskinder. Im Frühjahr 1950 öffnete der "Gute Hirte" seine Pforten als Anstalt für epileptische Frauen und Mütter.


Munitionsfabrik im Huy

Bei Probebohrungen Ende des 19. Jahrhunderts wurden im Huy Kalivorkommen gefunden. Nach Wilhelmshall wurde 1910 der Schacht in Mönchhai geteuft und - eingebettet in die Wälder des Huys - entstand das kleine Dorf Mönchhai. 1934 musste das Bergwerk endgültig stillgelegt werden und ein Jahr später nahm die neu geschaffene Heeres-Munitionsanstalt Dingelstedt ihre Arbeit auf.

Am 18.09.1944 ereignete sich eine Schwere Explosion in der Munitionsfabrik Mönchhai bei Röderhof, ca. 100 Tote und Schwerverletzte. Ein Gedenkstein wurde errichtet auf dem Ortsfriedhof in Dingelstedt am Huy zur Erinnerung an die während des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland verschleppten Frauen, die (nicht erst d.R.) bei der Explosion in der Munitionsfabrik Opfer von Zwangsarbeit wurden.

Der Wald war praktisch überseht mit Blindgänger, so das der DDR-Munitionsräumdienst noch Jahrzehnte mit der Kriegs-Hinterlassenschaft zu tun hatte. Die Bevölkerung wurde immer wieder auf die besonderen Gefahren - die in diesem Wald lauerten - hingewiesen. Herumliegende Metallteile sollten auf keinen Fall berührt werden, Gefahrenstellen gekennzeichnet und die Polizei verständigt werden. Die gefahrlosen Reste aus dem Wald hatte der Munitionsräumdienst an den Wegerändern zusammengetragen.

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 Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit in Deutschland und im Harz

Im Harz gab es während des Dritten Reiches eine Vielzahl von Rüstungsbetrieben und kriegswichtigen Zulieferbetrieben. Prädestiniert durch seine strategisch-geografisch günstige Lage in der Mitte des Deutschen Reiches ("Mittelraum"), das vor Kriegsbeginn brachliegende industrieerfahrene Arbeitskräftepotential dieser Region und nicht zuletzt die guten Tarnungsmöglichkeiten für die neuen Rüstungsbetriebe entwickelte sich im Harzgebiet und Harzvorland ein Schwerpunkt der nationalsozialistischen Rüstungsproduktion. Der Harz war daher in dieser Zeit Standort von mehreren hundert Zwangsarbeiterlagern und KZs. Bekannt wurde das KZ Mittelbau-Dora bei Nordhausen im Südharz.

Es gab ein Zwangsarbeiterlagersystem. Praktisch wurden in jeder Ortschaft solche Lager eingerichtet, um die Landwirtschaftliche und kriegswichtige Produktion abzusichern. Die Männer im arbeitsfähigem Alter hatten ja alle Kriegsdienst zu leisten. In Wegeleben waren z.B. auf dem Hüttensteig in einer Baracke und in den Lagerhallen am Bahnhof Arbeitssklaven untergebracht. Unter welchen Bedingungen sie lebten, entzieht sich unserer Kenntnis. Sie nahmen sich was sie brauchten, als die Amerikaner einrückten.
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 Zwangsarbeiterinnen und ihre Kinder

Vielen Zwangsarbeiterinnen wurden ihre Kinder im Sinne einer dauerhaft hohen Arbeitsproduktivität weggenommen und teilweise regelrecht "entsorgt".

Zur Lage der Zwangsarbeiterinnen und ihrer Kinder schreibt TOLLMIEN: "Fast immer waren die Zwangsarbeiterinnen noch einmal schlechter gestellt als die männlichen Zwangsarbeiter. Obwohl sie die gleiche Arbeit wie die Männer verrichteten, erhielten sie eine noch schlechtere Bezahlung und waren zudem weitgehend schutzlos Übergriffen durch deutsche Arbeiter und Lagerführer ausgesetzt. So kam es immer wieder zu Vergewaltigungen durch das überwiegend männliche Wachpersonal in den Zwangsarbeiterlagern. Wenn die Frauen schwanger wurden, mußten sie entweder abtreiben oder man zwang sie umgekehrt dazu, das Kind auszutragen. Denn im Juni 1943 hatte das nationalsozialistische Rassedenken einen weiteren perversen Höhepunkt mit der Unterscheidung von "gutrassigen" und "schlechtrassigen" Zwangsarbeiterkindern erreicht: "Gutrassige" Zwangsarbeiterkinder sollten als Deutsche (entweder in Heimen oder bei Familien) erzogen werden, während "schlechtrassige" in extra eingerichtete sog. Ausländerkinderpflegestätten gebracht wurden, wo sie zumeist an Unterernährung oder Krankheiten infolge gezielter Vernachlässigung innerhalb weniger Wochen oder Monate starben. Lediglich den Zwangsarbeiterinnen, die in deutschen Familien als Haus- und Kindermädchen arbeiteten, ging es zumeist besser als ihren Leidensgenossinnen, die in den Rüstungsfabriken schufteten. Vor allem die Ernährung war in den Familien in der Regel besser. Aber auch hier waren sie vor persönlicher Mißhandlung oder sexuellen Übergriffen nicht sicher."  NACH OBEN

 

 

 DDR-JUSTIZ UND NS-VERBRECHEN

AUSZÜGE AUS DER SAMMLUNG OSTDEUTSCHER STRAFURTEILE WEGEN NATIONALSOZIALISTISCHER TÖTUNGSVERBRECHEN
BAND VIII - Die Verfahren Nr. 1393 - 1455 des Jahres 1949


1436 LG Magdeburg vom 10.06.1949, 11 StKs 288/48 553
Tatkomplex: Denunziation
Denunziation einer deutschen Frau und eines polnischen Fremdarbeiters
wegen intimer Beziehungen. Die Frau wurde zu 2 Jahren Zuchthaus verurteilt,
der Pole wurde hingerichtet
Tatort: Heteborn Krs. Aschersleben

 

1423 LG Magdeburg vom 04.07.1949, 11 StKs 67/49 349
Tatkomplex: Denunziation
Aussage bei der Ortsgruppe der NSDAP und später beim Volksgerichtshof
über von der Angeklagten gehörte abfällige Äusserungen über Hitler und den
NS-Staat. Der Denunzierte wurde wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt
und hingerichtet
Tatort: Quedlinburg


1451 LG Magdeburg vom 19.05.1949, 11 StKs 115/48 711
Tatkomplex: Denunziation
Anzeige einer deutschen Frau und eines polnischen Zwangsarbeiters, die der
Angeklagte beim Geschlechtsverkehr überrascht hatte. Die Frau wurde zu 3
Jahren Zuchthaus verurteilt, der polnische Zwangsarbeiter im Vorwerk Buch
bei Wanzleben öffentlich erhängt
Tatort: Wanzleben


1403 LG Halle vom 03.08.1949, 13a StKs 22/49 93
Tatkomplex: Frühe NS-Verbrechen
Während eines grossen Propagandamarsches der NSDAP stürmten SA- und
SS-Leute die Arbeiterturnhalle in Eisleben und schössen auf KPD-Angehörige.
Das Gebäude wurde demoliert. Auf das Dach der Turnhalle Geflüchtete wurden mit Erschiessen bedroht und gezwungen herunterzuspringen.
Zahlreiche KPD-Angehörige wurden - vor allem mit Spaten - schwer misshandelt und
erlitten erhebliche Verletzungen; drei von ihnen starben
Tatort: Eisleben

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Was geschah mit Hitlers Leiche?


Die Rote Armee konnte bei der Einahme von Berlin die verbrannten Leichen von Adolf Hitler und Eva Braun identifizieren. Die Moskauer Regierung versteckte die Überreste in einer sowjetischen Kaserne nahe Magdeburg (3 . Stoßarmee). 1970 wurde alles vernichtet.

 

Der 2. Weltkrieg in der deutschen Kunst

Konrad Wolfs »Ich war Neunzehn«, aus dem Jahre 1968 zählt bis heute zu den bedeutendsten Filmen der deutschen Nachkriegszeit.

Handlung: Gregor Heckel wuchs als Sohn deutscher Emigranten in Moskau auf. Im Frühjahr '45 kehrt er als junger Leutnant der Roten Armee erstmals wieder nach Deutschland zurück. - Er dient als Übersetzter in einer Propagandaeinheit. Seine Waffe ist das Mikrofon, mit dem er über Lautsprecher die Wehrmachtssoldaten zum Aufgeben auffordert.
Beim Vorrücken auf Berlin werden die verschiedenen "Stationen" des Kriegsendes eindrucksvoll und nüchtern beschrieben. - Der Krieg ist nicht einfach vorbei: Einmal wird die Stadt Bernau im April besetzt und der junge Leutnant zum Stadtkommandanten ernannt. - Später wird ein Verwaltungsbüro der Wehrmacht besetzt und der diensthabende Major will sich ordnungsgemäß per Telefon zur Gefangenschaft abmelden. Dann wird die Entdeckung des KZ-Sachsenhausen beschrieben. - Weiter ensteht eine spannende Situation bei den Verhandlungen zur Übergabe der Festung Spandau. - Gegen Ende, zeitlich um den 8. Mai, wird die Einheit mit ihren Gefangenen noch von marodierenden SS-Truppen beschossen. Gregor Heckel bzw. der Film sucht Antworten auf Fragen nach Vergangenheit und Zukunft des aufkeimenden neuen Deutschlands.

Buch: Wolfgang Kohlhaase, Konrad Wolf
Regie: Konrad Wolf
Darsteller: Jaecki Schwarz, Wassili Liwanow, Alexei Ejboschenko, Galina Polskich, Jenny Gröllmann, Michail Gluski, Rolf Hoppe, Wolfgang Greese
Kamera: Werner Bergmann
Produktion: DEFA, Gruppe Babelsberg, Herbert Ehler

 

 

(Empfehlung: Lesen Sie auch die umfangreichen Beiträge Der Zwei-plus-Vier-Vertrag und Kalter Krieg im Harzer Land - recherchiert und aufbereitet von M. Wagner)

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