Kalter Krieg im Harzer Land

(Empfehlung: Lesen Sie auch die umfangreichen Beiträge Der Zwei-plus-Vier-Vertrag und Der Zweite Weltkrieg - recherchiert und aufbereitet von M. Wagner)


 Ein Zeitzeuge berichtet, trägt Fakten zusammen und zieht Bilanz

Viele unserer Bewohner können sich noch an die Anwesenheit der Sowjetischen Soldaten von 1945 bis 1994 erinnern und in verschiedener Hinsicht war wohl jede Ortschaft betroffen - Fakten und Sichtweisen im Jahr 2012.

Historische Fotos von Konstantin Wiktorowitsch Semjonow - Offizier des 112. Selbständigen Aufklärungsbatallion in Halberstadt.

Inhaltliche Gliederung des Artikels:

Erfahrungen
Begegnungen
Ereignisse
Vier-Mächte-Status
Relikte
Wehrdienst
Vermutungen
Halberstadt
Cochstedt
Quarmbeck
Spezialbau Unter Tage
NVA-Standorte
Grenzsicherung
Luftraumüberwachung
Aufklärung des Ostens
Aufklärung des Westens
Zwei-plus-Vier-Vertrag 
Truppenabzug
Eine riesige Streitmacht
Gliederung und Dislozierungen der GSSD
Gliederung und Dislozierungen der NVA
Atomwaffen in der Bundesrepublik
Atomwaffen in der DDR
Befehls- und Kommandogewalt
Herbst 1983
Gedanken
Links
Kunst und Kultur 
 
Die Wirkung von Kernwaffen
Fukushima
03.05.2012
22.10.2012

Deutschland heute
Desinformation in den Medien
Es ist wieder 5 vor 12

Erfahrungen

Durch Wegeleben und Roderdorf führte die Panzerstraße Halberstadt - Magdeburg - Colbitz-Letzlinger Heide (es gab ein ganzes Netz von Panzermarschstraßen - verbunden mit dem großen Truppenübungsplatz nordlich von Magdeburg). Wegeleben war der Ver- und Entladebahnhof für Panzer. Wer mit dem Zug zur Arbeit fuhr, konnte es ab und zu am Banhof mit der Angst bekommen. Es gab Ärger, weil Militärangehörige in den Wäldern jagten oder weil in Dorfkneipen bei Auseinandersetzungen unter Alkoholeinfluß schon mal die Pistole gezogen wurde. Auf dem Alexanderplatz in Harsleben soll ein desertierter (oder amokgelaufener?) Soldat von der Militärpolizei erschossen und eilig ("wie Vieh") abtransportiert worden sein. In Wegeleben wurde beobachtet wie ein Ural-Fahrer von einem Offizier brutal geschlagen wurde. In Halberstadt flüchteten Pilzesucher aus dem Wald der Klusberge, weil scharf geschossen wurde. Verkehrsunfälle mit Militärfahrzeugen waren keine Seltenheit. Es kam vor, das Panzer nachts die Fernverkehrsstraßen bei Harsleben und Heteborn querten ohne das die Straßen für den regulären Verkehr gesperrt waren. Dabei kam ein Bürger aus Hedersleben mit dem Schrecken davon, wäre er doch beinah glatt vom Panzer in seinem Auto überrollt wurden. Von einem Langensteiner wurde ähnliches bekannt. NACH OBEN

 Begegnungen

Es gab auch positive Begegnungen, so half die Sowjetische Armee mit schwerer Technik bei Naturkatastrophen und Havarien, bei Ernteeinsätzen und in bestimmten Produktionbetrieben, wie dem Betonbau Ostharz. In der Halberstädter Garnision gab es offizielle Begegnungen zwischen der Bevölkerung und Armeeangehörigen bei bestimmten festlichen Anlässen. Dabei tauschten Schüler gelegentlich Adressen aus. Streckenposten wurden von Wegeleber Bürgern mit Lebensmittel und Getränke versorgt. NACH OBEN

 Ereignisse

Immer wieder befuhren tagelang große Militärkolonnen die Landstraßen. In der Nähe von Harsleben schossen Panzer zu Übungszwecken auf einer Panzer-Schießbahn in den Klusbergen. Am 21. März 1974 explodierte dort ein großes Munitionslager, es war weithin zu sehen und zu hören. Eilig wurden große Raketen auf entsprechenden Fahrzeugen aus dem Gefahrenbereich evakuiert. Die Detonationen dauerten mehrere Stunden. NACH OBEN

 Vier-Mächte-Status

Gelegentlich konnte man in der Region Fahrzeuge der Militärverbindungsmissionen der anderen drei Mächte USA, Frankreich und Großbritanien sehen. Z.B.: hielten sich 4 Französische Uniformträger mit einem Geländefahrzeug der Militärverbindungsmissionen an einem Sonntag im Sommer 1977 an der Rappbodetalsperre auf und machten Fotos. Eine Militärverbindungsmission war eine Armeebehörde, die von den Alliierten des Zweiten Weltkriegs zur Kommunikation mit einer der anderen drei Mächte im besetzten Deutschland eingerichtet wurde, wobei gegenseitig Personal in die jeweiligen Besatzungszonen entsandt wurden. Eine Mission durfte in der fremden Besatzungszone einen Amtssitz unterhalten und Überwachungs- sowie Kontrollfahrten durchführen. Diese Rechte blieben auch nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik bestehen und wurden in der Zeit des Kalten Krieges zur Spionage in der jeweils anderen Republik Deutschlands verwendet. Die Vermutung: Die Rappbodetalsperre könnte ein wichtiges Angriffsziel der NATO gewesen sein. NACH OBEN

 Relikte

Ein Relikt dieser Zeit sind die vielen betonierten landwirtschaftlichen Feldwege, die im E-Fall (Ernstfall) als zusätzliche Straßen für schnelle Truppenbewegungen zur Verfügung standen. Das machte Sinn, wenn durch den Feldweg eine Umgehung der gesprengten Strasse möglich war, und der Feldweg durch Panzer befahrbar war bspw. Oder man sich den Rücken freihalten wollte gegen überraschende Angriffe etc.

Ein weiteres Relikt sind Autobahnstücke für Autobahn-Behelfsflugplätze, welche in relativ kurzer Zeit in einen Flugplatz umgewandelt werden, von dem aus unter anderem militärische Flugzeuge starten und landen können. Zu Zeiten des Kalten Krieges wäre im Krisenfall ein solcher Behelfsflugplatz innerhalb von etwa 24 Stunden einsatzbereit gewesen, da alles vorbereitet war und nur noch aufgebaut werden musste. Ein mobiler Tower, mobiles Radar usw. wurden in der Nähe vorgehalten. Für Tower, Radar und andere erforderliche Geräte war meistens auf der Hälfte der Landebahn eine Betonfläche mit Zufahrt vorbereitet oder einfach eine größere ebene Fläche, ebenfalls mit Zufahrt, vorhanden. NACH OBEN

 Wehrdienst

Zu erwähnen sei an dieser Stelle, das jeder männliche DDR-Bürger im Alter von 18 bis 27 einen 18-monatigen Plichtwehrdienst zu leisten hatte. Das bedeutete für viele eine harte und entbehrungsreiche Zeit in einer NVA-Kaserne mit sehr wenig Urlaub und viel Dreck. Viele kennen noch den Spruch: "Eggesin - Land der drei Meere: Waldmeer, Sandmeer und dann nichts mehr". Eggesin war einer der größten und von Verkehrsanbindungen abgeschnittenen NVA-Standorte. Wer als Soldat nach 4 Monaten 3 Tage Urlaub bekam konnte unter Umständen die meiste Zeit im Zug und auf Bahnhöfen verbringen.

Ständige Gefechtsbereitschaft - der Normalzustand der meisten Einheiten und Stäbe. Das bedeutete zum Beispiel dass etwa 85 % des Personalbestandes im Objekt oder zumindest im Standort verfügbar sein musste, um im Alarmfall innerhalb weniger Minuten erste Gefechtsaufgaben erfüllen zu können. NACH OBEN

 Vermutungen

Die Bunkeranlagen des Miltärischen Spezialbauwesens der DDR waren kaum bekannt. Man munkelte über den Regenstein "von riesigem Lazarett mit einer Kilometerlangen Einfahrt" (vielleicht ein Gerücht das absichtlich zur Täuschung verstreut wurde?) und über die Malachitstollen von "Zwei SS-20 Raketen, die in der Dunkelheit ins Freie geschafft wurden, damit die Aggregate laufen konnten und sie vom Satelliten aus nicht entdeckt wurden" - was aber ins Reich der Phantasie gehören dürfte.

Ab und zu rissen einem sehr laut und tief fliegende Kapfflugzeuge aus dem Schlaf, da man hier sicher die hügelige Landschaft zu Übungsflügen nutzte. Auch waren oft Militärhubschrauber am Himmel zu sehen. In den achtziger Jahren konnte man am Tag mehrmals regelmäßig langandauernde Propellerflugzeuggeräuche sehr hoch am Himmel wahrnehmen. Man munkelte "von sowjetischen AWACS".

Ab 1990 machte ein Gerücht die Runde "das man für Einhundert D-Mark eine AK-47 bei den Russen bekommen kann". Auch das dürfte ins Reich der Phantasie gehören. Nach heutigem Wissen ist kein Fall von illegalem Handel mit Kriegswaffen öffentlich geworden und das soll hier niemandem unterstellt werden. NACH OBEN

Das war das, was man als Einwohner im Vorharzland mitbekommen hat! Die Auswirkungen einer in Friedenszeiten nie zuvor erlebten hohen Truppenkonzentration auf engstem Raum, die man als Einwohner ständig spürte und erlebte. Doch was stand dahinter?

 Halberstadt

In Halberstadt lagen das 197.Gardepanzerregiment und das 112. Selbständige Aufklärungsbatallion der GSSD (3. Stoßarmee Magdeburg). Die vollständige Bezeichnung: Das 197. Rotbanner-Garde-Panzerregiment, das "Wapnjarsko-Warschawskyj", ausgezeichnet mit dem Lenin-, Suworow- und Kutusow-Orden. Noch heute finden sich in den Klusbergen Hinweise auf einen Gefechtsstand eines größeren Verbandes der GSSD. Von der Menge der Stellungen her könnte es ein Divisionsgefechtsstand gewesen sein. NACH OBEN

 Cochstedt

In der Nähe von Heteborn lagen am Hakel die 292. Selbstständige Hubschrauberstaffel in Cochstedt mit Mi-8 und das 670.Garde-Artillerieregiment (Cochstedt). NACH OBEN

 Quarmbeck

Nicht weit von Halberstadt entfernt, in Quarmbeck bei Quedlinburg, gab es den größten Standort sowjetischer Streitkräfte im Umkreis von Halberstadt. In Quarmbeck lagen das 115. selbständige Panzerregiment, die 1309.FlaRaketenabteilung, das 1571.Funktechnische Bataillon, das 2127. Funktechnische Bataillon und das 4.Aufklärungsbataillon. Ebenfalls in Quarmbeck lagen das 443. Funktechnische Bataillon das die Brockentruppe stellte.

Zwischen Halberstadt und Quarmbeck gab es regen Kfz-Verkehr, so Augenzeugenberichte. Auch übten die Panzer aus Quarmbeck auf dem Standortübungsplatz der Kaserne Klusberge.

Bericht von Uwe Kraus
Als besonders interessant entpuppen sich einige Details zur 1927 begonnenen Quarmbecker Flugplatzgeschichte. Im Sommer 1960 sind rund 100 deutsche Familien nördlich des Kohlweges nach Quedlinburg und Thale ausquartiert worden. Als Sichtschutz errichtete man eine zwei Meter hohe Bretterwand an der Ost- und Westseite. Danach wurden auf dem ehemaligen Fliegerhorst Quarmbeck unter hohen Sicherheitsvorkehrungen Marschflugkörper im Kasernenbereich stationiert. Im Militärjargon waren das Frontflügelraketen, die auf den ersten Blick einem Jagdflugzeug ähnlich sahen, allerdings fehlte die Pilotenkabine, stattdessen verbarg sich im Rumpf ein 1000 Kilo schwerer Atom-Sprengsatz.

Betrachtet man die technischen Daten, wird schnell klar, dass es sich schon Aufgrund der begrenzten Reichweite von etwa 120 Kilometer um eine allwetterfähige Defensivwaffe handelte. Westliche Nachrichtendienste bekundeten über Jahre hinweg großes Interesse an den Geräten und bezeichneten die geheimnisumwitterte Fliegertruppe in Quarmbeck als Aerodynamische Flugkörper-Einheit. So offenbaren es nachrichtendienstliche Aufzeichnungen zum Standort Quarmbeck, die wir eingesehen haben, schildert Stefan Büttner. Immer wieder vermischten sich nach Angaben der Autoren der Publikation "Rote Plätze: Russische Militärflugplätze in Deutschland 1945-1994" interessante Details mit Legenden von unterirdischen Raketensilos und verborgenen Panzerfahrstraßen in der Region. Sicher ist dagegen, dass hier ab 1962 das Luftverteidigungssystem Dwina/Wolchow stationiert war, das damals als das modernste galt. In engem Zusammenhang mit der Stationierung von Marschflugkörpern stehen wahrscheinlich auch Beobachtungen von unterirdischen Bauarbeiten am Südhang des Liebfrauenberges. Es sollen vier Höhlen großen Ausmaßes in den Berg gesprengt worden sein. Was sich hier in Sichtweite der Ziegelei warum abspielte, wird wohl ein immerwährendes Geheimnis der Russen bleiben, meint Lutz Freundt. Bisher war nur recherchierbar, dass es sich um Arbeiter vom VEB Sprengabteilung Mitteaus Magdeburg handelte, die diese Arbeiten zusammen mit einigen Sowjetsoldaten durchführten.

Immer wieder landeten Hubschrauber auf Verbindungsflügen im Kasernenbereich. Selbst kleinere Propellerflugzeuge waren in jener Zeit noch einmal auf dem Flugfeld zu sehen. Später befand sich hier ein fester Hubschrauberlandepunkt für Post- und Kurierflüge der Garnison Quedlinburg.Nach dem Abzug der Marschflugkörper 1968 verschwand vieles auch unter Neubauten. In Quarmbeck befanden sich nunmehr ein Panzerregiment, ein Aufklärungsbataillon und Einheiten der Truppenluftabwehr mit dem Raketenkomplex 2K11 und Buk. Die Wirkung der Radarantennen der Aufklär- und Leitstationen spürten aufmerksamen Anwohnern durch kurze Bildstörungen beim Fernsehempfang. Sicher scheint zu sein: Die Systeme wurden natürlich immer nur ganz kurz bei Alarm aktiviert, um dem Gegner möglichst wenig Zeit zu geben, die Frequenzen auszumessen. NACH OBEN

 Spezialbau Unter Tage

Das Komplexlager-12 (KL-12):
Das Stollensystem des späteren KL-12 befindet sich unter den Thekenbergen südwestlich von Halberstadt (westlich der Kaserne Klusberge). Noch ein Jahr vor Kiegsende, 1944, begann man mit der U-Verlagerung der Junkerswerke. So wurde unter dem Tarnnamen MALACHIT die Stollenanlage durch Zwangsarbeiter aus dem Gefangenenlager Langenstein-Zwieberge (Außenlager des KZ Buchenwald) errichtet. Neben den Junkerswerke (Halberstadt) sollten auch andere Rüstungsbetriebe unter dem Thekenberg ihre Produktion fortsetzen. So wurde ein 17km langes Stollensystem unter unmenschlichen Bedingungen erschaffen.

kl12

Nach Sprengungen und weiteren Baumaßnahmen nutze später die NVA die Untertageanlage (UTA) weiter, wobei nur ca. 13km in Anspruch genommen wurden. Das spätere KL-12 war dem Ministerium für Nationale Verteidigung (MfNV) der DDR direkt unterstellt. Zu DDR-Zeiten fungierte es als großes unterirdisches Versorgungslager. Das KL-12 hätte zusammen mit dem KL-02 die Divisionen des Militärbezirks V (im Krieg: 5. Armeekorps) mit Ausrüstung versorgt. Durch die vorgeschobene Position nahe einer möglichen militärischen Front hätte das KL-12 eine Schlüsselfunktion in einer militärischen Auseinandersetzung zwischen Warschauer Vertrag und NATO gespielt.

Das Komplexlager-02 (KL-02):
Gleiche Funktion hätte auch das KL-02 bei Blankenburg übernommen. Unweit von Halberstadt befand sich hier eine vergleichbare UTA, die ebenfalls durch Zwangsarbeiter errichtet worden war. Auch hier zog später die NVA ein und nutze die Stollenanlage im Regensteinsmassiv als Ausrüstungs- und Munitionslager. Die Ausbaumaßnahmen zu DDR-Zeiten führe die Firma "Schachtbau Nordhausen" durch. Nach Beendigung der Baumaßnahmen in Blankenburg führten sie ihre Arbeit in den Stollenanlagen unter dem Thekenberg fort. Das Objekt wird heute durch die Bundeswehr als Sanitätshauptdepot weitergenutzt. NACH OBEN

 Die nächtsgelegenen NVA-Standorte (1986)

Bad Frankenhausen
11. Aufklärungsbattalion
16. Mot-Schützenregiment
11. Detonometrie-Regiment (Chemischer Dienst)

Dietersdorf bei Sangerhausen
5121. Fla-Raketenabteilung

Sondershausen
11. Panzerregiment

Hinsdorf bei Köthen
412. Funktechnische Kompanie

Halle
11. Mot.-Schützenbattalion
17. Mot.-Schützenregiment
11. Panzerjägerbattalion
11. Nachrichtenbattalion
11. Instandsetzungsbattalion
11. Materielle Sicherstellung
11. Sanitätsbattalion
Musikkoprs

Burg
233. Fla-Raketenabteilung
40. Luftsturmbrigade
19. Panzerausbildungsregiment
19. Instandhaltungsausbildungsregiment
19. Ausbildungszentrum
19. Fla-Rakten-Ausbildunsgregiment
19. Ausbildungsregiment der Mat.-Sicherstellung
30. Mot.-Schützen-Ausbildungsregiment 
32. Mot.-Schützen-Ausbildungsregiment
19. Aufklärungs-Ausbildungsbattalion
19. Sanitäts-Ausbildungsbattalion
19. Nachrichten-Ausbildungsbattalion NACH OBEN

 Grenzsicherung

Bis zum Wegfall der Grenzkontrollen an der Grenze zur DDR ab dem 01.07.1990 sicherte die DDR ihre Staatsgrenze in den Kreisen Halberstadt und Wernigerode mit eigenen Truppen. In Halberstadt lagen das Grenzregiment 20 mit Stab "Martin Schwantes" und das Grenzausbildungsregiment 7 "Martin Hoop" - dem Grenzkommando Nord (Stendal) unterstellt. Im Jahr 1985 sah die Gliederung wie folgt aus:

I. Grenzbatallion HESSEN
1. Grenzkompanie DEDELEBEN
2. Grenzkompanie RHODEN
3. Grenzkompanie DREIRODE
4. Grenzkompanie ABBENRODE

II. Grenzbatallion SCHIERKE
5. Grenzkompanie ILSENBURG
6. Grenzkompanie SCHARFENSTEIN
7. Grenzkompanie SCHIERKE
8. Grenzkompanie ELEND
9. Grenzkompanie SORGE

III. Grenzbatallion HALBERSTADT
10. Grenzkompanie PABSTORF
11. Grenzkompanie GÖDDECKENRODE
12. Grenzkompanie ILSENBURG
13. Grenzkompanie ELEND

Jedes Grenzkommando verfügte über eine Sicherungskompanie, die auch als Spezialeinheit (-kommando) bezeichnet werden kann. Die Soldaten dieser Einheit genossen auch eine Scharfschützenausbildung. Die SIK-25 des Grenzkommandos Nord (Stendal) befand sich bei Dingelstedt nördlich von Halberstadt.

Weitere Einheiten der Grenztruppen um Umkreis waren vier Pionierkompanien: PiK-25 Oschersleben, PiK-20 Ilsenburg, PiK-20 Elbingerode und PiK-20 Stapelburg, sowie die Baukompanie-25 Oschersleben und 3 Ausbildungskompanien ABK Dingelstädt/Mönchhai, ABK Osterode und ABK Nordhausen.

Entlang des Grenzverlaufs gab es ein Sperrgebiet. Dieses setzte sich zusammen aus einer "5 km-Sperrzone", einem 500 Meter breiten "Schutzstreifen" und dem "10 m-Kontrollstreifen unmittelbar am Grenzzaun, dahinter folgte bis zur eigentlichen Grenzlinie ein von der jeweiligen Geländetopographie abhängiges "Niemandsland".

Die nächtsgelegenen Grenzübergänge waren Marienborn - Helmstedt (Niedersachsen), Personen- und Güterverkehr, auch für Transit nach West-Berlin sowie Oebisfelde - Wolfsburg, Güterverkehr, Personenverkehr, auch für Leerzüge im Güterverkehr von West-Berlin und Ellrich - Walkenried, nur Güterverkehr. NACH OBEN

 Luftraumüberwachung

Jede Landarmee der GSSD verfügte über Frühwarnstationen (Funkmessstellungen), die jeweils den bedrohten Luftraum im Gebiet einer Armee überwachten. In Dardesheim lag der 311. Funktechnische Posten, der 714. Funktechnische Posten lag in Hasselfelde und der 712. Funktechnische Posten in Nordhausen. In Ditfurt (südöstlich von Quedlinburg) lagen der 711. oder der 741. Funktechnische Posten .

Nahe Athenstedt, nordwestlich von Halbertstadt gelegen, lag die Funktechnische Kompanie-613 des 61.Funktechnischen Bataillons (Müncheberg/Strausberg). Dieses FuTB war der 1.Luftverteidigungsdivision (Cottbus) unterstellt. Es übernahm, ähnlich der umliegenden sowjetischen Funkmessstationen, die Funktion der Luftraumüberwachung - hierbei für die Luftverteidigungsstreitkräfte der NVA. NACH OBEN

 Aufklärung des Ostens

Eine weitere Einheit in Quarmbeck war das 443. Funktechnische Bataillon, welches das Personal für die Brockentruppen stellte. Auf dem Brockengipfel stand der westlichste Vorposten Moskaus, der Horchposten mit dem Tarnnamen "Jenissej". Das 443. Funktechnische Bataillon war nicht dem Oberkommando der GSSD, sondern dem sowjetischen GRU (militärischer Aufklärungsdienst) unterstellt, der wiederum direkt dem Generalstab der UdSSR unterstellt war. Somit waren die sowjetischen Brockentruppen keine GSSD-Soldaten. Einziger Zusammenhang zur GSSD bestand lediglich in Verpflegung und Versorgung.

Die Einheitsbezeichnung "Funktechnisches Bataillon" ist eine Täuschung. Denn funktechnische Truppen sind normalerweise für die Gewährleistung der Landesluftverteidigung zuständig, also für die Luftraumüberwachung. Mit solchen Aufgaben hatte der Brocken nichts zu tun. Vielmehr geht es um die Funkaufklärung, also das Abhören von Funkfrequenzen. Hierbei sollte natürlich der Funkverkehr der NATO abgehört werden. Aufgrund der exponierten Lage waren die Sowjets von hier aus in der Lage, den Funkverkehr der Militärs von fast ganz Westeuropa abzuhören. So wurden Informationen über Militärbewegungen in ganz Westeuropa vom hier aus gesammelt, aufgezeichnet, teilweise automatisch ausgewertet und per Kabeldirektverbindung weitergeleitet.

Manfred Bischoff schrieb dazu: "Verwendet wurde fast ausschliesslich mobile Aufklärungstechnik, für die aus Witterungsgründen Anfang der 70er Jahre eigens zwei grosse Radome errichtet wurden, in denen die Aufklärungs- und Peilfahrzeuge  zum Einsatz kamen. Im südlichen Radom befand sich ein System KRTP-81 RAMONA, in dem anderen Radom waren (wohl auch wechselweise) Systeme wie SDR-2, POST-3M und R-381 D2 untergebracht. In den Untergeschossen der Radome waren die Funkaufklärungs- und Peilarbeitsplätze eingerichtet, im südlichen Radom saßen z.B. Funkaufklärer, die den Sprechfunkverkehr von Luftfahrzeugen (Bord - Boden) abhörten. Die Aufklärung wurde rund um die Uhr im 6-stündigen Wechselschichtdienst durchgeführt

Auch die Hauptabteilung III des DDR Ministerium für Staatssicherheit hatte Aufklärungsgerät auf dem Brocken installiert. Damit abgehört wurden u.a. der Funkverkehr von Behörden wie Polizei oder BGS und den Militärs in Deutschland und Europa. Auch Richtfunkstrecken und Autotelefonverbindungen wurden überwacht. Die Zentrale der MfS-Aufklärungsstelle auf dem Brocken, Deckbezeichnung "URIAN", war anfangs in einer Etage im alten Fernsehsender "quasi als Mitnutzer" untergebracht. Als Antennenträger wurden auch die drei unteren Plattformen des 1973-1976 neu errichteten 123 m hohen Fernsehturms genutzt. Von 1983 bis 1986 wurde eigens für das MfS  ein neuer zweistöckiger Zweckbau errichtet mit einer markanten frequenzdurchlässigen Kunststoffkuppel (Radom) obenauf. Durch das markante Aussehen wurde das Gebäude später auch als "Stasi-Moschee" bezeichnet. Unter dem Radom (Durchmesser ca. 11 m) waren u.a. Yagi-Antennen und Parabolspiegel installiert. Bereits vor 1984 wurden erst ein einzelnes, dann zwei weitere 'kleinere' Radome (Durchmesser ca. 5,70 m) und nach 1985 noch ein einzelnes, 'größeres' Radom (Durchmesser ca. 11 m) errichtet. Während mit den Antennen unter der Kuppel des Gebäudes überwiegend Suchempfang betrieben wurde, dienten die Antennen unter den vier anderen Radomen der (Dauer-) Überwachung. An Personal waren für die Aufklärung auf dem Brocken 21 Mann im Dreier-Schichtbetrieb eingesetzt.

Der Brocken diente dem MfS (HVA) auch als Funkempfangsstelle für die im Westen eingesetzten Agenten (Kundschafter). Zu diesem Zweck war ein spezieller Antennenträger (Antennensystem Typ 2061) installiert worden."´Quelle: http://www.manfred-bischoff.de/

Die NVA leistete die Funk- und Funktechnische Aufklärung mit dem Aufklärungsbattalion-11 in Bad Frankenhausen. Bad Frankenhausen war dem ZFD (Zentralen Funkdienst) der NVA in Dessau unterstellt. Gegenstand der Aufklärung war: Funkverkehr militärischer Bedeutung im Bereich Zentraleuropas sowie Funkmeßabstrahlungen funktechnischer Mittel von militärischen Objekten am Boden und in der Luft.

Das 670. Funktechnische Aufklärungszentrum der 82. Selbständigen Funktechnischen Brigade (Torgau) der GSSD stellte bei Trautenstein, Nordhausen und Hasselfelde die 3 Posten des mobilen Aufklärungskomplexes vom Typ KRTP-81 RAMONA. NACH OBEN

 Aufklärung des Westens

Westdeutsche und Franzosen auf dem Stöberhai
In einem Betonturm auf dem Harzer Berg Stöberhai ist einst der Osten ausgehorcht worden.
Militärische Funksprüche der Warschauer-Pakt-Länder wurden abgehört. "Wir saßen oben unter der Antennenanlage in der zehnten Etage", erzählte ein früherer Oberstabsfeldwebel der Luftwaffe. "Dort hatte ich einen fantastischen Ausblick bis zum Kyffhäuser." Rund um die Uhr horchten die Bundeswehrangehörigen im Schichtbetrieb, was sich im östlichen Luftverkehr tat. "Die Abhöranlagen reichten fast bis zum Ural", berichtet der Ex-Soldat.
Die Spezialisten hatten vorher auf einer Sprachenschule der Bundeswehr Russisch gelernt, um die Funksprüche verstehen und übersetzen zu können. "Wenn es Truppenbewegungen oder Manöver gab, haben wir alles mitgekriegt", sagte der ehemalige Bundeswehrsoldat. Die Bundeswehrsoldaten waren nicht die einzigen "Horcher vom Dienst". Auch die französischen Streit kräfte hatten dort ihre Anlagen auf vier sehr viel niedrigeren Türmen aufgebaut, die im Vergleich zum Betonkoloss fast schon filigran wirken. Auch wenn beide, Westdeutsche und Franzosen, in gleicher Richtung lauschten, operierten sie getrennt voneinander. Während die Franzosen ihre Kaserne in Bad Lauterberg hatten, waren die Bundeswehrsoldaten in Osterode untergebracht.

Amerikaner auf dem Wurmberg und dem Blocksberg
Die Deutsche Teilung führte dazu, dass die innerdeutsche Grenze nördlich und östlich am Wurmberg vorbei verlief. Während des Kalten Krieges befand sich auf dem Gipfelplateau eine Abhörstation: 1972 errichteten US-Geheimdienste auf dem Wurmberg einen 81 m hohen Turm, den North Tower, zur Aufnahme der entsprechenden Abhörgeräte. Diese Station wurde am 22. August 1994 gesprengt und ihre Überreste beseitigt
Der Bocksberg bei Hahnenklee (südlich von Goslar) ist mit einer Höhe von 727 Metern zwar nicht gerade die höchste Erhebung der Gegend, war aber als Standort für eine militärische Funk-Relaisstation während des Kalten Krieges durchaus geeignet. Von 1950 bis zum Sommer 1992 betrieben das 5th Signal Command (Stammstandort Mannheim), das 102nd Signal Battalion und die 4th Signal Group der US Army hier eine eher unspektakuläre Anlage. Teilweise arbeitete auch Personal der Signal Support Company Berlin im Objekt.

Franzosen auf der Schalke (Nordharz)
Seit etwa 1959 waren die französischem Groupe Electronique 50/450 und Escadron Electronique Sol 33/351 sowie Escadron de Renseignement Air 21/054, DT3 (Luft- und Fernmeldeaufklärung) auf der Schalke (762m, Nähe Goslar) präsent. Untergebracht war die Einheit nahe des Bundeswehr-Fliegerhorsts Goslar und zum Teil auch in der Kaserne Bad Lauterberg. 1968 wurde die Anlage auf der Schalke gründlich modernisiert und der 64 Meter hohe Turm des Horchpostens errichtet.

Britten auf dem Elm
Die britische Besatzungsmacht, zuständig für den Norden Deutschlands, sah sich schon früh zur Einrichtung grenznaher Abhörposten veranlasst. Bereits 1948 hatte man auf dem Elm bei Königslutter eine Kuppe für Zwecke der Luftbrücke verwendet und entschloss sich, dieses günstig gelegene Gelände nun für die neuen Zwecke zu nutzen. Im März 1951 bauten die ersten neun Soldaten der 101st Wireless Troop ihre Zelte in Langeleben auf. Dieser erste mobile Einsatz war ein großer Erfolg und man entschloss sich, eine ortsfeste Station an gleicher Stelle einzurichten.
Während der Unruhen in Ungarn im Jahr 1956 war die Einheit ständig in Alarmbereitschaft. 1957 wurde sie umbenannt in 2nd Squadron, 1st Wireless Regiment, das Hauptquartier war nun in Birgelen nahe der holländischen Grenze. In den sechziger Jahren wurden die bis dahin semi-mobil genutzten Technikfahrzeuge ebenfalls durch feste Gebäude ersetzt. Und 1963/1964 wurden endlich auch die Unterkünfte durch neue, moderne Bauten abgelöst. Zwischen 1960 und 1970 wurden auch verstärkt mobile Außenstationen eingesetzt. Das Camp selbst trug nun den Namen "Anderson Barracks" und lief unter der Führung des 13th Signal Regiment. Neben einem Kino, einer Bar und dem NAAFI-Shop gab es nun auch eine offene Zisterne, die sich natürlich prächtig als Pool eignete. 1967 gab es erneut eine Reorganisation - die Einheit wurde mit der 225th Signal Squadron verschmolzen. 1977 wurde das 14th Signal Regiment (EW) aus mehreren anderen Einheiten gegründet und war nun auch für diesn Außenposten zuständig. Das Hauptquartier befand sich ab 1985 in Celle und von hier aus traten die meisten Soldaten auch ihre 24-Stunden-Schichten an. NACH OBEN

 Zwei-plus-Vier-Vertrag

Der Zwei-plus-Vier-Vertrag ist ein Staatsvertrag zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland sowie Frankreich, den Vereinigten Staaten, Großbritannien und der Sowjetunion. Er machte den Weg für die Wiedervereinigung Deutschlands frei, wurde am 12. September 1990 in Moskau unterzeichnet und trat am 15. März 1991, dem Tag der Hinterlegung der letzten Ratifikationsurkunde, mit einer offiziellen Zeremonie in Kraft.

Als die politisch geforderte und rechtlich notwendige Friedensregelung mit Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg markiert der Zwei-plus-Vier-Vertrag das Ende der Nachkriegszeit und ist ein maßgeblicher diplomatischer Beitrag zur Friedensordnung in Europa. Denn in dem "Vertrag über die abschließenden Regelungen in bezug auf Deutschland" wird die endgültige innere und äußere Souveränität des vereinten Deutschlands hergestellt.

Im einzelnen:

- werden die endgültigen mitteleuropäischen Grenzen und damit das Staatsgebiet des vereinten Deutschlands festgelegt und erklärt, dass Deutschland keine Gebietsansprüche an andere Staaten stellt

- wird die Personalstärke der deutschen Streitkräfte auf 370.000 Personen festgelegt und erklärt, dass Deutschland auf die Herstellung, die Verfügung über und den Besitz von ABC-Waffen sowie auf das Führen von Angriffskriegen verzichtet

- wurde der Abzug der sowjetischen Truppen aus Ostdeutschland bis 1994 vereinbart und die Bündniszugehörigkeit Deutschlands (das Recht, Bündnissen anzugehören) geregelt

Artikel 4
(1) Die Regierungen der Bundesrepublik Deutschland, der Deutschen Demokratischen Republik und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken erklären, daß das vereinte Deutschland und die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken in vertraglicher Form die Bedingungen und die Dauer des Aufenthalts der sowjetischen Streitkräfte auf dem Gebiet der heutigen Deutschen Demokratischen Republik und Berlins sowie die Abwicklung des Abzugs dieser Streitkräfte regeln werden, der bis zum Ende des Jahres 1994 im Zusammenhang mit der Verwirklichung der Verpflichtungen der Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik, auf die sich Absatz 2 des Artikels 3 dieses Vertrags bezieht, vollzogen sein wird.
(2) Die Regierungen der Französischen Republik, des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland und der Vereinigten Staaten von Amerika nehmen diese Erklärung zur Kenntnis.

Auszug aus Artikel 5
3) Nach dem Abschluß des Abzugs der sowjetischen Streitkräfte vom Gebiet der heutigen Deutschen Demokratischen Republik und Berlins können in diesem Teil Deutschlands auch deutsche Streitkräfteverbände stationiert werden, die in gleicher Weise militärischen Bündnisstrukturen zugeordnet sind wie diejenigen auf dem übrigen deutschen Hoheitsgebiet, allerdings ohne Kernwaffenträger. Darunter fallen nicht konventionelle Waffensysteme, die neben konventioneller andere Einsatzfähigkeiten haben können, die jedoch in diesem Teil Deutschlands für eine konventionelle Rolle ausgerüstet und nur dafür vorgesehen sind. Ausländische Streitkräfte und Atomwaffen oder deren Träger werden in diesem Teil Deutschlands weder stationiert noch dorthin verlegt. NACH OBEN

Truppenabzug

Dann zerfiel der Warschauer Vertrag, ihm folgte die Sowjetunion. Keine der einstigen Konfliktparteien will bzw. kann heute einen offensiven Krieg in Europa beginnen. Auf die veränderte Lage wurde mit dem gegenseitigen Abbau der Streitkräfte reagiert. Die US-Truppen in Europa wurden auf zwei Brigaden reduziert. Eine davon ist in Deutschland stationiert und verfügt über Jagdpanzer des Typs Striker. Die zweite hat ihren Standort in Italien, ihr gehören Fallschirmjäger an. Den beiden Brigaden geben insgesamt sechs Jagdflugzeug-Staffeln Rückendeckung (eine davon in Deutschland, zwei in Italien und drei in England). Bei jeder zweiten Staffel wurde die Alarmbereitschaft reduziert.

Der Abbau der US-Truppen wurde durch Etatkürzungen beschleunigt. Im Frühjahr 2013 verließen die letzten Panzer und Erdkampfflugzeuge Europa. Die wichtigste Aufgabe der US-Soldaten in Europa ist derzeit die Rückendeckung für Einsätze im Nahen Osten, in Zentralasien und im asiatisch-pazifischen Raum. Damit nimmt die Bedeutung der verbliebenen Transport- und Tankflugzeuge drastisch zu.

Im Mai 1992 wurden die ersten Soldaten von Halberstadt abgezogen - im Ergebnis des Zwei Plus Vier Abkommens. Es war das Mot.-Schützenbataillon des 197.Gardepanzerregimentes, ungefähr 500 Mann stark. Die Technik wurde im Bahnhof Wegeleben verladen und trat dann den weiten Weg in den Moskauer Militärbezirk an.

Am Dienstagabend, den 21. September 1993, verließen die letzen russischen Soldaten mit modernen T-80 Panzer den Standort Halberstadt. Das 197.Gardepanzerregiment (Halberstadt, 3000 Soldaten und Offiziere) war Bestandteil der 47. Garde-Panzerdivision (Hillersleben bei Haldensleben), gehörte zur 3. Stoßarmee (Magdeburg) und war unterstellt dem Oberkommando der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland - GSSD (Wünsdorf, 6 Armeen, 386.000 Soldaten 1963). Oberbefehlshaber der GSSD (ab Juni 1989 der Westgruppe der Truppen) 1987 bis 1990 war Armeegeneral Boris Wassiljewitsch Snetkow. NACH OBEN

 Eine riesige Streitmacht

Die sowjetischen Truppen belegten auf dem Territorium der DDR 777 Kasernenanlagen an 276 Orten. Dies schloss 47 Flugplätze und 116 Übungsplätze mit ein. Die WGT zählte im Januar 1991 nach eigenen Angaben 337.800 Soldaten in 24 Divisionen, verteilt auf fünf Landarmeen und eine Luftarmee. Dazu kamen noch 208.400 Familienangehörige von Offizieren sowie Zivilangestellte, darunter befanden sich etwa 90.000 Kinder. Sie wurden ebenso wie die mehr als 4100 Kampfpanzer, fast 8000 gepanzerten Fahrzeuge, rund 3600 Artilleriesysteme, mehr als 600 Flugzeuge, die über 600 Hubschrauber, 95000 Kraftfahrzeuge und die rund 677000 Tonnen Munition bis Ende August 1994 aus Deutschland abgezogen.

Die NVA verteilte auf zwei Armeen 211.700 Mann (1988) die sich in "Ständiger Gefechtsbereitschaft" befanden. Durch Reservisten-Einberufungen konnte Sie innerhalb von 48 Stunden auf 360.000 Mann aufwachsen. An Bewaffnung und Ausrüstung wurde für Ende der 80er Jahre u.a. angegeben: 307 Kampfflugzeuge, 74 Kampfhubschrauber, 80 Startrampen für takt. Raketen, 3140 Panzer, 620 Panzerabwehrlenkraketen, 5900 gepanzerte Fahrzeuge und 2435 Geschütze und Granatwerfer. (Die Bundeswehr hätte im Kalten Krieg auf 2,3 Millionen Reservisten zurückgreifen können. Am 3. Oktober 1990 hatte sie einen Verteidigungsumfang von 1,3 Millionen Soldaten, von denen etwa 800.000 Alarmreservisten waren.)

Diese Armada diente lediglich der 1. Angriffs- oder Verteidigungswelle. Die GSSD hatte eine Alarmierungszeit von nur zwei Stunden. In vier bis zehn Stunden nach Alarmauslösung waren die gefechtsmäßig gegliederten und geführten operativen Verbände der ersten strategischen Staffel voll einsatzbereit. Innerhalb kurzer Zeit nachgerückt wären in der zweiten Welle die Streitkräfte aus Polen und in der dritten Welle die Streitkräfte des Moskauer Militärbezirks. Die Führungen in den beiden deutschen Staaten mussten sicher schon in den 50er Jahren hinnehmen, das ihr Territorium überrollt d.h. komplett verwüstet worden wäre. Strategischer Vorteil für den Osten war das vorhandene Hinterland, welches dem Westen fehlte - schätzt man die Entfernung bis zum Atlantischen Ozean.

Karte der GSSD in Sachsen-Anhalt

Karten der GSSD-Standorte in der DDR

Karte der NVA-Landstreitkräfte

NVA-Luftstreitkräfte

Übersicht NVA-Streitkräfte (Land, Luft, See)

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 Gliederung und Dislozierung der GSSD

Unmittelbar nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges verblieben die Armeen, Korps, Divisionen, Brigaden und Regimenter der Roten Armee, die den Bestand der "Gruppe der Sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland" (GSBT) bildeten, auf den letzten von ihnen eingenommenen Kampfpositionen. Kurze Zeit später wurden diese Truppen im Rahmen einer Reorganisation vor allem in ehemalige Wehrmachtliegenschaften (Kasernen, Übungsplätze, Fliegerhorste, Depots, Bunker) auf dem Territorium der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) umdisloziert. Im Jahr 1945 gehörten zur GSBT: Die 1. Garde-Panzerarmee mit dem Stab in Radebeul (bei Dresden), die 2. Garde-Panzerarmee mit dem Stab in Fürstenberg/Havel, die 4. Garde-Panzerarmee mit dem Stab in Eberswalde (1946), die 2. Stoßarmee mit dem Stab erst in Parchim, danach Schwerin, die 3. Stoßarmee mit dem Stab in Stendal, die 5. Stoßarmee mit dem Stab im "Olympischen Dorf" (bei Berlin), danach Potsdam, die 8. Garde-Armee mit dem Stab in Weimar, die 47. Armee mit dem Stab in Halle, die 16. Luftarmee mit dem Stab in Woltersdorf (bei Berlin), zudem selbstständige Verbände des 1. Garde-Panzerkorps, das 11. Panzerkorps, das 2. Garde-Kavalleriekorps und die Dneprflottille (Oranienburg, Oderberg und Fürstenberg). Zum Sitz des Oberkommandos der GSBT (bisher: Potsdam) wurde 1952 Zossen/Wünsdorf bestimmt. Die Garnison Wünsdorf entwickelte sich in den Folgejahren zur größten sowjetischen Wohnsiedlung in der DDR (mindestens 35000 Bewohner). Im Verlaufe der Zeit entstanden auch in anderen Regionen/Standorten beträchtliche Truppenkonzentrierungen und größere Wohnsiedlungen, wie u.a. in Dallgow-Döberitz, Dresden, Fürstenberg/Havel, Grimma, Halle, Hillersleben, Jena, Jüterbog, Königsbrück, Magdeburg, Ohrdruf, Potsdam, Neuruppin, Neustrelitz, Schwerin, Vogelsang (Templin), Weimar, Wittenberg und Zeithain.

Die Zusammensetzung der sowjetischen Truppen in der SBZ/DDR veränderte sich permanent sowohl nach der Zahl der zu ihnen gehörenden Armeen, Divisionen, Brigaden und Regimenter, als auch nach dem Verhältnis zwischen den verschiedenen Waffengattungen. Noch in der unmittelbaren Nachkriegszeit verließen u.a. zwei Armeen (die 5. Stoßarmee und die 47. Armee) sowie die Dneprflottille das Territorium der SBZ. Anstelle der 2. Stoßarmee wurde die 4. Mechanisierte Garde-Armee eingefügt. In Forst Zinna (bei Jüterbog) richtete sich der Stab der 3. Garde-Mech. Armee, spŠter 18. Garde-Armee, ein. Ende der 1940er Jahre waren etwa 600000 sowjetische Soldaten in der SBZ/DDR stationiert. Mitte der 1950er Jahre kam es zu einer Reduzierung der sowjetischen Truppen in der DDR, die 1954 die Bezeichnung "Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland" (GSSD) erhalten hatten. 1956 verließen Verbände und Truppenteile in einer Stärke von rund 33500 Mann die DDR, darunter der Stab der 18. Armee (Forst), Panzerregimenter aus Weimar, Schützen- und Panzertruppen aus Magdeburg und Potsdam sowie Truppen der Luftstreitkräfte, u.a. die 200. Schlachtfliegerdivision aus Brandenburg/Havel. 1957/58 wurden nochmals etwa 42000 Mann in die UdSSR zurückverlegt, darunter die Angehörigen eines Artillerieregiments aus Cottbus, eines Mot. Schützenregiments aus Fürstenwalde und einer Flakdivision aus Brandenburg/Havel. 1959 stationierte die UdSSR (ohne Wissen der DDR-Führung) in Fürstenberg/Havel und Vogelsang (bei Templin) für kurze Zeit erstmals atomar bestückte Raketen. Vor dem Hintergrund der sowjetischen Militärdoktrin, der in lokalen Konflikten gewonnenen militärischen Erfahrungen, der Entwicklungen in den NATO-Streitkräften sowie neuer waffentechnischer Herausforderungen reagierte die GSSD mit wiederholten Strukturveränderungen - sowohl mit dem Aufbau neuer Truppenteile und Einheiten als auch mit dem Abzug von Truppen und Kampftechnik. So verließen in der Zeit vom 6. Oktober 1979 bis zum 25. Juli 1980 20000 sowjetische Militärangehörige und 1000 Panzer die DDR, darunter die 6. Garde-Panzerdivision (Wittenberg). Kurze Zeit später fand zudem eine größere Umgliederung von GSSD-Truppen statt. Die Anzahl der Panzerdivisionen erhöhte sich bei gleichzeitiger Reduzierung der Mot. Schützendivisionen. So wurde aus der 14. Garde-Mot. Schützendivision die 32. Gardepanzerdivision und aus der 6. Mot. Schützendivision die 90. Gardepanzerdivision. Die 10. Garde-Panzerdivision verlegte von Krampnitz (bei Potsdam) nach Altengrabow. Im Rahmen der Eskalation der Raketenrüstung in Europa erfolgte 1983/84 u.a. die Verlegung von Truppenteilen mit operativ-taktischen Raketenkomplexen aus der UdSSR in den Raum Königsbrück und Bischofswerda sowie in den Raum südöstlich von Waren und südöstlich von Neustrelitz.

Gemäß einer Ankündigung von Michail Gorbačёv vom Dezember 1988 sollten bis 1991 vier Panzerdivisionen und Einheiten mit ausgesprochenem Offensivcharakter (z.B. Luftsturmkräfte) in einer Gesamtstärke von etwa 24000 Mann aus der DDR abgezogen werden. In diesem Zusammenhang verließen 1989 u.a. die 25. Panzerdivision (Vogelsang) und die 32. Gardepanzerdivison (Jüterbog), drei Luftsturmbataillone, ein Panzerausbildungsregiment (Krampnitz), ein Nachrichtenausbildungsregiment (Werder), zwei Schulen (Glau/Brandenburg). zwei Bataillone Chemische Abwehr (Magdeburg/Gera), zwei Landeübersetzbataillone (Halle/Magdeburg), die 157. Fla-Raketenbrigade (Priemerwald) sowie zwei Bombenfliegergeschwader (Brand/Großenhain) die DDR. Bis Ende 1990 zogen die 7. Gardepanzerdivision (Roßlau), zwei Panzerausbildungsregimenter (Königsbrück/ Forst Zinna), ein Mot. Schützenausbildungsregiment (Krampnitz), die 35. Luftsturmbrigade (Cottbus), ein Bataillon Chemische Abwehr (Neuruppin), ein Luftsturmbataillon (Burg) sowie ein Aufklärungsfliegergeschwader und eine Schule der Luftstreitkräfte ab. Der ursprünglich ebenfalls für 1990 geplante Abzug der 12. Panzerdivision (Neuruppin) erfolgte erst im Jahr 1991 - dann bereits aber im Rahmen des planmäßigen Abzugs der sowjetischen/russischen Truppen (seit Juni 1989 "Westgruppe der Truppen" [WGT], mitunter auch als "Westgruppe der Streitkäfte" [WGS] bezeichnet) aus dem wiedervereinigten Deutschland.

Im Oktober 1990 gehörten zur WGT:
die 1. Garde-Panzerarmee (Dresden) mit der 20. Garde-Mot. Schützendivision (Grimma), der 9. Panzerdivision (Riesa) und der 11. Garde-Panzerdivision (Dresden); die 2. Garde-Panzerarmee (Fürstenberg/Havel) mit der 21. Mot. Schützendivison (Perleberg), der 94. Garde-Mot. Schützendivision (Schwerin), der 207. Mot. Schützendivision (Stendal) und der  (Stoß)-Armee (Magdeburg) mit der 7. Garde-Panzerdivision (Roßlau), der 10. Garde-Panzerdivision (Altengrabow), der 12. Garde-Panzerdivision (Neuruppin) und der 47. Garde-Panzerdivision (Hillersleben); die 8. Garde-Armee (Nohra bei Weimar) mit der 27. Garde-Mot. Schützendivision (Halle), der 39. Garde-Mot. Schützendivsion (Ohrdruf), der 57. Garde-Mot. Schützendivision (Naumburg) und der 79. Garde-Panzerdivision (Jena); die 20. Garde-Armee (Eberswalde-Finow) mit der 35. Mot. Schützendivision (Krampnitz bei Potsdam), der 90. Garde-Panzerdivision (Bernau) und der 6. Garde-Mot. Schützenbrigade (Berlin-Karlshorst); die 16. Luftarmee (Wünsdorf) mit der 6. Garde-Jagdfliegerdivision (Merseburg), der 16. Garde-Jagdfliegerdivision (Ribnitz-Damgarten), der 126. Jagdfliegerdivision (Zerbst), der 125. Jagdbombenfliegerdivision (Rechlin) und der 105. Jagdbombenfliegerdivision (Großenhain); die 34. Artilleriedivision (Potsdam) sowie zahlreiche Raketen- und andere Kampf- und Kampfunterstützungsbrigaden. Seestreitkräfte waren zu keiner Zeit der GSSD/WGT unterstellt gewesen.

Insgesamt befanden sich im Herbst 1990 in den fünf neuen Bundesländern und in Berlin (Mitte, Friedrichshain, Prenzlauer Berg, Köpenick, Pankow, Treptow, Weißensee, Lichtenberg, Hellersdorf und Mahrzahn) etwa 1500 Liegenschaften der WGT, die eine Gesamtfläche von rund 290000 ha in Anspruch nahmen und damit ca. 2,7 % des Territoriums im Osten Deutschlands entsprachen. Darunter waren neben Dienstgebäuden, Kasernen, Fernmeldeeinrichtungen, Depots, Lager, Bunker, Übungsplätzen, Reparaturwerken usw. auch hunderte Wohnsiedlungen. Mit weit über 300 Liegenschaften (324) war von Anfang an der Anteil der Präsenz der sowjetischen/russischen Truppen auf dem Territorium des heutigen Landes Brandenburg (ehemalige DDR-Bezirke Potsdam, Frankfurt/Oder und Cottbus) am stärksten gewesen, gefolgt von Sachsen-Anhalt (271), Sachsen (165), Thüringen (128), Mecklenburg-Vorpommern (127) und Berlin (11). Nach dem Stand vom 1. Januar 1991 hatte die WGT (nach eigenen Angaben) einen Gesamtpersonalbestand von 546200 Personen, davon 337800 Soldaten und 208400 Zivilangestellte bzw. Familienangehörige. Sie wurden ebenso wie die mehr als 4100 Kampfpanzer, fast 8000 gepanzerten Fahrzeuge, rund 3600 Artilleriesysteme, mehr als 600 Flugzeuge, die über 600 Hubschrauber, 95000 Kraftfahrzeuge und die rund 677000 Tonnen Munition bis Ende August 1994 aus Deutschland abgezogen. NACH OBEN

 Gliederung und Dislozierungen der NVA

Dislozierung und Bezeichnungen von DienststellenZu den wohl behüteten militärischen Geheimnissen in der NVA zählte von Anfang an die Dislozierung (Verteilung in Standorte) der Stäbe und Truppen. Die DV 010/0/012 regelte dazu eindeutig, dass "über die Dislozierung und Umdislozierung von Verbänden, Truppenteilen usw." nicht berichtet werden durfte. Ausgenommen davon waren in einer besonderen Anlage aufgeführte Einrichtungen, die auch mit ihren Standorten genannt werden durften. Dazu gehörten u.a. Grenzübergangsstellen, die Armeesportklubs, Kommandanturen, kulturelle Einrichtungen wie das Armeemuseum, das Filmstudio oder die Musikkorps der NVA, militärische Lehreinrichtungen wie die Militärakademie "Friedrich Engels", die Offizierhochschulen oder das Militärgeschichtliche Institut der DDR, militärmedizinische Einrichtungen, Objekte des Militärerholungswesens, der Seehydrographische Dienst, die Wehrkommandos, Schulen der Zivilverteidigung oder dem Verteidigungsministerium direkt unterstellte Betriebe wie der Militärverlag der DDR. Zulässig war darüber hinaus auch die Nennung der Standorte des Ministeriums für Nationale Verteidigung (Berlin oder Strausberg), der Kommandos der Teilstreitkräfte der NVA (Potsdam, Eggersdorf bei Strausberg, Rostock), des Kommandos der Grenztruppen der DDR (Pätz bei Königs Wusterhausen), der Kommandos der Militärbezirke (Leipzig, Neubrandenburg) und der Hauptverwaltung der Zivilverteidigung (Berlin). Bei den Grenztruppen waren für Truppenteile und Einheiten auch weitergehende Angaben wie "an der Elbe" oder "im Harz" möglich. Insgesamt verteilten sich die über 1100 "NVA-Objekte" (Führungsorgane, Kasernen, Einrichtungen, Schulen, Wehrkommandos, Lager und Werkstätten usw. - ohne Grenztruppen) auf weit über 500 Standorte in der DDR.

Dem Geheimnisschutz unterlagen aber nicht nur die Standorte der Einheiten und Dienststellen, sondern auch die Bezeichnungen für Strukturelemente der NVA, der Grenztruppen und der Zivilverteidigung. Für die Öffentlichkeit erfolgte eine Differenzierung ausschließlich durch die Verwendung der Begriffe Verband (als Synonyme dafür durften genannt werden: Mot.Schützendivision/ Panzerdivision/ Raketenbrigade/ Luftverteidigungsdivison/ Flottille/ Grenzbrigade Küste/ Grenzkommando), Truppenteil (oder: Regiment/ selbständiges Bataillon/ selbständige Abteilung/ Fla-Raketenbrigade/ Fla-Raketenregiment/ Geschwader/ selbständiges Bataillon/ Brigade/ selbständige Abteilung/ Küstenraketenabteilung/ Schiffstammabteilung/ Grenzregiment/ Grenzausbildungsregiment sowie Einheit (oder: Bataillon/ Abteilung/ Kompanie/ Batterie/ Zug/ Gruppe/ Fliegerstaffel, Hubschrauberstaffel/ Fla-Raketenabteilung/ technische Abteilung/ Flugzeug- oder Hubschrauberbesatzung/ Fliegeringenieurdienst des Geschwaders oder einer Staffel/ Küsten- und Startbatterie/ Abteilung/ Bootsgruppe/ Schiff/ Grenzbataillon/ Grenzkompanie).

Die Nennung eines dieser Strukturelemente konnte dann mit der Nennung des Traditionsnamens (soweit vorhanden) oder des Namens des Kommandeurs verbunden werden. Beispiel: Die 9. Panzerdivision in Eggesin durfte in der Öffentlichkeit nur wie folgt genannt werden: Panzerdivison "Heinz Hoffmann" oder "Panzerverband, Kommandeur Generalmajor Erdmann" oder "Verband Erdmann" (1987). Standortangaben oder andere militärische Bezeichnungen suchte man also bei den oben genannten Strukturelementen in der Regel vergebens. Die Nennung von Truppenteilen, Einheiten und Einrichtungen der NVA und der Grenztruppen, die einer besonderen Geheimhaltung unterlagen, war generell verboten. Sowohl in den Standorten selbst als auch auf zivil zugänglichen Karten fanden sich zudem keine Hinweise auf Armeeliegenschaften, Kasernen oder andere militärische Dienststellen. NACH OBEN

 Atomwaffen in der Bundesrepublik

Während des Kalten Krieges waren die US-Truppen in Europa der Eckpfeiler der vereinigten Nato-Kräfte. Als die Konfrontation gegen die Sowjetunion ihren Höhepunkt erreichte, war das US-Kontingent in Europa nahezu 300.000 Mann stark. Tausende Panzer und weitere Kampffahrzeuge sowie hunderte schwere Artilleriesysteme, Kampfjets und Hubschrauber standen ihm zur Verfügung. Auf der westlichen Seite gab es noch die deutsche Bundeswehr, die britische Rheinarmee und Truppen aus weiteren Ländern. Ihnen stand der größte Truppenverband gegenüber, den es in Osteuropa je gab. Aufgestellt wurde er von der Sowjetunion und ihren Verbündeten.

Die Pläne der beiden Konfliktparteien sahen im Kriegsfall den Einsatz von hunderten Atomsprengsätzen innerhalb von wenigen Tagen vor. Gemeint wurde dabei das unmittelbare Kampffeld - abgesehen von Angriffen auf Städte und Anlagen im gegnerischen Hinterland. Die Nato schloss einen Atomwaffen-Einsatz auf ihrem eigenen Territorium nicht aus. Nukleare Sprengsätze sollten an Autostraßen und unter Brücken gelegt werden. Strahlung und Trümmer sollten die Offensive sowjetischer Truppen um zwei bis drei Tage bremsen.

Die seit den 1970er Jahren stationierten US-Erdkampfflugzeuge des Typs A-10 Thunderbolt (genannt auch Warthogs, also Warzenschweine) waren Teil der Nato-Truppen, deren Aufgabe darin bestand, den befürchteten sowjetischen Vorstoß zum Ärmelkanal einzudämmen. Bei zahlreichen Übungen, die fast ununterbrochen stattfanden, wurde für Luftangriffe im Tiefflug trainiert. Dies sollte Verluste durch russische Flugabwehrsysteme und Jagdflugzeuge reduzieren. Die Prognose für einen Großkrieg beinhaltete trotzdem sieben abgeschossene Erdkampfflugzeuge pro 100 Flüge. Die ganze A-30-Gruppe hatte also höchstens zwei Wochen Zeit, bis sie ihre Kampfähigkeit völlig verliert. Eigentlich konnte auch die ganze menschliche Zivilisation innerhalb dieser zwei Wochen verschwinden, denn der Übergang von taktischen zu strategischen Atomwaffen erschien im Kriegsfall durchaus real.

In der Bundesrepublik Deutschland gab es erstmals ab Herbst 1953 mit der Stationierung der so genannten »Atom-Annie« US-amerikanische Atomwaffen. Diese wurden in Sondermunitionslagern (special ammunition sites (SAS)) eingelagert. Während der Hochzeit des Kalten Krieges lagerten Atomwaffen an vermutlich mehr als 15 Standorten über die gesamte Bundesrepublik verteilt, mit Ausnahme von West Berlin.

Die nukleare Munition war für die unterschiedlichsten Waffensysteme vorgesehen, zum Beispiel für Rohr- und Raketenartillerie, Flugabwehrraketen, Jagdbomber, Cruise Missile und vorübergehend auch für Atomminen (ADM). Mit Beendigung des Kalten Krieges begann ab 1990 eine massive Reduzierung der atomaren Waffensysteme und Munitionsbestände.

Der Atomwaffennachschub in Westeuropa stand unter Kontrolle der 59. (US) Ordnance Brigade mit Hauptquartier in Pirmasens. Allein für die Artilleriemunition unterhielt das US-Heer in der Bundesrepublik vermutlich 13 Atomwaffenlager. Das wichtigste und größte Depot war Miesau (Ramstein air base). Von hier aus erfolgte die Verteilung an die Korpslager. Hinzu kamen Sondermunitionslager für Pershing-, Sergeant- (später Lance-) Raketen und bis in die 1980er Jahre für die Nike-Herkules-Raketen. Darüber hinaus gab es verteilt über ganz Deutschland kleinere Depots die nur aus 1 bis 3 Bunker bestanden, in denen zum Beispiel die atomare Munition für die Heeresdivisionen eingelagert war.

Die größten Wasserstoffbomben im US-Arsenal waren Bomben mit einer Sprengkraft von jeweils 24 Megatonnen, die nie in ihrer vollen Stärke getestet wurden. Die Mark-21 gehörte nur von 1955 bis 1957 zum Bestand; das Nachfolgemodell Mark-36 war von 1956 bis 1962 in Verwendung. Auf dem Reißbrett wurden noch stärkere Kaliber erdacht: So plante die US-Regierung zeitweilig die Entwicklung einer 200 Megatonnen-Bombe, die von einem ferngesteuerten Bomber QB-52 Stratofortress abgeworfen werden sollte. Den Rekord hält der Ingenieur Bruno Augenstein von der amerikanischen RAND Corporation in Kalifornien. Er schlug den Bau einer Bombe mit einer Sprengkraft von 1 Gigatonne (1000 Megatonnen) vor. Auch spezielle Wasserstoffbomben mit einem Mantel aus Kobalt wurden vorgeschlagen. Kobalt-60 ist ein enorm starker Gammastrahler. Mit einer einzigen Kobaltbombe ließe sich die gesamte Erdatmosphäre über Jahre hinweg verstrahlen. Durch Zündung einer Wasserstoffbombe über der Arktis würde die polare Eiskappe schmelzen und eine riesige Welle freisetzen, die zahlreiche Länder überfluten würde. Auch ließe sich durch die Detonation mehrerer Wasserstoffbomben vor der kalifornischen Küste eine Tsunami-Welle auslösen, die den Westen der USA bis zu den Rocky Mountains überschwemmen würde. (Quelle: Gerhard Piper in antimilitarismus information (ami) 10/2002, S. 18-23)  NACH OBEN

 Atomwaffen in der DDR

Auch in der ehemaligen DDR gab es Atomwaffenlager (dort Kernwaffenlager genannt). Die Sowjets begannen ab 1958 im Rahmen der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) Kernwaffen und Trägersysteme auf dem Boden der DDR zu stationieren. Aus den verfügbaren Quellen ist ersichtlich, dass vermutlich insgesamt 31 (andere Quellen sprechen von 21) Kernwaffenlager eingerichtet wurden. Diese Lager standen ausschließlich unter sowjetischer Kontrolle. Allerdings wurden ab 1963 auch Verbände der Nationalen Volksarmee mit atomwaffenfähigen Trägersystemen ausgerüstet, woraus auf eine begrenzte Zusammenarbeit im atomaren Bereich geschlossen werden kann.

Soweit bekannt, war die gesamte atomare Munition zum Einsatz für Boden-Boden-Raketen mit unterschiedlichen Reichweiten von 70-500 km vorgesehen. Vermutlich handelte es sich dabei um über 200 Kernwaffen der Größenklasse 5-50 Kilotonnen. Nach Ende des Kalten Krieges verließen die letzten russischen Atomsprengköpfe im Juni 1991 deutschen Boden.

Kommandostabsübungen förderten bereits in den 60er Jahren schreckliche Erkenntnisse zutage. Wäre es zum nuklearen Showdown gekommen, dann wäre das gesamtdeutsche Territorium völlig verwüstet worden. Ein Fazit, das damals nicht für die Ohren der Öffentlichkeit bestimmt war.

Berliner Luftfahrtexperte liefert neue Erkenntnisse aus der Zeit des Kalten Krieges Von Gudrun Mallwitz

Berlin/Potsdam - Während des Kalten Krieges hielten sowjetische Spezialeinheiten auf vier Flugplätzen in Brandenburg Atombomben bereit. Sie lagerten streng abgeriegelt zumeist in oberirdischen Bunkern - wie auf dem einstigen Militärflughafen in Jüterbog. Auf weiteren vier Basen bestand die technische Möglichkeit. "Dass die Hälfte der 16 Standorte in der damaligen DDR sich in Brandenburg befand, lag vor allem an den zahlreich vorhandenen Flugplätzen und der Nähe zur Hauptstadt der DDR", sagt der Berliner Stefan Büttner (34). Er hat die brisanten Erkenntnisse über einen bislang wenig erforschten Teil der Geschichte des Kalten Krieges akribisch zusammengetragen und in einem Buch sowie einer Zeitschrift veröffentlicht.

Nach seinen Recherchen waren auf dem Gebiet der damaligen DDR mindestens 200 Atombomben deponiert. In Brandenburg befanden sich ständige Atomwaffen-Depots in Groß Dölln, Werneuchen, Brand und Finsterwalde. Zeitweilig war es möglich, sowjetische Kernwaffen auch in Wittstock, Neuruppin, Jüterbog und Falkenberg zu lagern. Im Falle eines bewaffneten Konflikts sollten sie gegen bundesdeutsche Militäranlagen eingesetzt werden.

Ein Dokument aus den frühen 60er-Jahren beschreibt Büttner zufolge den "ersten massiven Kernwaffenschlag" der in Ungarn stationierten Südwestfront. Kurzstreckenraketen, Kampfflieger und aus der Sowjetunion startende Raketen sollten gemeinsam zum Einsatz kommen. "Geplant war damals nicht nur der Angriff auf Panzertruppen und Flugplätze in der Bundesrepublik", sagt Büttner. "Städte wie München und Wien sollten komplett zerstört werden." Als Quelle für die Angaben führt er einstmals geheime Dokumente beider Seiten an.

Die Erkenntnisse Büttners seien eine "Pionierarbeit", sagte Rüdiger Wenzke vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Potsdam. "Das ist wertvoll, auch für die Wissenschaft." Über die Stationierung von Atomwaffen auf DDR-Gebiet sei bisher relativ wenig bekannt. Alle wichtigen Dokumente zur Thematik würden in Moskau verwahrt, so der auf DDR-Militärgeschichte spezialisierte Forscher. Und seit etwa zehn Jahren ließen sich die russischen Archive kaum mehr "in die Karten gucken".

Büttner nennt sich einen "Flugplatz-Enthusiasten". Hauptberuflich arbeitet er als Gleisbauer bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG). Als Knirps hatte er zusammen mit dem Vater Flugzeugmodelle gebaut. Als Jugendlicher sah er in Marzahn die sowjetischen MiGs am Himmel entlang donnern. Die Leidenschaft ließ ihn nicht mehr los: "Zwischen 1990 und 1994 trieb ich mich fast jeden Tag auf Flugplätzen herum", erzählt er. So knüpfte er erste Kontakte zu den russischen Streitkräften. Einem Wachsoldaten in Werneuchen brachte der damals 17-Jährige jeden Sonntag Wodka und Zigaretten vorbei. "Er freute sich über ein bisschen Abwechslung und ich durfte dafür das Flugfeld inspizieren", sagt Büttner. In Werneuchen (heute Kreis Barnim) waren am nordöstlichen Stadtrand Berlins ab 1974 Aufklärer vom Typ MiG-25 stationiert. Die hochmodernen Maschinen besaßen eine nukleare Zweitrolle. "Die Aufklärer der ersten Fliegerstaffel sollten neben ihrer eigentlichen Aufgabe Kernwaffen einsetzen", so ein Ex-Pilot der dortigen Aufklärereinheit.

In Finsterwalde (Elbe-Elster) hatten laut Büttner Mitglieder der amerikanischen Militärmission schon in den 60er-Jahren seltsame Flugmanöver beobachtet. Experten nennen diese "Schleuderwurf", sie seien typisch für den Abwurf von Atombomben.

In Brand (Dahme-Spreewald) sind noch heute in der Nähe des Freizeitparks "Tropical Islands" in einem Flugzeug-Shelter am Rande der Start- und Landebahn zwei mannstiefe Gruben zu finden. Nach Angaben von Zeitzeugen waren sie Ende der 80er Jahre angelegt worden, um Atomwaffen für die stationierten Su-24-"Fencer" direkt unter den Tragflächen zum Abwurf bereit zu halten.

Die Bunker durften nur von ausgewählten Kräften der Sondereinheiten betreten werden. Vorher mussten die Männer fünf Sicherheitszonen passieren. Schutzkleidung und Atemmaske waren vorgeschrieben. Die russischen Truppen haben ihre Atombomben 1991 abgezogen. Einige der monströsen Bunker sind seither verschlossen, andere, wie der in Finsterwalde, tragen noch die einst streng geheimen Inschriften. Die Streitkräfte hatten sie mit Farbe übermalt; sie blättert mittlerweile ab. "Es ist den Russen nicht gelungen, ihre Spuren zu tilgen", sagt Stefan Büttner. Somit bleiben die Orte für die Nachwelt als erschreckendes Zeugnis für die Pläne im Kalten Krieg erhalten.

Noch ein weiteres Indiz spricht nach Recherchen der Zeitschrift «FLiEGERREVUE eXtra» dafür, dass im Ernstfall Düsenjets mit Atomwaffen an Bord von Finsterwalde aus Richtung Westen gestartet wären. Denn in Finsterwalde sowie auf dem Nachbarflugplatz Großenhain seien entsprechende Einsätze trainiert worden. So berichten Augenzeugen in der Fliegerrevue: «Am 7. Oktober flogen in Finsterwalde stationierte Fitter (NATO-Bezeichnung der Su-7) mindestens vier LABS-Übungsangriffe (Anflüge auf niedriger Höhe). Die Flugzeuge überflogen den Flugplatz in zirka 650 Meter, gingen dann in einen senkrechten Steigflug bis auf 1200 Meter, drehten für einige Sekunden in Rückenlage, um danach in Normallage weiter zudrehen und in Richtung Westen davon weiter zufliegen». Diese als «Schleuderwurf» bekannte Flugbewegung wird an späterer Stelle im Heft als typisch für Atomwaffenangriffe beschrieben. Die Bomben wurden abgeworfen, sobald sich das Flugzeug in einem 45-Grad-Winkel im Steigflug befand, wodurch die Bombe erst nach oben geschleudert wurde und dann wieder nach unten fiel. «Das Schleuderverfahren gewährleistete dem Piloten eine gewisse Sicherheit beim Zielanflug und steigerte seine Überlebenschance nach dem Abwurf der brisanten Waffenlast, bedingt durch die relativ lange Fallzeit der Bombe» , so der Bericht der Fliegerrevue. (Quelle: Lausitzer Rundschau, 12.09.2008)  NACH OBEN

 Befehls- und Kommandogewalt

Die NVA war dem Ministerium für Nationale Verteidigung mit Sitz in Strausberg unterstellt. Der Nationale Verteidigungsrat der DDR (NVR) wurde ab 1960 als oberstes staatliches Organ zu Fragen der Landesverteidigung und Mobilmachungsplanung aus führenden Vertretern der SED und der bewaffneten Organe der DDR per Gesetz gebildet.

Oberbefehlshaber der DDR-Streitkräfte wären im Verteidigungsfall jeweils die Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates Walter Ulbricht 1960 bis 1971, Erich Honecker 1971-1989, Egon Krenz 1989 gewesen. Vergleichbar mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik nimmt der Verteidigungsminister (nach Artikel 65a GG) im Frieden die Befehls- und Kommandogewalt wahr. Diese geht im Verteidigungsfall auf den Bundeskanzler über.

Im Fall einer Krise (z.B: Kubakrise 1962) käme es zur Heraufstufung der "Gefechtsbereitschaftsstufe bei Kriegsgefahr" und die Befehlsgewalt wäre von den nationalen Führungen in das Oberkommando der Streitkräfte des Warschauer Vertrags gelegt worden. Höchste Stufe war die "Volle Gefechtsbereitschaft" - Alle Kräfte werden vollständig mobilisiert, und in die höchste Bereitschaft zur Erfüllung von Gefechtsaufgaben versetzt. Damit wäre die Mobilmachung der NVA abgeschlossen.

Der NVR war für die Ausarbeitung der militärischen Konzeption der DDR nach politischer Vorgaben und in Übereinstimmung mit der militärischen Planung des Vereinten Oberkommandos der Mitgliedsstaaten des Warschauer Vertrages zuständig.

Er war zudem zuständig für die Einhaltung der staatsrechtlichen und sonstigen Grundlagen der Landesverteidigung und für den Staatsnotstand, die Erhöhung der Kampfkraft und Festigung der Einsatzbereitschaft der Nationalen Volksarmee und weiterer bewaffneter Kräfte, die operative Vorbereitung des Landes sowie die Vorbereitung der Bevölkerung, des Staatsapparates, der gesamten Industrie und Wirtschaft auf die Landesverteidigung sowie den Ausbau der Rüstungsindustrie. Zu den weiteren Hauptaufgaben zählte die patriotische Erziehung der Bevölkerung, die gesamte militärische Propaganda, die Aufklärung des Gegners und seine Absichten, die Planung zur Gewährleistung der staatlichen Sicherheit gegen konterrevolutionäre Aktionen und die Planung der Maßnahmen zur Verteidigung gegen imperialistische Aggressionen, einschließlich der Mobilmachung bzw. Teilmobilmachung.

Auffallend ist - insbesondere in den Achtzigerjahren - die Kürze der Sitzungen, was möglicherweise den Schluss zulässt, dass die wirklichen Entscheidungen nicht im Nationalen Verteidigungsrat, sondern im Politbüro des ZK der SED getroffen wurden.

Bestandteile des Systems der DDR-Landesverteidigung
•Verbände und Truppenteile der Nationalen Volksarmee
•Grenztruppen der DDR
•Formationen der Zivilverteidigung der DDR
•Truppenteile der 'Kampfgruppen der Arbeiterklasse' (KGdAK)
•Truppenteile der Kasernierten Einheiten des Ministeriums des Innern
•Formationen der Deutschen Volkspolizei/ Dienstzweige
•Zivile Spezialformationen der Ministerien NACH OBEN

 Herbst 1983

Ab 1981 verstärkt die NATO Ihre psychologische Kriegsführung: NATO-Flottenverbände kreuzten verstärkt im Nordatlantik, der Ostsee und im Schwarzen Meer. Zusätzlich näherten sich US-Bomber wiederholt dem sowjetischen Luftraum extrem nahe an, um die Bereitschaft der NATO für einen Nuklearschlag zu demonstrieren und die Leistungsfähigkeit der sowjetischen Luftabwehr zu testen.

Im Jahr 1983 nehmen die Spannungen zu. Der Eindruck eines bevorstehenden Atomschlags wurde durch eine Reihe von Ereignissen im Laufe des Jahres verstärkt.

Die USA verstärkten Ihre psychologische Kriegsführung, es wurde offen gedroht. So drückten Ronald Reagan und die amerikanischen Konservativen der Sowjetunion den Stempel als "Reich des Bösen" auf. Im Hintergrund des Begriffes Reich des Bösen steht eine amerikanische Theologie, in der die Apokalyptik eine große Rolle spielt, sieht im gegenwärtigen Zeitgeschehen Anzeichen für einen bevorstehenden endgültigen Kampf zwischen Gut und Böse.

Am 23. März 1983 verkündete US-Präsident Ronald Reagan den Beginn des Raketenabwehrprogramms SDI, das von der Sowjetunion als Versuch angesehen wurde, das Rüstungsgleichgewicht auszuhebeln.

Ein Selbstmordattentäter verübte am 18. April 1983 im vom Bürgerkrieg geplagten Libanon einen Bombenanschlag auf die US-Botschaft in Beirut, bei dem über 60 Menschen starben.

Am 1. September 1983 führte der Abschuss des Korean-Airlines-Flugs 007 durch sowjetische Abfangjäger zu einer weiteren Eskalation der internationalen Lage.

Das alljährliche Herbstmanöver der US-Armee Reforger FTX - Confident Enterprise fand zwischen dem 19. September und 30. September 1983 statt. Wie üblich wurden große Truppenverbände aus den USA eingeflogen.

Able Archer 83 (dt.: tüchtiger Schütze) war eine europaweite zehntägige NATO-Kommandostabsübung, die ab dem 2. November 1983 einen Atomkrieg simulierte. Der hohe Realitätsgrad, die strenge Geheimhaltung sowie das zu dieser Zeit besonders angespannte Verhältnis zwischen den USA und der UdSSR führten im Warschauer Vertrag zu dem Verdacht, es handele sich bei der Übung um einen Deckmantel für einen tatsächlich unmittelbar bevorstehenden Nuklearschlag. Dies zog die Alarmierung konventioneller Streitkräfte und nuklearer Trägersysteme in Osteuropa nach sich. Able Archer 83 war eines der Ereignisse im Kalten Krieg, bei denen ein Atomkrieg unmittelbar drohte.

Den leitenden NATO-Offizieren wurde bewusst, in welch gefährlicher Situation sich die Supermächte befanden und es wurde angeordnet, die Übung nicht bis in alle Details auszuspielen. Insbesondere die geplante Teilnahme hochrangiger Regierungsmitglieder inklusive des amerikanischen Präsidenten Reagan selbst, die deren Unterbringung in Kommandobunkern beinhaltete, wurde abgebrochen. Reagan zeigte sich im Weißen Haus, machte dann einen Kurzurlaub auf seiner Ranch und stellte sicher, dass das in den Medien berichtet wurde. Als Able Archer am 11. November endete, hob auch die UdSSR schnell ihre Kriegsvorbereitungen auf.

Unmittelbar vor Able Archer kam es in der Nacht zum 26. September zu einer Fehlfunktion des sowjetischen Raketenfrühwarnsystems. Fälschlich wurde ein Angriff mit fünf Interkontinentalraketen vom Gebiet der USA aus gemeldet. Das besonnene Handeln des sowjetischen Oberstleutnants Stanislaw Petrow verhinderte einen nuklearen "Gegenschlag". Dass der Dritte Weltkrieg als globale Katastrophe eine Rolle hätte spielen können, wurde deutlich, als Stanislaw Petrow den (falschen) Alarm des sowjetischen Computer-Abwehrsystems am 26. September 1983 befehlswidrig nicht meldete und damit wohl vielen Millionen Menschen das Leben rettete. NACH OBEN

 Gedanken

Die Rote Armee verfügte bei Kriegsende im Frühjahr 1945 über etwa 1,5 Millionen Mann auf deutschem Gebiet. Die Truppenstärke reduzierte sich bis Ende 1947 auf 350.000. Ab 1949/50 erfolgte aufgrund des durch Berlin-Krise und Koreakrieg verschärften Ost-West-Konflikts eine Truppenverstärkung und Aufrüstung; die Personalstärke der sowjetischen Truppen wuchs auf bis zu 600.000 Soldaten.
Bei den Recherchen wurde der Versuch unternommen, die Bedeutung des Aufenthalts der Truppen in unserer Region zu hinterfragen. Auf ein Statement wird bewußt verzichtet und für Interessierte eine kleine Linksammlung angelegt. Hier kann man sich selbst ein Bild von der Dimension machen und fragen, was wäre mit uns passiert, wenn es zur offenen Konfrontation in Europa gekommen wäre. Vielleicht darf man davon ausgehen, das ein millitärisches Patt in den Kräfteverhältnissen die Apokalypse verhindert hat. Faktisch befanden sich die beiden großen verfeindeten Blöcke im Krieg. Der Erntfall für Nato und Warschauer Vertrag war der Kalte Krieg. Dieser Teil der Deutschen Geschichte sollte niemals in Vergessenheit geraten, damit nachfolgende Generationen erfahren, wie nah die beiden deutschen Staaten am Abgrund der absoluten Vernichtung standen und wie nervös sie agierten. Zwei deutsche Staaten - ein Ergebnis des vom nationalsozialistischen Deutschland (1933 bis 1945) entfesselten unvorstellbar furchtbaren Weltkrieges. Ein Krieg, der seinen Anfang nahm aus Nationalismus, Verfolgung Andersdenkender, Fremdenhass bis zur Mordgier. 12 Jahre Nazidiktatur, in denen die deutsche Kultur vernichtet und verjagt wurde. Ein Krieg der auch in Halberstadt begann und am 8. April 1945 dort so grausam zurückkam. Im Jahre 1938 schoben die Nazis mit Unterstützung der städtischen Standesbeamten einen großen Teil der aus Polen zugewanderten Juden in das Gebiet vor der polnischen Grenze ab. 1942 war das Todesjahr der (von einst 300 Familien im Jahr 1933) in Halberstadt verbliebenen Juden. Sie wurden nach Warschau und Auschwitz deportiert. Niemand von ihnen ist zurückgekommen. Nahe Halberstadt gab es das Konzentrationslager Langenstein-Zwieberge in dem mehr als 4500 Leben ausgelöscht wurden, bis zur Befreiung des Lagers durch Einheiten der 8. amerikanischen Panzerdivision am 11. April 1945. Im Sinne der Sieger-Propaganda der vier Mächte hätte man jetzt vielleicht sinngemäß geschrieben: "Leider gibt es heute immer noch die braune Soße, die am liebsten diese Daten aus den Büchern verbannen würden und das als Propaganda abtun. Doch Halberstadt bekennt sich bunt statt braun." Wir wissen heute natürlich, das die Wehrmacht auf dem Rückzug an der Ostfront absolut opferbereit gekämpft hat, um der Bevölkerung in den deutschen Heimatgebieten Preussens die Flucht zu ermöglichen. Das können also nicht nur alles böse Nazis gewesen sein. Unsere Väter und Großväter haben hier heldenhaftes geleistet. Die deutschen Zivil-Opfer wurden nie gezählt. Sicher können wir heute von einigen Millionen Toten Deutschen reden, für die Vertreibung und Flucht aus ihren angestammten Heimatgebieten das Ende bedeutete. Dazu sei erwähnt das die DDR-Regierung 1953 bekannt gab, das bei der Bombadierung Dresdens von 300.000 (Dreihunderttausend) Opfern ausgegangen werden muss. Eine historische Betrachtung und Bewertung unter Einbeziehung der Völkermord-Definitionen ist wohl längst überfällig. Leider ist das im Sinne der angelsächsischen Siegerpropaganda problematisch. Problematisch war es bereits 1919 mit den Versaier-Schand-Vertrag. Zum 100. Jahrestag des Versailler Vertrages sei daran erinnert, dass damals alle Parteien in Deutschland dieses Diktat der Siegermächte ablehnten, selbst die Kommunisten. Die Empörung über die Grausamkeit der Alliierten und deren Starrsinn war eine entscheidende Triebkraft für Hitlers Aufstieg zur Macht.Schon Friedrich Ebert soll geäußert haben, das es sich lediglich dabei um einen 20-jährigen Waffenstillstand handelt. Alles braucht halt seine Zeit. Heute wissen wir unter Betrachtung aller Faktoren, das mit dem Ergebnis des ersten Weltkrieges bereits die Zündschnur für den zweiten Weltkrieg gelegt wurde. In den Jahrhunderten bis 1914 war Deutschland eine regelrechte Friedensmacht. Preussen hatte mehr Nobelpreisträger hervorgebracht, als alle anderen Nationen zusammen. Deutschland stieg zu einer Welt-Wirtschaftsmacht auf. Das passte weder den Britten, Franzosen, noch den Amerikanern. Deshalb bleib uns Deutschen nur die Hölle auf Erden, die man für uns bereitete. In diesem Sinne eine Fortsetzung des 30-jährigen Krieges. Da man das in Bruchstücken in Deutschland noch weiss, hat man es heute schwer die deutsche Bevölkerung gegen Russland in Stellung zu bringen.

Aber was bleibt als Gedanke für die 44 gelebten Jahre nach Ende des II. Weltkrieges? Letzendlich hätte ein unter zu großem Druck geratenes politisches System oder ein technischer Fehler in den Sicherungssystemen ein unvorstellbares Fiasko - einen Vernichtungskrieg auslösen können. Der weitestreichende Durchbruch zur Abrüstung, der gleichzeitig auch das Ende des Kalten Krieges einläutete, war 1987 der Plan von Gorbatschow, der die Vernichtung aller Mittelstreckraketen in Europa und die Reduzierung der Kernwaffen vorsah. NACH OBEN

 Empfohlene Links zum Thema:
 
Der ehemalige GSSD-Standort Halberstadt

Konstantin Wiktorowitsch Semjonow, Sowjetischer Offizier des 112. Selbständigen Aufklärungsbataillon (Halberstadt)

Truppen - Aufmarschgebiet Hillerleben

Tarnname Malachit

Werner Hartmann: Zur Geschichte der Garnision Halberstadt und Ihrer Truppenteile 1623 - 1994

Wikipedia: Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland

Horst Leps: Militärstrategien von NATO und Warschauer Pakt 1949 - 1989

Siegfried Lautsch: Verteidigungsoperationen der Warschauer Vertragsorganisation

Helmut R. Hammerich: Zu den NATO-Operationsplanungen während des Kalten Krieges

NZZ-Artikel: Pläne eines präemptiven Kriegs im Spiegel freigegebener Ostblock-Dokumente

Spiegel-Artikel 1984: Die Nato entwickelt neue Methoden zur Abwehr eines konventionellen Angriffs des Warschauer Pakts

Protokolle des Nationalen Verteidigungsrates des DDR

 Friedensbewegung

Massendemonstrationen in Bonn, Blockaden in Mutlangen: Die Friedensbewegung befindet sich auf ihrem Höhepunkt. Das sogenannte "Gleichgewicht des Schreckens" zwischen NATO und Warschauer Pakt durch atomare Aufrüstung wird in weiten Teilen der Gesellschaft mit Skepsis und Angst beobachtet.

Insbesondere gegen ein Vorhaben formiert sich der Widerstand: die Nachrüstung der Bundesrepublik mit den atomaren US-Mittelstreckenraketen Pershing II. Aus Sicht des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt (SPD) sollen sie die "Raketenlücke" schließen. Aus Sicht der deutschen Bevölkerung würde sich die Bundesregierung durch ihre Zustimmung der Vorbereitung eines Angriffskrieges schuldig machen, da die Raketen "eindeutig die Eigenschaften von Erstschlagswaffen besitzen", wie es in einer Klageschrift heißt.

Überall in Westdeutschland gründeten sich Friedensgruppen und im Laufe der Jahre 1981 und 1982 unterschreiben mehr als vier Millionen Bundesbürger den Krefelder Appell gegen die Atomraketenrüstung.

Hunderttausende demonstrieren im Bonner Hofgarten. Hundert Kilometer misst die legendäre Menschenkette, die die Friedensbewegung 1983 zwischen Stuttgart und Neu-Ulm organisiert. 1983 entscheidet der Bundestag dennoch für die Nachrüstung.


•12.12.1979 Nato-Verteidigungsminister beschließen die Aufrüstung mit 572 Mittelstreckenraketen.
•16.11.1980 Krefelder Appell gegen die Nachrüstung wird veröffentlicht.
•10. 10.1981 300.000 Menschen demonstrieren in Bonn für Abrüstung. Im Sommer 1982 sind es 400.000.
•1. - 3. 9.1983 Blockade in Mutlangen.
•22.10.1983 Menschenkette von Neu-Ulm nach Stuttgart
•22.11.1983 Gegen die Stimmen von Grünen und SPD beschließt der Bundestag, am NATO-Doppelbeschluss festzuhalten

Ähnlich wie in Westdeutschland auch war es vor allem die evangelische Kirche in der DDR, die sich frühzeitig gegen die Militarisierung wandte. Aber während die Proteste gegen die Wiederbewaffnung Deutschlands und gegen die Atompolitik der Adenauer-Regierung in der Bundesrepublik von Anfang an offen ausgetragen wurden (Kampagne "Kampf dem Atomtod" der Gewerkschaften und der SPD 1958, Ostermärsche ab 1960), sollte es in der DDR Jahrzehnte dauern, bis offener Protest möglich wurde.

Zunächst beschränkte er sich auf kirchliche Zirkel und auf persönliche Taten Einzelner. So gab es schon mit Einführung der Wehrpflicht 1962 Menschen, die den Militärdienst verweigerten und harte Gefängnisstrafen auf sich nahmen, um ihrem Gewissen zu folgen. 1964 wurden, auch auf Drängen der Kirchen, Baueinheiten in der NVA begründet. Der Dienst als Bausoldat war die einzige Möglichkeit innerhalb der sozialistischen Länder, den Militärdienst ohne Waffe zu absolvieren. Als "Total Verweigerer" lehnten vor allem Zeugen Jehovas den Wehrdienst als Bausoldat ab, die dafür ins Gefängnis gingen.

Innerhalb der Kirchen in der DDR gab es die Auffassung, dass atomare Abschreckung nicht mit dem Christsein vereinbar sei. Als 1978 in den Schulen das Pflichtfach "Wehrerziehung" eingeführt wurde, protestierte der Bund der evangelischen Kirchen in der DDR - ohne Erfolg.

In Friedensdekaden und kirchlichen Seminaren formierten sich seit etwa 1980 staatskritische, unabhängige Friedensinitiativen. Deren Symbol wurde ein Stoff-Aufnäher, der als "Textiloberflächenveredlung" galt und keine staatliche Druckgenehmigung erforderte. Er zeigte das Bild einer von der Sowjetunion 1959 an die Vereinten Nationen gestifteten Skulptur: Ein Mann schmiedet aus einem Schwert einen Pflug. "Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und Spieße zu Sicheln machen. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erhaben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen", heißt es beim Propheten Micha in der Bibel.

Eine spektakuläre Aktion in Wittenberg 1983 und die Berichterstattung "im Westfernsehen" brachte dieses Symbol der DDR-Friedensbewegung in das Bewusstsein vieler Menschen, die mit den kirchlichen und unabhängigen Friedensbewegungen bis dahin kaum oder gar nicht in Kontakt gekommen waren.

Es ist am 24. September 1983, als der Kunstschmied Stefan Nau auf dem Wittenberger Lutherhof vor mehr als 2.000 enthusiastischen Zuschauern ein Schwert zu einer Pflugschar umschmiedet. Das Bild, das den damals 38-Jährigen während der Schmiedeaktion zeigt, geht später um die Welt. Es wird zu einem Symbol der Friedensbewegung in Ost und West. Doch um Naus persönlichen Frieden ist es geschehen. Er muss für die spektakuläre Aktion einen hohen Preis zahlen.

Stefan Nau ist selbständiger Handwerker und betreibt in Wittenberg eine kleine Schmiedewerkstatt. In den Monaten nach der illegalen Aktion auf dem Lutherhof werden die Aufträge immer weniger und schließlich gibt es gar keine mehr. Nau steht vor dem wirtschaftlichen Ruin. Er vermutet, dass die Staatssicherheit dabei ihre Finger im Spiel hat. Und tatsächlich ist das ziemlich wahrscheinlich, auch wenn Nau keine Beweise dafür hat.


Petra Kelly und Gert Bastian

Berlin Alexanderplatz am 12. Mai 1983: Fünf Bundestagsabgeordnete der Grünen, darunter Petra Kelly und Gert Bastian, entrollen gemeinsam mit DDR-Oppositionellen ein Transparent mit dem "Schwerter-zu-Pflugscharen"-Symbol. Es dauert nur wenige Minuten, bis die Volkspolizei die Demonstranten festnimmt. Als sich herausstellt, dass es sich um die prominenteste westdeutsche Gegnerin der NATO-Mittelstreckenraketen handelt, entschuldigen sich die Polizisten höflich, verabschieden sich mit Handschlag und den besten Wünschen für den Kampf gegen die Hochrüstung in Westdeutschland.

Anfang der 1980er-Jahre ist das Wettrüsten zwischen Ost und West in vollem Gange. Der Warschauer Pakt verkündet die Stationierung von SS-20-Raketen. Die NATO reagiert mit dem Doppelbeschluss, ebenfalls Mittelstreckenraketen mit nuklearem Sprengkopf zu stationieren: Pershing-II sollen in der Bundesrepublik, Cruise Missiles in weiteren westeuropäischen Ländern dagegen halten.

Friedensschützer in Ost und West sind in Aufruhr. Unter ihnen auch Petra Kelly und Gert Bastian. Sie, Feministin, Mitbegründerin der Grünen und Symbolfigur der Friedensbewegung. Er, Russlandkämpfer im Zweiten Weltkrieg, ehemaliger Bundeswehrgeneral, dann Gegner der Mittelstreckenraketen. Im Herbst 1980 begegnen sie sich zum ersten Mal. Sie werden ein Paar und treten fortan gemeinsam gegen die Aufrüstung an.  1983 ziehen Kelly und Bastian mit den Grünen zum ersten Mal in den Bundestag ein. Die etablierten Parteien betrachten den Neuzugang argwöhnisch. Auch im Osten wird die Friedensbewegung mit den Grünen an der Spitze aufmerksam beobachtet.

Die SED sieht hier mögliche Verbündete gegen den NATO-Doppelbeschluss. Ende Oktober 1983, nur wenige Monate nach der Aktion auf dem Alexanderplatz, empfängt SED-Chef Honecker zum ersten Mal eine Delegation hochrangiger grüner Politiker, unter ihnen auch Petra Kelly. Sie fordert von Honecker die Freilassung der "Verhafteten der DDR-Friedensbewegung" und spricht ihn forsch in Bezug auf DDR-Oppositionelle an: "Ich würde Sie bitten zu erklären, Herr Honecker, warum Sie hier verbieten, was Sie bei uns bejubeln?"

Mitte der 1980er-Jahre kühlt Kellys und Bastians Verhältnis zu den Grünen immer mehr ab. Die kompromisslose Haltung der beiden Friedenskämpfer ist dort nicht mehr gefragt. Mit Bezug auf Kelly sagt die grüne Politikerin Renate Künast rückblickend, dass deren grenzenloser Mut zum Tabubruch einerseits faszinierend, aber für viele Mitstreiter auch beängstigend gewesen sei. Ende der 80er-Jahre schließlich ist die Zeit von Basisdemokratie und leidenschaftlichem Engagement abgelaufen. Auch die Grünen wollen Pragmatismus und Macht.

Der Abgang aus dem Rampenlicht führt Kelly und Bastian in die politische Isolation, mit der sie nur schwer umgehen können. Kelly wird von Zweifeln und Ängsten geplagt. Auch Bastian, der einst gefeierte Friedensgeneral, ist überzeugt davon, politisch gescheitert und abgeschoben zu sein. 1992 löscht er sein Leben - und das der schlafenden Petra Kelly - aus. Und zwar soldatisch - mit einem Revolver.

Frankfurter Erklärung

Verfasst am 8. Mai 1982 von Horst-Eberhard Richter und unterzeichnet von 14 Gründungsmitglieder der bundesdeutschen IPPNW, die Frankfurter Erklärung ist eine persönliche Willenserklärung alle kriegsmedizinische Vorbereitungs-Maßnahmen abzulehnen und sich daran nicht zu beteiligen:

"Ich halte alle Maßnahmen und Vorkehrungen für gefährlich, die auf das Verhalten im Kriegsfall vorbereiten sollen. Ich lehne deshalb als Arzt jede Schulung oder Fortbildung in Kriegsmedizin ab und werde mich daran nicht beteiligen. Das ändert nichts an meiner Verpflichtung und Bereitschaft, in allen Notfällen medizinischer Art meine Hilfe zur Verfügung zu stellen und auch weiterhin meine Hilfe zur Verfügung zu stellen und auch weiterhin meine Kenntnisse in der Notfallmedizin zu verbessern.

Da ein Krieg in Europa nach überwiegender Experten-Meinung unter Benutzung der modernen Massenvernichtungs-Waffen geführt werden würde, muss er absolut unmöglich gemacht werden. Jede Vorbereitungs-Maßnahme indessen, die von seiner Möglichkeit ausgeht, fördert indirekt die Bereitschaft, sich auf etwas einzustellen, was um jeden Preis verhindert werden muss. Deshalb erkenne ich als Arzt nur eine einzige auf den Kriegsfall bezogene Form der Prävention an, nämlich die Verhütung des Krieges selbst mit allen Anstrengungen, zu denen ich mein Teil beizusteuern entschlossen bin."

Kunst und Kultur

Kaum ein Thema hat die kulturelle Entwicklung seit dem zweiten Weltkrieg derartig beeinflusst wie die Atombombe, der dritte Weltkrieg und die Zeit danach.

In Frankreich entsteht unter der Regie Christian de Chalonges 1981 "Malevil", der von Überleben einer kleinen Gruppe in einem französischen Provinz-Dörfchen erzählt. Schweigen, Asche und Rauch dominieren den Film. Die Protagonisten richten sich nach dem Schlag nur mühsam wieder auf, nur um sich gleich im nächsten Konflikt - dieses mal mit anderen Überlebenden um die letzten Ressourcen - wieder zu finden.

In der UdSSR entsteht 1986 mit Konstantin Lopushanskys "Briefe eines Toten" ein dem Rüstungswahn entgegen gerichteter, deprimierender "Nachkriegsfilm", der das Sterben eines altem Professors im Bunker eines Museums dokumentiert. Er schreibt seinem verschollenen Sohn Briefe, in denen er Fragen nach dem Überleben der Menschheit aufwirft - aber weder auf die Briefe noch auf die Fragen gibt es eine Antwort.

In Deutschland entstand in der Zeit der Friedensbewegung eines der dramatischten Anti-Kriegs-Appelle der Musikgeschichte: Das Lied des deutschen bekannten Liedermachers, HANNES WADER: "Es ist an der Zeit". Millionen Menschen sangen das Lied auf Demonstrationen. NACH OBEN

 Die Wirkung von Kernwaffen (siehe Infografik zu Hiroshima und Nagasaki)

" ... Diese Waffe soll gegen Japan eingesetzt werden ... (Wir) werden sie so einsetzen, dass sie sich gegen militärische Ziele, Soldaten und Matrosen, aber nicht gegen Frauen und Kinder richtet. Auch wenn Japse Wilde, unbarmherzig, gnadenlos und fanatisch sind, können wir als führende Macht der Welt im Sinne des Allgemeinwohls diese schreckliche Bombe nicht über der alten und neuen Hauptstadt abwerfen ... Es wird sich um ein ausschließlich militärisches Ziel handeln ... (US Päsident Harry S. Truman am 25. Juli 1945 in seineTagebuch)

 "Die Welt wird feststellen, dass am 6. August die erste Atombombe auf Hiroshima, eine Militärbasis, abgeworfen wurde. Mit diesen ersten Angriff wollten wir, soweit das möglich war, den Tod von Zivilistenvermeiden..." (Präsident Harry S. Truman am 9. August 1945 in einer von Radio übertragen Rede an die Nation)

[Anmerkung: Die erste Atombombe wurde am 6. August 1945 über Hiroshima abgeworfen, die zweite am 9. August über Nagasaki, also am selben Tag, als Trumans Rede per Radio ausgestrahlt wurde.]

"Bis auf Narren und Verrückte weiß jeder, dass ein Nuklearkrieg eine beispiellose menschliche Katastrophe wäre. Ein normaler strategischer Sprengkopf besitzt eine Sprengkraft von zwei Megatonnen, das entspricht der Sprenkraft von zwei Millionen Tonnen TNT. Würde eine Explosion meiner Sprengkraft von zwei Megatonnen über einer mittleren Großstadt ausgelöst, würden die Gebäude praktisch verdampfen und die Menschen atomisiert. Von ihnen blieben nur Schattenrisse übrig. In den Außenbezirken würden die Gebäude wie Streichhölzer fallen, und es breitete sich eine verheerende Feuersbrunst aus. Sollte die Bombe direkt am Boden explodieren, bliebe vom Stadtzentrum nur ein riesiger Krater übrig, der denen gliche, die man durch ein Fernrohr auf der Mondoberfläche erkennen kann."
(Carl sagan, Nuclear Winter, 1983, S.4)

"Gegenwärtig besteht ein erhebliches Risiko eines Krieges, in dem solche Waffen zum Einsatz kämen, und ich habe nicht den geringsten Zweifel, dass ein Angriff der Vereinigten Staaten und Israels gegen die Islamische Republik Iran sich unvermeidlich zu einem weltweiten nuklearen Konflikt ausweiten würde.
Albert Einstein sagte einmal unmissverständlich: "Ich weiß nicht, mit welchen Waffen der Dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im Vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen." Wir verstehen genau, was er damit sagen wollte, und er hatte absolut recht, auch wenn es nach einem Atomkrieg niemanden mehr geben dürfte, der noch etwas mit den Stöcken und Steinen anfangen könnte.
Es käme zu Kollateralschäden, wie die amerikanische politische und militärische Führung immer erklärt, um den Tod unschuldiger Menschen zu rechtfertigen.
In einem Atomkrieg würde der Kollateralschaden den Tod der gesamten Menschheit bedeuten.
Bringen wird den Mut auf zu fordern, dass alle atomaren oder konventionellen Waffen und alles, was zum Kriegführen benutzt wird, verschwinden muss.
(Fidel Castro am 15. Oktober 2010)

"Jedes Land, das derzeit die nukleare Option erwägt, muss sich darüber im Klaren sein, dass es mit einer solchen Entscheidung nicht nur die Existenz seiner eigenen Bevölkerung, sondern auch die der gesamten Welt aufs Spiel setzt. Es ist an der Zeit, dass man weltweit noch einmal über die Gefahren von Atomwaffen nachdenkt und sich diesmal für den Weg zum Frieden entscheidet und zum ersten Mal seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts die Gefahr einer weltweiten Klimakatastrophe (des nuklearen Winters), die durch Kernenergie verurscacht wird, ausschaltet ...

Der Einsatz von Atomwaffen im Falle eines mit allen Miteln geführten Angriffs auf einen Gegner käme aufgrund der folgenden ungewöhnlichen Kälte und Dunkelheit, die durch Rauch der von der Bombe hervorgerufenen Feuerstürme entstünde, einer selbstmöderischen Handlung gleich. Man konnte tatsächlich zeigen, dass ein Land umso unsicherer ist, je mehr Atomwaffen es besitzt." (Dr. Alan Robock, September 2010) NACH OBEN

 Fukushima

Michel Chossudovsky im Mai 2012:
Die Welt steht am Scheideweg. Die Katastrophe im Kernkraftwerk im japanischen Fukushima hat die bedrohlichen Folgen radioaktiver Strahlung für alle unmissverständlich aufgezeigt.
Die Katastrophe in Japan wurde auch als "Atomkrieg ohne Krieg" bezeichnet. Die Auswirkungen dieser Krise, die kaum abzuschätzen sind, wiegen schwerer als die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, wie verschiedene Wissentschaftler bestätigen.
Die Katastrophe in Japan hat zudem allen die unausgesprochene Beziehung zwischen Kernenergie und Atomkrieg vor Augen geführt. Kernenergie ist keine "normale" zivile wirtschaftliche Aktivität. Sie ist ein Anhängsel der Atomwaffenindustrie, die wiederum von der Rüstungsindustrie kontrolliert wird. Die einflussreichen wirtschaftlichen Interessen hinter der Kernenergie und den Kernwaffen überschneiden sich. Auf dem Höhepunkt der Katastrophe in Japan waren die Kernkraftindustrie und die Regierung hektisch bemüht, die Aufdeckung von Forschungseinrichtungen für Atomwaffen, die in den japanischen zivilen Kernkraftwerken versteckt sind, zu verhindern.
In der Medienberichterstattung herrscht Übereinstimmung darüber vor, dass die Katastrophe in den fünf Kraftwerksblöcken in Fukushima eingedämmt wurde. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Die japanische Regierung musste einräumen, dass "die Gefahreneinstufung der nuklearen Katstrophe ... die Einstufung des Tschernobyl-Unglücks erreicht". Darüber hinaus könnte die Einlassung hochradioaktiven Wassers in den Pazifischen Ozean eine weltweite radioaktive Verseuchung nach sich ziehen. Nicht nur in Japan wurden radioaktive Elemente in der Nahrungskette nachgewiesen, bereits in Kalifornien wurde radioaktives Regenwasser festgestellt:
Gefährliche radioaktive Elemente wurden ins Meer und in die Luft rund um Fukushima freigesetzt und reichern sich auf jeder Stufe der verschiedenen Nahrungsketten (zum Beispiel in Algen, Krustentieren, kleinen Fischen, größeren Fischen und dann in Menschen oder im Erdboden, dann im Gras, im Rindfleisch und in der Kuhmilch und dann in Menschen) weiter an. Einmal im Körper, wandern diese Elemente - auch "innere Strahler" genannt - zu besonderen Organen wie der Schilddrüse, der Leber, den Knochen und dem Gehirn, wobei ständig kleine Zellvolumen mit hohen Dosen an Alfa-, Beta- und /oder Gamma-Strahlen bestrahlen. Wenn dies über viele Jahre erfolgt, kann es Krebs auslösen. NACH OBEN

 03.05.12

Veröffentlichter Artikel des Fokus-Online:
Der seit Jahren schwelende Konflikt zwischen der Nato und Russland um den geplanten Raketen-Abwehrschild der Militärallianz spitzt sich zu. Auf einer Sicherheitskonferenz in Moskau drohte der russische Generalstabschef Makarow mit einem Vernichtungsangriff.

Mögliche Schritte gegen den US-Rakentenschirm seien nicht nur die Stationierung von russischen Iskander-Raketen in Kaliningrad an der Ostsee, sondern auch ihr Einsatz zur Vernichtung von Komponenten des geplanten westlichen Verteidigungsschildes. Das sagte der russische Generalstabschef Nikolai Makarow am Donnerstag nach Angaben der Agentur Interfax auf einer Konferenz mit Verteidigungsexperten der Nato-Staaten in Moskau.

"Wenn die USA und die Nato es für möglich halten, bei Gewährleistung der eigenen Sicherheit, die Sicherheit ihrer Nachbarn außer Acht zu lassen, dann bleibt uns nichts anderes übrig, als passende Gegenmaßnahmen zu ergreifen", sagte Makarow. Er drohte wie in der Vergangenheit auch mit einem Ausstieg aus Abrüstungsverträgen.

Raum für Kompromiss wird immer enger

Moskau glaube den Beteuerungen Washingtons nicht, dass der Schild nur gegen andere Staaten und nicht gegen Russland gerichtet sei, betonte Makarow. Bisher hatte Russland nur mit der Stationierung eigener Verteidigungsanlagen gedroht, aber nicht so offen mit deren möglichen Einsatz.

In einem Grußwort an die Konferenzteilnehmer hatte der Kremlchef Dmitri Medwedew vor einem neuen Wettrüsten gewarnt, sollten die USA ihre bisherigen Pläne so umsetzen. Noch gebe es Raum für einen Kompromiss, hieß es in dem vorgelesenen Schreiben. Russland hatte der Nato eine Zusammenarbeit bei dem Abwehrschirm angeboten. Eine Anlage unter Umgehung russischer Sicherheitsinteressen lehnt Moskau ab. NACH OBEN

MOSKAU, 22. Oktober 2012 (RIA Novosti)

Eine "beispiellose Übung" der Strategischen Atomstreitkräfte Russlands hat Ende der vergangenen Woche stattgefunden, schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Montag.

So wurde sie zumindest vom Sprecher des Präsidenten Wladimir Putin, Dmitri Peskow, gepriesen. "Das war die erste derart umfassende Kommandoübung der Strategischen Atomstreitkräfte in der neusten Geschichte Russlands", betonte er.

Russlands strategische Triade besteht aus den Strategischen Raketentruppen, Atom-U-Booten und den strategischen Bombern. Bei der Übung wurden erfolgreich ballistische Langstreckenraketen und Marschflugkörper abgefeuert. "Alle Raketen haben ihre Ziele getroffen", teilte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums mit. Zunächst sei vom Weltraumbahnhof Plessezk (Gebiet Archangelsk) eine bereits seit 24 Jahren in Dienst stehende strategische Feststoffrakete RS-12M Topol (Nato-Code: SS-25 Sickle) in Richtung Kura (Kamtschatka) gestartet worden.

Einige Minuten später wurde vom Atom-U-Boot K-433 "Swjatoi Georgi Pobedonossez" im Ochotskischen Meer eine Flüssigkeitsrakete R-29R Sinewa (Nato-Code: SS-N-18 Stingray) mit einem Dreifachsprengkopf abgefeuert.

Das war der erste Unterwasserstart einer Langstreckenrakete in diesem Jahr. Im vergangenen Jahr gab es sieben dieser Starts (fünf davon mit der neuen Bulawa-Rakete). Die strategischen Raketentruppen starteten drei Raketen, von denen eine abstürzte.

Zudem wurden am Wochenende vier Marschflugkörper von den zwei Langstreckenbombern vom Typ Tu-160 und Tu-95MS nach einem 15-stündigen Flug von Engels (Gebiet Saratow) nach Workuta auf das Übungsgelände Pemboi (Republik Komi) abgefeuert.

Putins Sprecher sprach von einer "beispiellosen" Übung, weil der Präsident sie erstmals von einer neuen automatisierten Kommandostelle leitete.

In diesem Kontext ist erwähnenswert, dass das Verteidigungsministerium den Bau einer neuen schweren interkontinentalen Flüssigkeitsrakete gebilligt hat, die bis zu zehn Atomsprengköpfe tragen kann und die weltweit größte Rakete R-36M Wojewoda (Nato-Code: SS-18 Satan) ablösen soll. Derzeit verfügt Russland über etwa 50 Wojewoda-Raketen, die gegen 2020 bzw. 2025 ausgemustert werden sollen. Die neue Rakete soll nur halb so schwer (100 Tonnen), aber genauso schlagkräftig sein.

In letzter Zeit wurde darüber hinaus viel über die Wiedereinführung der auf Bahnzügen installierten Raketensysteme diskutiert. Die dafür geeigneten Raketen (RT-UTTH Molodez, Nato-Code: SS-24 Skalpell) wurden damals in der Ukraine hergestellt. Russland müsste also aus eigener Kraft derartige Raketen entwickeln bzw. bauen. Zudem stellt sich die Frage, ob sie überhaupt benötigt werden.

Der Kreml ist weiter über die US-Pläne zur Stationierung der Raketenabwehr in Nähe der russischen Grenzen beunruhigt. Die Raketentests könnten als eine Art "Geschenk" zur bevorstehenden US-Präsidentschaftswahl gesehen werden. Wie die Amerikaner darauf reagieren, wird sich wohl demnächst zeigen. NACH OBEN

 

 Deutschland heute

Deutschland ist heute mit 11% Anteil am weltweiten Waffenexportder der dritt größte Waffenlieferant der Welt, nach USA und Russland. Nur Amerikaner und Russen exportieren mehr Waffen

- 320.000 Arbeitsplätze hängen in Deutschland direkt oder indirekt von der Waffenindustrie ab
- Exportschlager: Panzer, Kampfjets, U-Boote und Maschinenpistolen, Munition
- innerhalb der vergangenen zehn Jahre hat sich der deutsche Export verdoppelt

Die wichtigsten Rüsungskonzerne:

Krauss-Maffei Wegmann in München - produzieren Leopard 2-Kampfpanzer

Rheinmetall Düsseldorf - neben dem "Puma" verkauft Rheinmetall Versorgungsfahrzeuge, Geschütze für Marine und Infanterie, Flugabwehrsysteme und Verteidigungselektronik.

Heckler & Koch in Oberndorf am Neckar - Kleinwaffen, Maschinenpistolen

ThyssenKrupp Marine Systems in Hamburg - U-Boote der Klasse 214
Die U-Boote des Typs Dolphin können mit Nuklearsprengköpfen bestückt werden.
21.02.12: Das erste von drei neuen U-Booten wurde in Kiel für Israel zu Wasser gelassen. Es soll über Raketenschächte für Atomwaffen verfügen 

EADS, deutsch-britische-italienische Kooperation - Eurofighter
Die European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) ist eine Firma mit Sitz in den Niederlanden. Sie produziert seegestützte Atomraketen für die französische Marine und hält sie instand. Zudem nimmt sie teil an einem Jointventure zur Herstellung von ASMP-Atomraketen für die französische Luftwaffe (MDBA).

Thales
Thales ist Teil eines Jointventures zur Herstellung der neuen seegestützten M51-Atomraketen für die französische Marine, die jeweils mehrere Atomsprengköpfe tragen. Die EADS-Tochter Astrium ist der Hauptunternehmer, wohingegen Thales der Hauptsubunternehmer ist.

EADS hat zwei Hauptanteilseigner: Daimler und die französische Holdinggesellschaft Sogeade (Société de gestion de l’aéronautique, de la défense et de l’espace).
Die in den Niederlanden ansässige "European Aeronautic Defence and Space Company" (EADS) beschäftigt sich mit der Herstellung und dem Verkauf von kommerziellen Fluggeräten, zivilen und militärischen Hubschraubern, kommerziellen Trägerraketen für die Raumfahrt, Lenkflugkörpern, Militärflugzeugen, Satelliten, Verteidigungssystemen und Verteidigungselektronik. EADS ist im französischen Nuklearwaffenprogramm involviert.

Neben dem Waffenexport gibt es Herstellungsgenehmigungen im Ausland

Im Grundgesetz heißt es zwar: Zur Kriegsführung bestimmte Waffen dürfen nur mit Genehmigung der Bundesregierung hergestellt, befördert und in Verkehr gebracht werden. Das Nähere regelt ein Bundesgesetz. Deutschland hat sich ein Kriegswaffenkontrollgesetz gegeben. Im Normalfall entscheidet das Wirtschaftsministerium über den Export, in strittigen Fragen der Bundessicherheitsrat - ein hochrangiges Gremium, dem unter anderem die Kanzlerin, der Verteidigungs- und Außenminister angehören. Einmal im Jahr gibt es den Rüstungsexportbericht. Doch die vermeintlich strengen Regelungen gebieten der Aufrüstung der Welt durch Deutschland keinen Einhalt. Der Bundestag darf bei Rüstungsexporten gar nicht erst mitreden.

Die Bundesregierung verortet gut die Hälfte der Exportgenehmigungen auf Nato- und EU-Staaten, bedeutendste Drittstaaten sind neben Südafrika die Vereinigten Arabischen Emirate, Brunei, Südkorea, Saudi-Arabien, Singapur und das derzeit massiv aufrüstende Brasilien. Auch die Bundeswehr selbst mischt immer mehr im internationalen Waffengeschäft mit, verkauft etwa Panzer aus Altbeständen. Der Export von Waffen und Rüstungsgütern muss von der Bundesregierung abgesegnet werden. Über jede Patrone, die das Land verlässt, wird Buch geführt. Doch die Zahlen sind trügerisch: Die Waffen deutschen Ursprungs, die im Ausland hergestellt werden, tauchen in deutschen Statistiken nicht auf.

Es sind freilich nicht U-Boote oder Atombomben, die in den weltweiten Kriegen und Konflikten die meisten Menschen töten. "Kleinwaffen sind die heutigen Massenvernichtungswaffen", hat Kofi Annan schon 2001 festgestellt.

Kriegsverbrechen Uranmunition - Interview mit Frieder Wagner

Quellen weisen daraufhin, dass Deutschland unter den fünf genannten »atomwaffenfreien« Ländern »das am stärksten mit Atomwaffen ausgestattete Land ist, mit drei Atombasen, von denen zwei voll einsatzfähig sind und in denen möglicherweise bis zu 150 Bomben vom Typ B61 gelagert sind. Aber für welchen Einsatz sind diese Massenvernichtungsmittel vorgesehen? Offiziell gilt Deutschland nicht als Atommacht, aber es stellt nukleare Gefechtsköpfe für die französische Kriegsmarine her, auf seinem Boden lagern nukleare Gefechtsköpfe und es verfügt über Anlagen zum Abschuss von Atomwaffen. Das Unternehmen European Aeronautic Defense and Space Company (EADS), ein deutschfranzösisches Gemeinschaftsunternehmen, das von der Deutschen Aerospace und der Daimler-Gruppe kontrolliert wird, gilt als der zweitgrößte europäische Rüstungsproduzent. Zu seinem Lieferprogramm gehört auch die französische Atomrakete M51.
ThyssenKrupp Marine Systems in Hamburg baut U-Boote des Typs Dolphin, die mit Nuklearsprengköpfen bestückt werden können. Das erste von drei neuen U-Booten wurde am 21.02.2012 in Kiel für Israel zu Wasser gelassen. Es soll über Raketenschächte für Atomwaffen verfügen. NACH OBEN

 Desinformation durch die Medien

Der Iran verfügt über etwa zehn Prozent der globalen Erdöl- und Erdgasreserven und liegt damit nach Saudi-Arabien (25 Prozent) und dem Irak (elf Prozent) weltweit an dritter Stelle. Im Vergleich dazu besitzen die USA weniger als 2,8 Prozent der weltweiten Erdölreserven. Vom Umfang her werden die Erdölvorkommen der USA auf weniger als 20 Milliarden Barrel geschätzt. Die in der Großregion Nahmittelost/Zentralasien vorhandenen Erdölvorkommen umfassen mehr als das 30-Fache der amerikanischen Reserven und repräsentieren damit mehr als 60 Prozent der weltweiten Erdölreserven. Von Bedeutung ist hierbei die jüngste Entwicklung im Iran, wo bei Soumar und Haigan die zweitgrößten bekannten Erdgasvorkommen der Welt mit einem Volumen von schätzungsweise 350 Milliarden Kubikmetern entdeckt wurden.
Durch das Anvisieren des Iran versuchen die angloamerikanischen Mächte nicht nur, die Kontrolle über die iranische Erdöl- und Erdgaswirtschaft wieder an sich zu reißen, sondern auch die Präsenz und den Einfluss Chinas und Russlands in der Region zu schwächen.

Unter dem Einfluss des Medienrummels nimmt die Öffentlichkeit eine Haltung stillschweigender Unterstützung ein oder verhält sich gegenüber den wahrscheinlichen Konsequenzen dieser als spontane Strafaktion gegen die Nukleareinrichtungen des Iran und nicht als ausgewachsener Krieg präsentierten Operation gleichgültig oder stellt sich unwissend. Zu den Kriegsvorbereitungen gehören die Bereitstellung und der geplante Einsatz von Atomwaffen amerikanischer und israelischer Herstellung. In diesem Zusammenhang werden die verheerenden Folgen eines Atomkrieges entweder heruntergespielt oder einfach unter den Tisch gekehrt.
Nach Darstellung der Medien und Regierungen ist nicht Krieg die wahre Bedrohung der Menschheit, sondern die Klimaerwärmung. Die Medien berichten bereitwillig über Krisen, die gar keine sind: so etwa die angeblich menschheitsbedrohende Schweinegrippepandemie, ausgelöst durch den Virus H1N1, aber niemanden scheint ein von den USA unterstützter Atomkrieg zu beunruhigen.
Der Krieg gegen den Iran wird der Öffentlichkeit als eines unter vielen Themen präsentiert. Er wird nicht als Bedrohung für Mutter Erde wie im Falle der Klimaerwärmung gewertet. Er findet kaum seinen Weg auf die Titelseiten. Dass ein Angriff auf den Iran eine massive Eskalation und potenziell sogar einen Weltkrieg auslösen könnte, ist offenbar kein Anlass zu Besorgnis.

Während die Kriegstrommeln wieder einmal im Iran, in Syrien und anderen Brennpunkten rund um den Globus geschlagen werden, fragen sich besorgte Bürger, wie es denn zustande kommt, dass bei einer des Krieges und des Blutvergießens so übertrüssigen Weltbevölkerung wieder einmal die Zeichen auf Krieg stehen können.

Um das Paradoxon verstehen zu können, muss man die jahrhundertelange Geschichte verstehen, wie die Medien die Nationen immer wieder in Kriegshysterie und in die Dehumanisierung des Gegners gepeitscht haben. Hinter den Medien stehen die Oligarchen, welche die Bevölkerung in Kriege manipulieren, deren Gründe sich Jahrzehnte später als vollkommen erstunken und erlogen erweisen.

Die Führung eines totalen Krieges gegen den Iran, in dem auch Atomsprengköpfe zum Einsatz kommen sollen, wird seit 2005 auf den Reißbrettern des Pentagons geplant. Wenn es zu diesem Krieg käme, ginge der ganze Mittlere Osten bis nach Zentralasien in Flammen auf, und die Menschheit würde in den Dritten Weltkrieg gestürzt. Der Dritte Weltkrieg ist kein Thema auf den Titelseiten der Zeitungen. Die Mainstream-Medien haben eine gründliche Analyse der Implikationen dieser Kriegspläne und eine Diskussion darüber ganz ausgeklammert.

Die Anzettelung des Dritten Weltkrieges - wenn es denn dazu kommt - könnte relativ unauffällig mit der Errichtung einer "Flugverbotszone" - einer Operation mit geringen "Kollateralschäden" - beginnen, die von der NATO mit ihrer "Responsibility to Protect / R2P" (ihrer Verpflichtung zum Schützen) begründet und zunächst in eine "eingeschränkte" Strafaktion - die Bombardierung bestimmter militärischer Ziele - münden würde; als Vorwände würden die "globale Sicherheit" und der Schutz der "Demokratie" und der "Menschenrechte" in dem angegriffenen Land (Iran) dienen.

Hoch entwickelte Waffensysteme
Die Öffentlichkeit weiß kaum etwas über die schwerwiegenden Auswirkungen dieser Kriegspläne, die ironischerweise den Einsatz von Atomwaffen zur Zerstörung des überhaupt nicht existierendem iranischen Atomwaffen-programms vorsehen. Außerdem verfügt die Militärtechnologie des 21. Jahrhunderts über eine ganze Reihe (sonstiger) hoch entwickelter Waffensysteme. Wir steuern auf die größte Krise der Weltgeschichte zu. Die Zukunft der Menschheit steht auf dem Spiel.

Die gegenwärtige Situation ist gekennzeichnet durch eine weit fortgeschrittene Kriegsplanung, in der eine furchterregende Militärmacht auch den Einsatz von Atomsprengköpfen vorgesehen hat. Das Pentagon will die ganze Welt militärisch unterwerfen. Der militärische Aufmarsch der Streitkräfte der USA und der NATO findet in mehrerer Regionen der Welt gleichzeitig statt.

Die Militarisierung auf globalem Niveau wird durch eine einheitliche Kommandostruktur der US-Streitkräfte ermöglicht: Unser ganzer Planet ist aufgeteilt in regionale Kampfkommandos, die unter dem Befehl des Pentagons stehen. Nach Aussage des ehemaligen Generals und NATO-Oberbefehls-habers Wesley Clark sieht der militärische Fahrplan des Pentagons eine ganze Reihe von Kriegen vor: " Die auf fünf Jahre angelegte Kampagne schließt insgesamt sieben Staaten ein: erst den Irak, dann Syrien, den Libanon, Libyen, den Iran, Somalia und den Sudan." Die Militäraktion wird im Namen des "Globalen Krieges gegen den Terrorismus" und der globalen Sicherheit geführt werden, und man wird den Anspruch erheben, "humanitäre" und "pro-demokratische Absichten" zu verfolgen. Man wird behaupten, nach Aussage wissenschaftlicher Experten, die im Dienste des Pentagons stehen, sei das Arsenal der taktischen Atomwaffen des Westens im Gegensatz zu den nicht existierenden der Islamischen Republik Iran völlig unschädlich für die Zivilbevölkerung, weil die Explosionen unterirdisch erfolgen".

Verantwortungslose Politiker unterschätzen die Implikationen ihrer Handlungen. Sie glauben ihrer eigenen Kriegspropaganda, die Atomwaffen als Instrumente zur Sicherung des Friedens und der Demokratie verkauft. Der Krieg wird zur friedenserhaltenden Maßnahme erklärt, die (angeblich) von der "internationalen Gemeinschaft" unterstützt wird. Die Opfer des Krieges werden als (potenzielle) Täter verunglimpft. Weil der Iran und Syrien (angeblich) die globale Sicherheit bedrohen, sei eine präemptive Militäraktion zu rechtfertigen. (Eine präemptive Maßnahme richtet sich gegen eine Gefahr, die einmal drohen könnte, während eine präventive Maßnahme eine bereits drohende Gefahr abwenden soll.)

 NACH OBEN

Außergerichtliches Töten

Jeder Staat ist verpflichtet die Menschenrechte zu schützen, Rechtsstaatlichkeit durchzuführen und das Völkerrecht zu achten.

Außergerichtliche Tötungen sind nach internationalen Gesetzen und Normen unentschuldbar, moralisch abscheulich. Artikel 23b der Haager Konventionen verbietet Tötungen, Verbannung oder Ächtung eines Feindes  oder das Festlegen eine Kopfgeldes, sowie das Angebot einer Belohnung für die Ergreifung eines Feindes ‚ob tot oder lebendig'.

1980 verurteilte der "6. UN-Kongress über die Verhinderung  von Verbrechen und die Behandlung von Straftätern" die Praxis der Tötung und Hinrichtung  politischer Gegner oder Verdächtige durch bewaffnete Kräfte... oder andere Regierungsagenturen oder durch paramilitärische oder politische Gruppen, die  von offiziellen Kräften oder Agenturen unterstützt werden ....

Außergerichtliche Tötungen geschehen ohne Rücksicht auf das Völkerrecht, das diese Praxis auf jeden Fall verbietet.

Menschenrechtsaktivisten betonen immer wieder, dass durch Drohnenangriffe außergerichtliche Tötungen durchgeführt würden und dies gegen internationales Recht verstoße.

Die Methoden und Mittel sind verschieden:

- Kampfflugzeuge, unbemannte Dronen, Luft-Boden-Raketen von Hubschraubern; Panzerbeschuss, Raketen und Beschuss von Kanonenbooten;

- Undercovereinheiten als Zivilisten verkleidet; Sie könnten leicht Verdächtige festnehmen - aber diese werden aus nächster Nähe erschossen

Meistens werden Zivilisten in ihren Häusern, in ihren Fahrzeugen, auf der Straße oder am Arbeitsplatz angegriffen. Manchmal werden ganze Familien getötet, einschließlich der Kinder, der Frauen, Alten und Kranken.

Von September 2000 bis Juni 2008 fanden 755 Exekutionen durch israelische Undercovereinheiten in den besetzen Gebieten in Palästina statt. Zu den Opfern gehörten 522 außergerichtlich getötete Zielpersonen und 233 in der Nähe befindliche Personen, von denen 71 Kinder und 20 Frauen waren. Im Gazastreifen wurden 405 Personen getötet, in der Westbank 350.

05.02.2013 Kampfdrohneneinsatz - oder wie die Schwelle zum Krieg sinkt

Überschriften wie "Merkel rüstet auf", "Raubvögel der Bundeswehr" und "Politikerstreit um die Drohnen" füllen in den letzten Tagen die Seiten der deutschen Presse. In den Artikeln und Kommentaren geht es um die Pläne des Bundesministeriu ms der Verteidigung, für die Bundeswehr Kampfdrohnen zu erwerben. Diese Pläne unterstützt auch die Bundesregierung.

In diesen Tagen bemerkte das Journal "Der Spiegel" hierzu Folgendes: "In den USA gehören sie längst zum festen Bestandteil des Waffenarsenals: Kampfdrohnen. Ob in Pakistan, im Jemen oder in Afghanistan - immer stärker setzen die Amerikaner auf die ferngesteuerten Flugobjekte, um Aufständische zu bekämpfen oder die eigenen Leute zu schützen. Auch die Bundeswehr, die bislang nur unbewaffnete Drohnen verwenden darf, wünscht sich für ihre Auslandseinsätze seit langem die leisen Killer: Bei der Truppe werden sie nur ‚Finger Gottes‘ genannt."

Wie "Der Spiegel" schreibt, könne die Forderung der Truppe wohl bald Realität werden. Das schwarz-gelbe Kabinett von Angela Merkel bekräftigte offiziell die Absicht, Kampfdrohnen zu erwerben. Ein Regierungssprecher sagte, das sei "unbedingt erforderlich". Die Zeitung "Neues Deutschland" zitierte seine Worte, wo es hieß, man könne damit Ziele augenblicklich, effektiv und mit hoher Genauigkeit treffen. Ein Sprecher von Verteidigungsmin ister Thomas de Maiziére erklärte, man sei "in einem Planungsprozess" . Die verkündeten Pläne lösten im Lande eine Welle erbitterter Debatten aus. Analytiker warnen vor der Gefahr neuer Formen der Kriegführung. Auch die Kirchen bekunden ihre Besorgnis, die Öffentlichkeit protestiert.

Möglicherweise hat man die Stimmungen der Öffentlichkeit unterschätzt. Aber das wird zu nichts anderem führen, außer zur Abnahme des Ansehens dieser oder jener Politiker oder sogar der Regierung insgesamt. Die Konsequenzen des Einsatzes dieser neuen Waffen sind fatal, und man wird sie unmöglich korrigieren können. Das weckt bei den Experten mehrere Fragen militärischer wie moralisch-rechtl icher Art. Im Interview für den "Deutschlandfunk " bezeichnete der Autor des vor kurzem in Deutschland erschienenen Buches "Gezielte Tötung" Armin Krishnan, Professor für "Security Studies" an der University of Texas, den Glauben an einen "sauberen Krieg" als eine Illusion. Er sagte, erstens gebe es "ein erhebliches Ausmaß an Kollateralschäde n", und zweitens würden oft Fehler gemacht, wenn es um die Auswahl der zur Tötung bestimmten Person gehe. Was die moralisch-rechtl ichen Aspekte betrifft, so bezeichnet Professor Krishnan die Drohnenangriffe als vom Staat sanktionierten Mord.

"Theoretisch, wenn man nur die bösen Leute tötet, dann könnte es gerechter sein. Was mir allerdings Sorge bereitet, ist die große Geheimhaltung in Bezug auf gezielte Tötungsoperation en. Sie unterliegen strengster Geheimhaltung. Es ist nicht bekannt, wer die Zielperson ist oder warum diese Zielperson als Zielperson ausgewählt wurde. Und es ist oft auch nicht bekannt, wie viele Kollateralschäde n dabei entstehen. Und da eröffnen sich halt Möglichkeiten des Missbrauchs."

Der Experte der deutschen Wochenzeitung "Die Zeit" Ulrich Ladurner meint, "Robotisierung senkt die Schwelle zum Krieg. Wer Maschinen für sich kämpfen lassen kann, der entscheidet sich schneller und leichter für einen Angriff."Doch ohne Menschen kann ein Krieg weder gewonnen noch beendet werden. Deshalb erklingen seitens der Juristen immer öfter Forderungen, die rechtlichen Aspekte des Einsatzes von Kampfdrohnen auszuarbeiten, es wird sogar die Verabschiedung einer internationalen Konvention gefordert. Aber nicht alle Experten glauben an eine solche Möglichkeit, darunter Viktor Litowkin, verantwortlicher Redakteur der Zeitung "Nesawissimoje wojennoje obosrenije" (Unabhängige Militärrundschau ).

"Der Einsatz von Drohnen verlangt natürlich irgendeine gesetzgeberische Regelung auf internationaler Ebene. Denn in der Regel dringen sie in den Luftraum souveräner Staaten ein - zum Beispiel in Pakistans oder im Jemen, sie führen Schläge, die ein Operator bestimmt, der sich tausende Kilometer vom Ort des Geschehens entfernt befindet. Jener kann sich irren. Aber ich bin nicht überzeugt, dass alle führenden Staaten der Welt zur Unterzeichnung irgendeiner Konvention bereit sind. Russland beabsichtigt nicht, Kampfdrohnen außerhalb seines Territoriums einzusetzen, aber die USA werden es kaum wollen, dass man sie in dieser Frage einschränkt."

Indessen wird mitgeteilt, dass sich Großbritannien auf den Test einer mit Überschallgeschw indigkeit fliegenden Kampfdrohne für Bombenangriffe vorbereitet. Nach den jüngsten Angaben sollen bereits mehr als 50 Länder der Erde über Technologien zum Bau von Drohnen verfügen. Die Kriege werden in der letzten Zeit deshalb aber keineswegs "sauberer".

 

Hochrangige Politiker in der Welt werden sich eines Tages vor der Geschichte rechtfertigen müssen. Sie machen sich mitschuldig, wenn sie nicht darauf pochen und ihren Einfluss geltend machen, dass dass Menschen- und Völkerrecht  zu respektieren ist.

 

 Es ist wieder 5 vor 12

"Das Gedächtnis der Menschheit für erduldete Leiden ist erstaunlich kurz. Ihre Vorstellungsgabe für kommende Leiden ist fast noch geringer. Die Beschreibungen, die der New Yorker von den Greueln der Atombombe erhielt, schrecken ihn anscheinend nur wenig. Der Hamburger ist noch umringt von Ruinen, und doch zögert er, die Hand gegen einen neuen Krieg zu erheben. Die weltweiten Schrecken der vierziger Jahre scheinen vergessen. Der Regen von gestern macht uns nicht naß, sagen viele.

Diese Abgestumpftheit ist es, die wir zu bekämpfen haben, ihr äußerster Grad ist der Tod. Allzu viele kommen uns schon heute vor wie Tote, wie Leute, die schon hinter sich haben, was sie vor sich haben, so wenig tun sie dagegen.

Und doch wird nichts mich davon überzeugen, daß es aussichtslos ist, der Vernunft gegen ihre Feinde beizustehen. Lasst uns das tausendmal Gesagte immer wieder sagen, damit es nicht einmal zu wenig gesagt wurde! Laßt uns die Warnungen erneuern, und wenn sie schon wie Asche in unserem Mund sind! Denn der Menschheit drohen Kriege, gegen welche die vergangenen wie armselige Versuche sind, und sie werden kommen ohne jeden Zweifel, wenn denen, die sie in aller Öffentlichkeit vorbereiten, nicht die Hände zerschlagen werden." - BERTOLT BRECHT 1952

Die Atomkriegsuhr ( doomsday clock ) oder "UHR DES JÜNGSTEN GERICHTS" ist eine Methode des Berichtsblattes der Atomwissenschaftler ( Bulletin of Atomic Scientists ) der Welt zu zeigen wie nahe sie - nach Meinung der Wissenschaftler - am Rande eines Atomkrieges steht. Die Entscheidungen trifft der BAS-Aufsichtsrat gemeinsam mit einem Sponsorenrat, in dem zurzeit (2010) 18 Nobelpreisträger vertreten sind.

Die Uhr spielt auf die Metapher an, es sei fünf Minuten vor zwölf, wenn ein äußerst nachteiliges Ereignis unmittelbar droht. 1947 wurde sie mit der Zeigerstellung sieben Minuten vor zwölf gestartet und seither in Abhängigkeit von der Weltlage vor- oder zurückgestellt. Seit dem 10. Januar 2012 steht sie auf fünf Minuten vor zwölf.

 

doomsday_clock_graph

 

19.12.2013 - STIMME RUSSLANDS: Ein globaler Atomkrieg ist glücklicherweise ausgeblieben - nun befürchten Experten lokale Atomkonflikte. Jeder davon kann gravierende Konsequenzen für die ganze Welt haben und die Menschheit an den Rand des Abgrunds bringen.

Aus heutiger Sicht waren die guten alten Zeiten ziemlich berechenbar. Unsere damaligen Ängste hingen meistens mit der globalen Konfrontation der Sowjetunion und der USA zusammen. Tief im Inneren glaubten wir aber daran, dass die Welt trotz aller ideologischen Kämpfe in der Lage ist, einen Schritt vor dem Abgrund halt zu machen. Die Staatschefs der beiden Supermächte waren vernünftig genug, um keine selbstmörderischen Befehle zu erteilen. Sie waren sich ihrer Verantwortung vor der Menschheit völlig im Klaren.

Die Welt hat sich jedoch geändert - derzeit ist sie nicht mehr bi-, sondern multipolar. Diese neue Welt hat zwar gewisse Vorteile - ein wichtiger Nachteil besteht aber darin, dass die globale Instabilität zunimmt. Wenn alle gleich sind, kann man einander nicht zurechtweisen. Jeder handelt entsprechend seiner eigenen Vorstellung von Gut und Gerechtigkeit, jeder orientiert sich an eigenen Interessen.

Die Nichtweiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen funktioniert nicht mehr so reibungslos. Haben die Atombomben zuvor als Waffe der Starken gegolten, so sind sie derzeit eher ein Instrument für Schwache, ein letztes Mittel, um sich vor einer ausländischen Expansion zu schützen. Einst konnte man nur aus Washington und Moskau den Start ballistischer Atomraketen befehlen - nun kann dieser Befehl nahezu aus jeder Ecke der Welt kommen. Der Experte Pjotr Topytschkanow vom Zentrum für internationale Sicherheit am Institut für Weltwirtschaft und Auslandsbeziehungen der Russischen Akademie der Wissenschaften kommentiert:

"Wenn ein Staat über Atomwaffen verfügt, so hat er auch militärische Pläne für den möglichen Einsatz dieser Waffen. Kommt es zu einem Konflikt, können diese Waffen eingesetzt werden. Und selbst wenn es keinen Konflikt gibt, ist ein Start infolge eines technischen Fehlers nicht auszuschließen. Zwar haben Russland und die USA das Risiko eines solchen Fehlers auf ein Minimum reduziert, das hat sie aber langjährige Bemühungen gekostet. Sie haben reichlich Erfahrungen auf diesem Gebiet gesammelt. Andere Länder, die ihre Atomwaffen erst kürzlich bekommen haben, verfügen nicht unbedingt über solche Erfahrungen. Deren Risiken sind deshalb größer. Ein Beispiel dafür wären Indien und Pakistan. Nehmen wir an, im Zuge ihres Konflikts um Kaschmir versetzen die beiden Länder ihre Atomwaffen in erhöhte Bereitschaft. Dies kann von einer Konfliktpartei irrtümlich als Atomangriff gedeutet werden. Das wäre ein ziemlich realistisches Szenario dafür, wie Kernwaffen heutzutage zum Einsatz kommen könnten."

In Bezug auf die Gefahr einer nuklearen Katastrophe ist die Situation in Südasien laut vielen Experten mehr Besorgnis erregend als etwa im Nahen Osten oder auf der Koreanischen Halbinsel. Der schwelende Konflikt zwischen Indien und Pakistan kann jeden Moment auf nukleares Feuer hinauslaufen. Dafür gibt es mehrere fundamentale Gründe - und jeder davon macht eine umfassende Konfliktregelung in den nächsten Jahren fast unmöglich.

Die beiden Konfliktparteien verfügen mittlerweile über viele Kampferfahrungen. Die Nuklearwaffen sind zwar ein Instrument der Abschreckung, können sich aber unter gewissen Bedingungen als Katalysator erweisen, der die Spannungen zu einem Atomkrieg mutieren lässt. Wird dieses tragische Szenario Realität, so rückt eine der ärmsten und besonders dicht bevölkerten Regionen des Planeten ins Fadenkreuz. Die Regierungen in Neu-Delhi und Islamabad gehen zwar davon aus, dass der eventuelle Konflikt lokal bleibt und keine gravierenden Verluste verursacht, sie irren sich aber gewaltig. Selbst ein begrenzter Atomkonflikt zwischen Indien und Pakistan würde die schrecklichste Katastrophe in der Geschichte der Menschheit bedeuten.

Militärisch gesehen hat der indische Bundesstaat Jammu und Kashmir eine ziemlich günstige geografische Lage. Von dort aus ist die pakistanische Hauptstadt für indische Mehrfachraketenwerfer und Kurzstreckenraketen erreichbar. Um Neu-Delhi anzugreifen, braucht Pakistan dagegen Mittelstreckenraketen und Bomber. Indien verfügt derzeit über rund 300 Atomraketen mit verschiedener Reichweite, ihre Sprengköpfe sind zehn bis 100 Kilotonnen stark. Pakistan hat rund 100 vergleichbar starke Atomraketen.

Manche Experten gehen davon aus, dass Indien die Pakistaner zu einem nuklearen Einzelschlag provozieren könnte, um dann im Gegenzug seinen regionalen Konkurrenten mit einem massiven Gegenschlag auszuradieren. Selbst wenn die Hälfte aller indischen und pakistanischen Raketen gegenseitig abgefangen wird, verursacht der Rest verheerende Zerstörungen.

Rund zwölf Millionen Menschen können bereits in den ersten Sekunden durch Feuer und Schockwelle getötet werden, rund 100 Millionen sterben wahrscheinlich innerhalb von zwei bis drei Tagen. Radioaktive Verseuchung, Hunger sowie weitere humanitäre und ökologische Folgen fordern dann zehn bis 20 Millionen Todesopfer monatlich. Niemand wird die Toten begraben, denn alle Überlebenden werden die betroffenen Gebiete möglichst schnell verlassen wollen. Atomexplosionen werden außerdem Beben, AKW-Pannen und Havarien in chemischen Betrieben verursachen - all dies schürt zusätzlich das Chaos. Später kann sich die Radioaktivität auf die benachbarten Regionen wie China, Südostasien und Nahost ausbreiten. Pjotr Topytschkanow kommentiert weiter:

"Die Folgen eines Atomwaffeneinsatzes werden überall dramatisch sein. Selbst bei einer einzelnen Atomexplosion bekommt die ganze Welt die Konsequenzen zu spüren - wie damals nach dem Super-GAU von Tschernobyl. Und falls es zu einem nuklearen Schlagabtausch zwischen Indien und Pakistan kommt, wird die Katastrophe nicht lokal sein. Sie wird laut einigen Einschätzungen globale Ausmaße haben. Alle Menschen auf dem Planeten haben dann mit den Konsequenzen zu tun."

Experten der IPPNW (International Physicians for the Prevention of Nuclear War) prognostizieren beispielsweise: Im Fall eines indisch-pakistanischen Atomkrieges schrumpft der Anbau von Agrarpflanzen deutlich - und mindestens zwei Milliarden Menschen verlieren dadurch Zugriff auf Nahrungsmittel. Hinzu kommen verheerende Seuchen, wodurch einige Hundertmillionen Menschen zusätzlich in Lebensgefahr geraten. Wegen zahlreicher Brände im Konfliktgebiet werden außerdem Millionen Tonnen Ruß die Atmosphäre verseuchen. Die dabei gebildeten Wolken verursachen wiederum niedrigere Durchschnittstemperaturen. Von diesem Klimaeffekt werden vor allem Eurasien und die USA betroffen sein. Zwar bedeutet das noch kein Ende der menschlichen Zivilisation. Die globale Situation wird sich aber irreversibel zum Schlechten wenden.

 Forscher nutzen dieses tragische Szenario als Modell, um vor einer Unterschätzung regionaler Krisen zu warnen, damit die nukleare Büchse der Pandora nicht geöffnet wird. Dies betrifft nicht nur Indien und Pakistan, sondern auch den Konflikt zwischen dem Iran und Israel, zwischen Nord- und Südkorea. Das betrifft eigentlich jeden Staat, der in den nuklearen Klub durch die Hintertür gelangen will. Großmächte, die bei regionalen Krisen hinter unmittelbaren Akteuren stecken, lassen sich von eigenen egoistischen Interessen leiten - sie schüren die Eskalation oder verhindern zumindest eine Regelung. Im vergangen Jahrhundert hat dieses Vorgehen glücklicherweise keinen Atomkrieg verursacht. Die Gefahr ist aber noch nicht vorbei.

 

 

 

 

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(Empfehlung: Lesen Sie auch die umfangreichen Beiträge Der Zwei-plus-Vier-Vertrag und Der Zweite Weltkrieg - recherchiert und aufbereitet von M. Wagner)

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