Die Zeit von 1989 bis 1996

 

(...Aus der Festschrift 1060 Jahre Heteborn am Hakel von 1996)

Mit der politischen Wende im Herbst 1989 änderte sich auch in Heteborn einiges. Der anfänglichen Euphorie über die gewonnene Freiheit folgten zunächst Unsicherheit, Ungewißheit und reichlich Arbeitslosigkeit.

Letztere griff hier besonders kraß um sich, da unsere Gemeinde bis dahin fast ausschließlich landwirtschaftlich geprägt und die Mehrheit der im Jahr 1989 gezählten 455 Einwohner in der Landwirtschaft tätig war. Der Zusammenbruch des Sozialismus bedeutete die Liquidation der LPG-Tierproduktion und die Umstrukturierung damaligen LPG-Pflanzenproduktion in eine Agrargenossenschaft, was mit einer wesentlichen Reduzierung der Beschäftigten einherging. Die Auflösung wichtiger Versorgungsträger, z.B. der Konsumgenossenschaft, sorgte für weiteren Stellenabbau.

Die bereits vor der Wende arbeitenden zwei Gewerbebetriebe Vatterott (KFZ-Werkstatt) und Hellmund (Tischlerei) konnten Ihre Betriebe erfreulicherweise erhalten und erweitern. Inzwischen gründeten sich der Containerdienst Hampe und der Kfz-Elektrik-Service Mechnik mit einigen Beschäftigten. Für die Versorgung der Bevölkerung sorgen die Gaststätte "Zur Schmiede" der Familie Cothmann, der Hakelshop und der Friseursalon sowie ambulante Händler.

In der Landwirtschaft bewirtschaften neben der Agrargenossenschaft eG. Hedersleben zwei private Neueinrichter mit ihren Beschäftigten die Flächen in der Gemarkung Heteborn. Alle Landwirtschaftsbetriebe betreiben Milchproduktion. Ebenso sind einige Nebenerwerbslandwirte tätig.

Die Revierförsterei des Staatsforstamtes Pansfelde hat ihren Sitz in unserem Ort und ist auch Arbeitgeber für einige Heteborner, insbesondere natürlich im Hakel, welcher seit dem 17.10.1995 in seiner Gesamtheit zum Naturschutzgebiet erklärt wurde.

Die Gemeinde selbst sorgte mit der Wiedereinrichtung der Kindertagesstätte, einschließlich Hortbetreuung, im Herbst 1995 für die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Betreuung unserer Jüngsten im Heimatort.

Die Senioren werden durch Angehörige bzw. ambulante Pflegedienste betreut. Zweimal wöchentlich kommt der Arzt in unseren Ort.

Durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen wird die Zahl der Arbeitslosen geringer gehalten, was aber nicht über den Mangel an echten Alternativen hinwegtäuschen sollte.

Unsere Einwohnerzahl betrug am 31.12.95 nur noch 415.

Heteborn gehört seit der Gebietsreform im Juli 1994, dem Wunsche der Einwohner entsprechend, wieder zum Landkreis Quedlinburg.

1994 schloss sich unser Ort gemeinsam mit den Orten Hedersleben, Wedderstedt, Hausneindorf und Ditfurt zu einer Verwaltungsgemeinschaft zusammen. Der Hauptsitz der VWG befindet sich in Wedderstedt, etwa 9 km von Heteborn entfernt.

Derzeit herrscht in Heteborn rege Bautätigkeit. Mit der Aufnahme ins Dorferneuerungsproghramm 1993 waren günstige Voraussetzungen, sowohl für privat als auch gemeindliche Bauvorhaben gegeben, um die bis dahin zumeist extrem vernachlässigte Bausubstanz  und Infrastruktur sanieren zu Können. 1994 konnte der Anger neu gestaltet und das Gemeindehaus mit den dringend notwendigen, neuen Fenstern und dem Dach versehen werden. 1995/96 soll der 1. Bauabschnitt zur Sanierung der Dorfstraße und der Friedensstraße erfolgen.

Die Verlegung des Rohrnetzes zur zentralen Abwasserversorgung ist in vollem Gange, wenn uns auch die Mitgliedschaft im WAZ "Huy Fallstein" starkes Kopfzerbrechen bereitet, insbesondere wegen der unbefriedigenden Verbandsführung und der explodierenden Kosten.

Unser Versorger mit Trinkwasser ist die Midewa, die bald Rappbodewasser bereitstellen wird.

Der harte, langanhaltende Winter 95/96 hat es fast unmöglich gemacht, Heteborn zu erreichen, denn er hat den schon desolaten Straßen den Rest gegeben. Der Ausbau ist bereitsgeplant.

Im jahr 1995 bewarb sich die Gemeinde Heteborn um den Standort zur Errichtung eines geplanten Berufsschulungszentrums des Landkreises Quedlinburg. Der Domänenhof mit seinen Gebäuden und die schöne Umgebung bieten günstige Voraussetzungen dafür. Da mehrere Orte des Landkreises Quedlinburg ihre Bewerbung dafür eingereicht haben, wird der Kreistag das letzte Wort haben.

Unabhängig von dieser Entscheidung stehen die Heteborner Ratsfrauen und -herren weiter vor der schwierigen Aufgabe, eine sinnvolle Nutzung für dieses zentrale und ortsbeherrschende Objekt zu suchen und zu finden. Dabei müssen sie auch auf die Unterstützung der Verwaltungsgemeinschaft, des Landkreises und des Landes hoffen, denn dieses Objekt entscheidet mit über die Zukunft unseres Ortes.

Wichtige zukunftsweisende Weichen für die Entwicklung von Heteborn wurden neben dem Landschafts- und Flächennutzungsplan im Dorfentwicklungsplan für Heteborn gestellt. Diese gilt es auszubauen und in Form einer Gesamtentwicklungskonzeption unter einen Hut zu bringen. Die tolle Idee zur Etablierung einer "Harz-Börde-Straße" kam Ende 1994 aus Heteborn. All diese planerischen Instrumente gilt es mit Leben zu erfüllen, um sie für unseren Ort, seine Umgebung und seine Menschen nutzbar zu machen.

Untrennbar von Heteborn ist der Hakel, weithin bekannt und sichtbar.

Ebenso sichtbar, allerdings von den Hetebornern nicht so gern gesehen aber liebevoll als Telespargel bezeichnet, ist der im Jahr 1992 von der Telekom erbaute ca. 90 m hohe Fernmeldeturm, unmittelbar in Hakelnähe.

Auf kulturellem Gebiet erstarben nach der Wende zunächst alle sich zuvor zart entwickelnden Initiativen, die da hießen: Sportgemeinschaft "Grün-Weiß" und Dorfclub. Allein der Hakelchor setzte sich weiterhin durch und singt nun sein 120-jähriges Bestehen als gemischter Chor ein. Die Gründung des "Dachverbandes aller Vereine und Gruppen" des Heimatvereines Heteborn am Hakel e.V. fand am 05.02.96 statt. Ihm gehören neben den Schützenverein, der Chor, die FFW und die Gemeinde selbst an. Dem Heimatverein sind auch die Ausgangsinitiativen zur 1060-Jahr Feier unseres Ortes zu danken.

Dorferneuerung und Entwicklung in all den genannten Bereichen wird uns in Zukunft zu sichtbaren und gewünschten Erfolgen führen. Wenn wir dabei "die Kirche im Dorfe lassen" wird der wichtigere, aber unsichtbare Erfolg im positiven Denken, Fühlen und Handeln unserer Bürger für unseren Heimatort sein.

 

 

 

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